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„Außergewöhnliche Persönlichkeit“Grande Dame der Fernsehbranche – Regina Ziegler ist tot

Sie begann ihre Karriere in einer Zeit, als die Filmbranche noch in Männerhand war. Doch schnell gehörte Ziegler zur Spitze.

Die Berliner Filmproduzentin Regina Ziegler 2018 vor der Verleihung des Carl Laemmle Produzentenpreises in einem kleinen Kino im Schloss Großlaupheim. (Archivbild)

Die Berliner Filmproduzentin Regina Ziegler 2018 vor der Verleihung des Carl Laemmle Produzentenpreises in einem kleinen Kino im Schloss Großlaupheim. (Archivbild)

Sie zählte zu den prägenden Persönlichkeiten der deutschen Film- und TV-Branche und war die erste Frau, die hierzulande eine Produktionsfirma gründete. Nun ist die erfolgreiche Filmproduzentin Regina Ziegler tot. Sie starb unerwartet mit 82 Jahren in Berlin, wie ein Sprecher der Ziegler Film GmbH der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung berichtet.

„Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer müssen wir mitteilen, dass Regina Ziegler heute Morgen, am 1. November, verstorben ist“, hieß es auf der Seite des Unternehmens. „Mit ihr verlieren wir nicht nur die Gründerin von Ziegler Film, sondern auch eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die die deutsche Film- und Fernsehlandschaft über Jahrzehnte geprägt hat.“

Ziegler, die am 8. März 1944 in Quedlinburg in Sachsen-Anhalt geboren wurde, gewann im Laufe ihrer mehr als 50 Jahre dauernden Karriere zahlreiche Preise. Vor rund drei Wochen war sie noch gemeinsam mit Schriftstellerin Jenny Erpenbeck und Regisseur Volker Schlöndorff bei der Frankfurter Buchmesse gewesen. Die Verfilmung des Romans „Heimsuchung - Eine Jahrhundertgeschichte“ wurde mit dem Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Adaption 2026 ausgezeichnet.

Ziegler stand auch für TV-Hits wie „Weissensee“

Die Grand Dame der deutschen Fernsehbranche arbeitete neben Schlöndorff mit weiteren Stars wie Rainer Werner Fassbinder („Kamikaze 1989“) oder Ulrich Schamoni („Chapeau Claque“) zusammen. Wiederholt produzierte sie Filme ihres zweiten Ehemanns, Regisseur Wolf Gremm („Fabian“). Und sie stand für TV-Hits wie „Weissensee“ (ARD), „Familie Bundschuh“ und „Kommissarin Heller“ (beide ZDF).

Deutscher Filmpreis, International Emmy, Grimme-Preis - die Liste der Auszeichnungen ist nach mehr als 50 Jahren im Geschäft lang. Im Büro im Berliner Stadtteil Charlottenburg blinken Dutzende Trophäen. Man verlieh Ziegler schon 2012, 2016 und 2018 namhafte Preise für ihr Lebenswerk. Sie machte aber fleißig immer weiter.

Der damalige Moderator von Geschichtssendungen Guido Knopp (v. l. n. r.), Produzentin Regina Ziegler, Heiner Gatzemeier, damaliger Leiter der Tagesredaktion beim deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ZDF, sowie der Regisseur und Co-Autor von „Die Wölfe von Berlin“, Friedemann Fromm, alle aus Deutschland, posieren nach der Verleihung des Emmys für den besten Fernsehfilm/die beste Miniserie.

Der damalige Moderator von Geschichtssendungen Guido Knopp (v. l. n. r.), Produzentin Regina Ziegler, Heiner Gatzemeier, damaliger Leiter der Tagesredaktion beim deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ZDF, sowie der Regisseur und Co-Autor von „Die Wölfe von Berlin“, Friedemann Fromm, alle aus Deutschland, posieren nach der Verleihung des Emmys für den besten Fernsehfilm/die beste Miniserie.

„Es warten noch so viele wunderbare Projekte darauf, realisiert zu werden“, sagte Ziegler im Jahr 2024 der Deutschen Presse-Agentur kurz vor ihrem 80. Geburtstag. „Ich blicke mit Freude und auch ein wenig Verwunderung auf die letzten 80 Jahre zurück“, zog die Grande Dame der Branche damals Bilanz. „Die Zeit verging wie im Flug und hat mir unendlich viele tolle Momente beschert. Wenn ich zurückschaue, würde ich alles wieder so machen.“ Ihr Blick war jedoch stets nach vorn gerichtet: „Ich kann gar nicht anders“, so die umtriebige Berlinerin.

Karriere in schwieriger Zeit begonnen

Ziegler begann ihre Karriere in einer Zeit, als Männer die Filmbranche dominierten. Der Weg war steinig. In ihrer Autobiografie „Geht nicht, gibt's nicht“ (2017) schrieb Ziegler 2017 über den Start in einer Männerdomäne. Im Jahr 1973, in einer Zeit, als Frauen noch den Ehemann um Erlaubnis fragen mussten, wenn sie eine Arbeit annehmen wollten, kündigte sie ihre Festanstellung. Mit 60 D-Mark Startkapital und Geld, das sie sich bei ihrer Mutter, bei Freunden und Verwandten borgte, gründete sie ihre eigene Produktionsfirma.

Die Schauspielerinnen Katherina Hunter und Maria Schell, Produzentin Regina Ziegler und Helma Sanders-Brahms (Drehbuch) mit ihren Preisen bei der Verleihung des Deutschen Filmpreis 1977 in Berlin.

Die Schauspielerinnen Katherina Hunter und Maria Schell, Produzentin Regina Ziegler und Helma Sanders-Brahms (Drehbuch) mit ihren Preisen bei der Verleihung des Deutschen Filmpreis 1977 in Berlin.

Da war sie Ende 20. Nach der Trennung vom ersten Mann sei es das zweite Mal gewesen, dass sie etwas für eine Frau damals Unvorstellbares getan habe. Sie blieb für viele Jahre in Deutschland die einzige Frau in der Branche. Sie nahm die Herausforderung an, sich als Produzentin zu etablieren. „Ich wollte immer die Erste und die Beste sein, was mir aber nicht immer gelungen ist“, berichtete sie. Dieser Antrieb hat sie über Jahrzehnte hinweg begleitet und sie zur Vorreiterin der deutschen Filmindustrie gemacht.

„Es gibt, glaube ich, kein Genre, das ich ausgelassen habe“, erzählte Ziegler zum 50. Jubiläum in einem dpa-Interview. Besonders stolz war sie auf ihren ersten Spielfilm „Ich dachte, ich wäre tot“ (1973), den sie gemeinsam mit Regisseur Wolf Gremm realisierte.

Weit mehr als 500 Produktionen

Weit mehr als 500 Produktionen realisierte Ziegler und prägte mehr als 50 Jahre die deutsche Film- und Fernsehlandschaft. Schon vor mehr als 20 Jahren trat Regina Zieglers Tochter Tanja mit ins Geschäft ein. Im Jahr 2011 erfüllten sich Regina und Tanja Ziegler mit der Übernahme des Berliner Traditionskinos „filmkunst 66“ einen Herzenswunsch, wie es auf der Seite des Unternehmens heißt, das neben Berlin in Köln, München und Baden-Baden vertreten ist.

Ziegler, die in der Branche bestens vernetzt war und zahllose Prominente kannte, konnte Tiefgründiges über ihren Beruf erzählen – aber gern mit einem Augenzwinkern: „Am Ende hat eine Produzentin die Verantwortung für alles. Wenn was schiefgeht, ist die Produzentin schuld. Wenn es ein Erfolg ist, dann waren es immer die anderen.“

Für ihr Lebenswerk wurde Ziegler im Jahr 2024 mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet. „Der Preis macht mir Mut, weiterzumachen“, sagte die Produzentin Ziegler damals. Und sie machte weiter – unter anderem mit Kinoproduktionen wie „In Liebe, Eure Hilde“ (Regie: Andreas Dresen) und „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“.

„Ihre Leidenschaft für Geschichten, ihr unermüdlicher Einsatz für den Film und ihr Mut werden uns immer in Erinnerung bleiben“, schrieben Tanja Ziegler und das Team von Ziegler Team zum Tod der Produzentin. (dpa)