Frechen – Der Weg von Köln nach Frechen ist nicht eben weit, doch scheint die Nachbarstadt am entfernten Ufer der Autobahn mitunter unendlich weit. Vom Dom aus gesehen ist man schneller vorbeigefahren als hinein, dabei gibt es sogar für Kunstliebhaber gute Gründe, den kurzen Weg nicht länger zu scheuen. Der beste ist die bereits im Jahre 1970 gegründete Grafik-Triennale Frechen, die in diesem Jahr ihre 19. Auflage erlebt. Coronabedingt fällt die um ein Jahr verspätete Jubiläumsausgabe weniger feierlich aus als geplant. Aber die Qualität der ab 1. August gezeigten Werke kann sich sehen lassen.
Die Grafik-Triennale gibt es seit 1970
„Ein Schaufenster internationaler Druckgrafik“ nennt der Frechener Kunstverein seine Triennale und verspricht damit nicht zu viel. Nach der Vorauswahl haben es 56 Künstler aus 19 Ländern in die dreiwöchige Verkaufsausstellung geschafft, insgesamt werden 150 Werke präsentiert. Die Konzentration auf die etwas randständige Grafik ist dabei nicht nur der Frechener Randlage geschuldet. Wegen der vergleichsweise günstigen Preise gilt Grafik als Einstiegsdroge in die künstlerische Sammellust und fällt damit ins Kerngeschäft eines jeden Kunstvereins. Zudem mag eine Rolle spielen, dass die hohe Handwerkskunst in diesem Bereich noch eine größere Rolle innehat, als in der zeitgenössischen Malerei.
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Man sieht dies etwa den Arbeiten der New Yorkerin Ann Aspinwall an, die einen der mit insgesamt 6000 Euro dotierten Hauptpreise der Grafik-Triennale erhält. Auf den ersten Blick könnte man ihre Siebdrucke für stark vereinfachte Meeres- oder Landschaftsbilder halten, doch baut sie ihre an einer Horizontlinie gespiegelten Kompositionen aus feinsten Wellenlinien auf, wie man sie vor allem von technischen Darstellungen von Megahertz-Frequenzen oder Oberflächenstrukturen kennt.
Auch in ihren um das Jahr 2019 entstandenen „Corona“-Bildern zieht Aspinwall feine Linien mit der Hand, um den (scheinbaren) Gegensatz zwischen Natur und Technik zu betonen. Anders als man vermuten könnte, bezeichnet der Titel nicht die Corona-Pandemie, sondern die Kronen wie am Schnürchen gezogener Baumreihen, vor dem eine blassrosafarbene Fläche wogt.
Zur Triennale
150 Werke sind bei der 19. Ausgabe der „Deutschen Internationalen Grafik-Triennale Frechen“ zu sehen und käuflich zu erwerben. Die Eröffnung mit Preisverleihung findet am 1. August um 12 Uhr im Stadtsaal Frechen (Kolpingplatz 1) statt (nach vorheriger Anmeldung). Die Ausstellung ist bis 22. August täglich außer montags jeweils von 15 bis 19 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. (KoM)
Als internationales Schaufenster ist die Grafik-Triennale der stilistischen Vielfalt der Druckgrafik verpflichtet. Man findet unter den preiswürdigen Arbeiten politische Plakatkunst wie Hossein Abdis Plädoyer für die im Iran und anderswo bedrohte Redefreiheit, Cees Andriessens virtuose Mimikry an die abstrakte Malerei und Ariana Fruits Adaption fotografischer Unschärfeeffekte. Auf Fruits Bildern scheinen die Landschaften vorbeizurauschen, und gerade deswegen setzen sie sich in unserem Gedächtnis fest.
Der Autor gehörte zur Jury der 19. Grafik-Triennale Frechen.

