Kommentar zum Jugendwort des JahresWas für 1 Quatsch

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Kennt mittlerweile auch der Sparkassen-Berater: „I bims“.

Köln – Was ist das nur für 1 Entscheidung vong Sinnhaftigkeit her? Auf „Smombie“ und „fly sein“ folgt also „I bims“ als „Jugendwort des Jahres“. Was natürlich schon grundlegend Unsinn ist, denn „I bims“ sind - und das sollten auch die Sprachpeniblen des Langenscheidt Verlags gemerkt haben - zwei Wörter. Übersetzt man „I bims“ von Internet zu Deutsch, kommt man sogar auf ganze drei: „Ich bin es“. Und doch: Nicht einmal die Bezeichnung „Jugendsatz des Jahres“ wäre angemessen für „I bims“. Vielmehr versuchte die Jury in diesem Jahr einem ganzen Sprachphänomen zu huldigen, eine rebellische Rechtschreibreform, geboren in sozialen Netzwerken.

Dass es überhaupt so weit gekommen ist, liegt an Money Boy, einem österreichischen Rapper. Am 30. Juni 2014 twitterte er folgenden, noch wenig phänomenal anmutenden, Satz: „m1 ist steif von 1 sexy girl her“. Hätte Money Boy gewusst, was er damit anrichtet, er hätte es vermutlich sein gelassen. Hat er aber nicht. Die Woodstock-Generation konnte schließlich auch nicht ahnen, dass irgendwann mal Prenzlauer-Berg-Muttis mit Parka und Clark-Boots eine „Soja-Latte“ in Altbau-Cafés bestellen.

Fiese Deutsch-LK-Lehrer-Dialektik

Es dauerte nur kurz, da war der Money Boyschen Neologismen ausgebaut, von einem Mann, der sich „Willy Nachdenklich“ nennt und die Facebook-Seite „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ betreibt. Er erfand „vong“. Er benutzte "I bims". Er machte sich einen Spaß daraus, dass sehr viele Menschen, vornehmlich Nicht-Jugendliche, nicht verstanden, dass er absichtlich Grammatik- und Rechtschreibfehler in seinen Beiträge einbaute. „Auch 1 Holzweg kann dich zun Ziel führem“, schrieb er. Und wurde dafür in der Kommentarspalte mit fieser Deutsch-LK-Lehrer-Dialektik abgestraft. Hat wohl keine Schulbildung genossen, der Gute! Den Tadelnden wiederum belachten die Jugendlichen.

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Das ging so nicht allzu lang gut. Schnell verstand auch der gemeine Facebook-Nutzer: Das ist ja nur Spaß. Die schreiben ja absichtlich falsch. Die Pointe. Der Witz war auserzählt. Aber weitererzählen, an Leute, die ihn noch nicht kennen, das ging noch. Fand auch die Marketingabteilung der Sparkasse und nannte das Unternehmen in einer Kampagne „1 gute Bank vong Vorsorge her“. Vodafone und Burger King ahmten nach. Genauso eine Versicherung. Und die machen ja bekanntlich die besten Scherze.

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Mittlerweile beschäftigen sich sogar Sprachwissenschaftler mit der „Vongologie“. Und die SchrittMedia GmbH ließ sich Anfang November die Wortmarke „I BIMS“ ins Patentregister eintragen. Aus dem einstigen Gag-Protest gegen Konventionen ist eine PR-Strategie geworden. „I bims“ ist vollends angekommen in der Welt der Wirtschaft, der Welt der Erwachsenen.

Ein Witz für Mario Barth

Und so muss es ja auch sein, mit einem Jugendwort. Denn welcher Jugendliche würde schon einen Begriff selbst als „Jugendwort“ definieren? Das tun zwangsläufig nur Erwachsene. Und genau da liegt das Paradoxon des „Jugendwort des Jahres“: Jugendsprache existiert, um sich bewusst von der konventionellen Ausdrucksweise abzugrenzen. Sie existiert, um nicht von der „Generation Eigenheim“ verstanden zu werden. Ein „Jugendwort“ kann gar nicht als solches gekürt werden, ohne gleichzeitig seinen Status als solches zu verlieren. Denn jetzt sagt auch bald Mutti am Frühstückstisch: „Was für 1 nices Brötchen von Salami her.“

Durch all die Werbeslogans, durch die Thematisierung in der Wissenschaft und letzten Endes durch den Preis ist „I bims“ selbst zu einem Teil von dem gemacht worden, das die Urheber verspotten wollten: Die Wahrnehmung, die Lebensrealität der breiten Masse. „I bims“ hatte sicher Potential, das „Jugendwort des Jahres“ zu werden. Vor zwei Jahren. Als es noch von Jugendlichen benutzt wurde. Jetzt taugt der Ausdruck allenfalls für das nächste Bühnenprogramm von Mario Barth. Kennse, kennse, kennse vong Freundin her? 

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