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Kölner DokumentarfilmWie sich die ukrainische Kunst von Putins Krieg ernährt

3 min
Der ukrainische Soldat Moisei Bondarenko spielt mit seiner Violine im Kriegsgebiet.

Moisei Bondarenko spielt mit seiner Violine im Kriegsgebiet.

Die Kölner Produktionsfirma Broadview TV hat eine kämpferische Dokumentation über den Ukrainekrieg gedreht: „Kulturkrieg - Kunst als Waffe“ läuft am 22. Februar auf Arte.

Seit Monaten häufen sich Berichte, wonach der russische Angriff auf die Ukraine nicht nur Soldaten, Zivilisten und der städtischen Infrastruktur gilt, sondern insbesondere auch Kultureinrichtungen. Russische Soldaten plündern Museen, Bibliotheken und Archive in den besetzten Gebieten, und was sie nicht mitnehmen, wird von ihnen mutwillig zerstört. Zehntausende Kulturgüter sollen bereits aus der Ukraine geschafft worden sein. Offensichtlich führt Wladimir Putin auch einen Krieg gegen Ideen, die es in seinem großrussischen Verständnis eigentlich gar nicht geben dürfte: eine eigenständige ukrainische Kultur, Geschichte und Identität.

Allerdings scheint Putins Kalkül auch in diesem Fall das Gegenteil dessen zu bewirken, was er sich erhoffte. Der Krieg ließ den ukrainischen Nationalismus‘ erstarken, die angegriffene Bevölkerung umarmt das Eigene umso inniger. Dieser allgemeine Befund wird nun in einer auf Arte ausgestrahlten Dokumentation der Kölner Produktionsfirma Broadview TV eindrucksvoll bestätigt. Für „Kulturkrieg – Kunst als Waffe“ reiste der Regisseur Philipp Kohlhöfer in die Ukraine, um Musiker, Künstler oder Schauspieler durch ihren radikal gewandelten Alltag zu begleiten.

Die Musiker von Antytila kämpfen jetzt als Sanitätssoldaten

Kohlhöfers bekanntester Gesprächspartner (abgesehen von Präsidentengattin Olena Zelenska) ist Taras Topolia, Sänger der Popband Antytila. Gemeinsam mit den anderen Bandmitgliedern kämpft er als Sanitätssoldat für die ukrainische Armee und pendelt im Film zwischen der Front, der Etappe und seinem Tonstudio. Den Krieg sieht man durch die Linse von Topolias Helmkamera, Antytilas geradezu triumphale Rückkehr auf die Bühne bildet das Finale der Dokumentation.

Das surreale Pendeln zwischen Krieg und Zivilleben bildet das ästhetische Gerüst des gesamten Films. Bilder zerstörter Städte wechseln mit Aufnahmen eines Chors, der im Halbdunkel ukrainische Volkslieder einstudiert; ein Violinist in Uniform gibt auf freiem Feld Konzerte, während der Geschützdonner wie ein Orchester grollt; und ein Maler porträtiert seine Kameraden in Kampfpausen auf hölzernen Munitionskisten. Kohlhöfer lässt Menschen zu Wort kommen, die versuchen, sich einen Rest ihres früheren Lebens zu bewahren.

Anders als es der Filmtitel nahelegt, dient diesen Menschen die Kunst eher nicht als Waffe, sondern als sicherer Rückzugsort – so sicher das Festhalten am Eigenen in Kriegszeiten eben sein kann. Kämpferisch klingen die Befragten dabei allesamt, und natürlich zieht sich die Wut auf die Invasoren durch die Interviews. Ein Musiker wünscht seinen russischen Fans auf der anderen Frontseite den Tod, in den Städten werden die Monumente der russischen Kultur getilgt. Eine Statue Katharina der Großen trägt die Insignien eines Henkers – in diesem Film ernährt sich die ukrainische Kultur von Putins Krieg.

„Kulturkrieg – Kunst als Waffe“, Arte, Mittwoch, 22. Februar, 22 Uhr, und ab 22. Februar in der Mediathek.