Das finnische Streichquartett Meta4 war mit Werken von Ravel, Hensel und Kaipainen in der Kölner Philharmonie zu Gast.
Kölner PhilharmonieMusik, die beständig atmet und pulsiert

Das finnische Streichquartett Meta4
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Nur für den Cellisten Tomas Djupsjöbacka stand auf dem Podium der Philharmonie eine Bank bereit; Antti Tikkanen, Minna Pensola (Violine) und Atte Kilpeläinen (Viola) spielten im Stehen. Das machen zwar auch andere Streichquartette zuweilen so, aber beim finnischen Ensemble Meta4 könnte es schlichtweg nicht anders sein: Die ausgreifende Körpersprache der Musiker erfordert eine Bewegungsfreiheit, die sie im Sitzen kaum hätten. Was auf den ersten Blick vielleicht ein wenig wie eine Bühnenshow oder Selbstinszenierung wirkte, erwies sich im Laufe des spannenden Abends als eine Spielhaltung, bei der das Akustische und das Optische perfekt übereinstimmten.
Bei Meta4 ist alles Bewegung, Fluss, kontrollierte Unruhe
Bei Meta4 ist alles Bewegung, Fluss, kontrollierte Unruhe. Was die Gattung Streichquartett üblicherweise an Symmetrie und Balance vermittelt, wird von den vier Spielern weitgehend außer Kraft gesetzt. Ständig spürt man das Wirken starker Fliehkräfte, die gebändigt und kanalisiert werden müssen. Die kunstvolle Polyphonie in Fanny Hensels Streichquartett Es-Dur wurde sehr überzeugend als Kommunikationsstrategie vorgeführt, bei der man sich mal höflich den Vortritt ließ, mal ungeduldig das Wort abschnitt. Jede Gegenstimme war von Widerspruchsgeist erfüllt, die romantische Poesie des langsamen Satzes von Zugluft durchweht.
Zugluft ist auch das passende Stichwort für ein Werk, das Meta4 aus seiner finnischen Heimat mitgebracht hatte. Der Komponist Jouni Kaipainen (1956–2015) ist hierzulande kaum bekannt; seine Musik ist allerdings auch so deutlich der Tradition verpflichtet, dass sie in hiesigen Avantgarde-Zirkeln chancenlos wäre. Sein sechstes Streichquartett „The Terror Run“ (2010) besticht durch eine hohe Raffinesse der Machart. In den oszillierenden Figuren der Rahmensätze zerfallen die harmonischen Felder so schnell, wie sie entstehen. Diese vagen, kaum greifbaren Strukturen werden vom Komponisten mit überlegener Meisterschaft entfaltet und gesteuert – unnötig zu sagen, dass diese Musik mit Meta4 ihre idealen Interpreten gefunden hat.
Das gilt in gleicher Weise für das Streichquartett F-Dur von Maurice Ravel, dessen impressionistische Klanglichkeit in Kaipainens Werk unüberhörbar nachwirkt. Auch hier mieden die Finnen alle Erdung und Schwere; ein sorgfältig austariertes An- und Abschwellen der Phrasen ließ die Musik beständig atmen und pulsieren. Mit ihrer Zugabe, Amy Beachs „Peace I leave with you“, gedachten die Musiker des vier Jahre andauernden Ukraine-Kriegs – eine sanfte, anrührend schlichte Musik, nach der man sich kaum zu applaudieren traute.

