Kommentar zu Dresdener KunstwerkenEin rassistischer Titel ist noch kein Kulturgut

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Der Dresdener „Mohr mit der Smaragdstufe“ heißt jetzt „**** mit der Smaragdstufe“

Dresden – Die Sprachpolizei, raunt die „Bild“-Zeitung, sei nun also auch ins Museum vorgedrungen, „an einen heiligen Platz“.  Der angebliche Skandal:  Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben 143 Werke ihrer Sammlung umbenannt, weil die bisherigen Titel rassistisch oder anderweitig diskriminierend seien.

Aus dem „Kopf eines Negerknaben“ wurde der „Studienkopf eines jungen Mannes “, aus „Die Zigeunerin“ eine „Frau mit Kopftuch“ und aus „Hund, Zwerg und Knabe“ ein wenig ungelenk „Hund, kleinwüchsiger Mann und Junge“.

Taliban-Vergleich

Einen brutalen, imperialistischen Akt der Jetztzeit gegen die Vergangenheit schimpft die „Bild“ diese Neubetitelungen: „Eigentlich sind nur die Taliban schlimmer.“ So ist das, wenn man in Ausrufezeichen denkt. Muss jetzt die Bundeswehr in den Zwinger einmarschieren?

Sie kennen wahrscheinlich die Reflexreaktion, wenn von  politischen Sprachkorrekturen die Rede ist: „Haben die eigentlich nichts Besseres zu tun?“ Das sollte man in diesem Fall die „Bild“ fragen, die mit ihrem Bericht eine AfD-Anfrage aus dem sächsischen Landtag aufgreift. 

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Hier die Fakten: In ihrer Datenbank haben die Staatlichen Kunstsammlungen knapp 1,5 Millionen Objekte erfasst. Neu benannt wurden also rund 0,01 Prozent davon. Vollständig verändert wurden zudem nur Werke ohne festen Titel. Da geht es also eher darum, dass ein Wort, das nicht mehr gängigen Sprachkonventionen entspricht, nun nicht länger vom Werk ablenkt. Originaltitel werden in Anführungszeichen gesetzt und mit dem Hinweis „historischer Titel“ versehen. Von Geschichtsklitterung kann also keine Rede sein.

In Titeln, die zwar nicht vom Künstler stammen, sich aber etabliert haben, wurden heute als diskriminierend geltende Bezeichnungen durch Sternchen ersetzt. Wer auf diese Sternchen klickt, dem wird das betreffende Wort wieder angezeigt.  

Überhaupt  ist das Museum gerade keine Kirche, sondern ein Ort, an dem die Gesellschaft in Dialog mit sich selbst und ihrer Vergangenheit tritt. Da sollte man nicht überempfindlich werden. Viel schlimmer ist es jedoch, vor jedem rassistischem Schimpfwort niederzuknien, als handele es sich um ein Kunstheiligtum. 

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