Die „Stranger Things“-Darsteller probieren ihr kindliches Image abzulegen – und setzen dabei auch auf fragwürdige Witze.
Kritik an „Stranger Things“-DarstellerWarum Finn Wolfhards plumper Vulva-Witz nicht witzig ist

Die „Stranger Things“-Stars Finn Wolfhard (l.), Gaten Matarazzo (M.) und Caleb McLaughlin bei einem Fan-Event. Insbesondere Wolfhards Auftritt bei „Saturday Night Live“ sorgt für Kritik in den sozialen Netzwerken. (Archivbild)
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Die Stars aus dem Netflix-Welthit „Stranger Things“ sind auch nach dem Ende der Erfolgsserie in aller Munde – kaum ein Schritt der Hauptdarstellerinnen und Hauptdarsteller bleibt unbeachtet, kein Social-Media-Beitrag ohne Resonanz. Das gilt auch für den jüngsten Auftritt der Serien-Stars Finn Wolfhard, Gaten Matarazzo und Caleb McLaughlin in der populären und für ihren mitunter grenzwertigen Humor bekannten US-Sendung „Saturday Night Live“.
Vor allem Wolfhard steht nach der Show im Fokus: Der 23-Jährige plauderte in der Sendung nicht nur über sein Erwachsenwerden als Teil der Serie, sondern lieferte auch einen Spruch ab, der ihm viel Kritik in den sozialen Netzwerken einbringt. Dass ausgerechnet einer der „Stranger Things“-Stars einen Altherren-Witz abliefert, dürften viele Fans der gemeinhin als „woke“ geltenden Serie wohl nicht auf dem Zettel gehabt haben, entsprechend deutlich fallen die Reaktionen mitunter aus.
Finn Wolfhard reißt Witz darüber, „wie eine Frau dort unten aussieht“
„Es ist so unglaublich, dass 400 Millionen Menschen mich durch die Pubertät begleiten durften“, sagte Wolfhard zunächst sarkastisch und schilderte, dass er intime und peinliche Momente nicht privat, sondern vor den Augen der Öffentlichkeit erlebt habe. Er sei „vor der Kamera in den Stimmbruch“ gekommen und habe seinen „ersten Kuss vor Kameras“ gehabt, erklärte Wolfhard.
Dann folgte der Gag, der nun für Wirbel sorgt. „Und das erste Mal, dass ich erfuhr, wie eine Frau dort unten aussieht, war ebenfalls dort“, witzelte der Schauspieler, ehe die Regie das Bild eines angreifenden Demogorgons einblendete. Also das Abbild eines Menschen attackierenden, furchtbar anzuschauenden Monsters, das eigentlich nur an eine Vulva erinnern kann, wenn man noch nie eine gesehen hat.
Demogorgon-Variante eines uralten Motives
Neu sind derartige Witze nicht – auf Kreativität kann sich Wolfhard also nicht berufen. Bereits Sigmund Freud machte die „Vagina dentata“, also die „bezahnte Vagina“ bekannt. Angeregt wurde er dazu durch die in vielen Kulturen zahlreich vorhandenen Legenden über Frauen mit bezahnten oder anderweitig mit Waffen besetzten Vaginen, die sie angeblich in die Lage versetzten, ihre Sexualpartner zu ermorden oder zu kastrieren. Wolfhards Witz ist also bloß eine moderne Demogorgon-Variante eines uralten Motives.
Entsprechend erbost zeigten sich viele Fans der Serie nach der Sendung. „Männer kommentieren ganz selbstverständlich Frauenkörper. Körper, die täglich von ihnen vergewaltigt, getötet und misshandelt werden“, hieß es etwa in einem Beitrag auf der Plattform X, der bis zum Montagmittag mehr als 130.000 Likes von Nutzerinnen und Nutzern ansammelte. „Du bist nicht witzig, du bist ein frauenfeindliches Arschloch“, hieß es weiter in Wolfhards Richtung.
Empörung in den sozialen Netzwerken: „Du bist nicht witzig“
Ein weiterer populärer Beitrag schlug in dieselbe Kerbe. „Unsere Gesellschaft hat sich so sehr mit der Erniedrigung des weiblichen Körpers abgefunden“, kritisierte dort eine Nutzerin den Witz. „Von mir wird erwartet, dass ich das mitanhöre und ‚mitmache‘. Ich soll mich für meinen eigenen Körper schämen und mich vor ihm ekeln, damit ich darüber lachen kann. Stattdessen erkenne ich darin die abscheuliche Frauenfeindlichkeit, die es ist“, hieß es weiter.
Es sollte nicht der einzige misslungene Gag der Sendung bleiben. In einem für „Saturday Night Live“ produzierten Sketch, der sich an die berühmte Serie „Sex in the City“ anlehnte, sind Wolfhard, Matarazzo und McLaughlin dabei in einer Bar – und diskutieren über ihr Sexleben. „Also, Max und ich hatten gleich am Anfang eine heftige Phase, nicht wahr?“, erzählt McLaughlin in seiner Rolle als Lucas in „Stranger Things“ schließlich und fügte hinzu: „Dann, nach ein paar Jahren, liegt sie einfach nur noch da, als wäre sie wieder im Koma.“
McLaughlins Figur war in der Serie mit der von Sadie Sink gespielten Max Mayfield liiert, die nach einer Konfrontation mit dem Oberschurken Vecna am Ende der vierten Staffel ins Koma fällt und erst spät im Laufe der fünften Staffel wieder aus ihrem apathischen Zustand zurückkehrt.
Wirbel um „Stranger Things“-Stars bei Saturday Night Live
Auch dieser Spruch sorgte für Wirbel. „Flach“ und „widerlich“ sei der Witz gewesen, hieß es in vielen Kommentaren. „Sie haben bei SNL einen Witz darüber gemacht, dass Lucas mit der bewusstlosen Max Sex hat“, zitierte derweil die „New York Post“ aus weiteren wütenden Beiträgen in den sozialen Netzwerken. „Was ist nur aus dieser Sendung geworden?“
Andere Ansichten finden sich natürlich auch: Es seien schließlich nur harmlose Scherze gewesen, darüber müsse man sich doch nicht so aufregen, erklärten manche, oftmals männliche Nutzer in den sozialen Netzwerken. Doch so einfach ist die Sache nicht – auch Witze entfalten eine Wirkung.
Harmloser Scherz oder Witz mit Wirkung: Wer hat Recht?
„Auf der einen Seite dieser Diskussion stehen die selbsternannten Medienwächter, die mahnen, dass mit solchen Witzen Vorurteile zementiert würden, auf der anderen Seite die Witze-Macher, die erwidern, dass man doch Spaß verstehen müsse und solcher Humor harmlos sei. Wer hat Recht?“, fragte die Psychologin Ulrike Rangel bereits 2008 in einem Beitrag, der von der Universität Mannheim veröffentlicht wurde.

Finn Wolfhard (M.) spielt in „Stranger Things“ die Rolle des Mike. Die Netflix-Serie ist mit ihrer fünften Staffel kürzlich zu Ende gegangen. (Archivbild)
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Die Antwort auf die Frage fiel eindeutig aus. „Es zeigte sich, dass insbesondere Männer, die allgemein eher negativ gegenüber Frauen eingestellt waren, ihr Verhalten nach Frauenwitzen drastisch änderten“, berichtete die Psychologin über entsprechende Forschungen, bei der männliche Studenten entweder mit Frauenwitzen oder mit neutralen Witzen konfrontiert worden waren. Bei Männern, die grundsätzlich nicht negativ gegenüber Frauen eingestellt sind, habe es hingegen keine Verhaltungsänderung gegeben, berichtete Rangel.
„So macht sexistischer Humor Unsagbares sagbar“
Für ohnehin bereits misogyn eingestellte Männer seien derartige Witze jedoch so etwas wie eine Ermutigung. „Nach den Frauenwitzen hatten die frauenfeindlich eingestellten Männer demnach eher den Eindruck, dass diskriminierendes Verhalten toleriert würde und verhielten sich ihrer Einstellung gemäß“, erklärte Rangel.
Auch die Psychologin Silvana Weber hat erforscht, wie sich sexistischer Humor auf Frauen auswirkt. Derartige Witze führen dazu, „dass alle im Raum wissen: Hier werden meine Vorurteile toleriert“, sagte Weber im Jahr 2024 dem Magazin „Geo“ dazu. „So macht sexistischer Humor Unsagbares sagbar.“
Finn Wolfhard setzt auf sexuell aufgeladene Pointen
Bei Frauen habe das eine messbare Wirkung, erklärte Weber weiter. So schnitten etwa Teilnehmerinnen, die zuvor frauenverachtende Witze gehört hatten, schlechter bei Intelligenztests ab als die Teilnehmerinnen einer Vergleichsgruppe, die andere Scherze gehört hatten.
Dass Wolfhard bei seinem Auftritt selbst bemängelte, wie absurd es gewesen sei, dass Menschen online über die Veränderung der Gesichter und Körper des Nachwuchsstars debattiert hätten, um dann selbst einen flachen Witz über weibliche Körper zu reißen, birgt daher eine gewisse Ironie. Auch zum Abschluss seines Auftritts setzte der Schauspieler schließlich auf eine sexuell aufgeladene Pointe. Die „Stranger Things“-Hauptdarsteller seien nun bereit, in „Erwachsenenfilmen“ mitzuspielen, unkte Wolfhard. Seine anatomischen Kenntnisse sprechen allerdings nicht dafür.

