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Künstler und Macht
Warum sich Rapperin Nicki Minaj bei Trump anbiedert

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2 min
Die Musikerin Nicki Minaj (links, in weißem Kunstpelz) begleitet US-Präsident Donald Trump auf die Bühne, während er am 28. Januar 2026 im Andrew W. Mellon Auditorium in Washington, D.C., eine Rede auf dem Trump Accounts Summit des Finanzministeriums hält.

Rapperin Nicki Minaj begleitet US-Präsident Donald Trump auf die Bühne, während er am 28. Januar 2026 im Andrew W. Mellon Auditorium in Washington, D.C., eine Rede hält.

Warum suchen Künstler die Nähe von autoritären Politikern? Das Treffen zwischen Minaj und Trump erinnert an Elvis Presleys Begegnung mit Richard Nixon.

Künstler haben schon immer die Nähe der Macht gesucht. Vor allen dann, wenn es mit der eigenen Kunstproduktion hapert, wenn die „imperiale Phase“ – wie Neil Tennant von den „Pet Shop Boys“ das nennt – vorbei ist. Das geht selten gut aus, vor allem für die Künstler.

Oft sind es toxische Männer, die sich Potentaten aufdrängen, auf der Suche nach verlorener Größe. Dann sehen wir einigermaßen verwundert Gérard Depardieu – mehrfach angeklagt wegen versuchter Vergewaltigung – in inniger Umarmung mit Wladimir Putin. Oder verfolgen mit Abscheu und fast auch ein bisschen Mitleid, wie sich der im Zuge von #MeToo von Warner Bros. geschasste Brett Ratner als Freund von Benjamin Netanjahu und als Regisseur der „Melania“-Doku wieder ins Gespräch zu bringen versucht.

Minaj schwärmt vom „wundervollen, gnädigen, charmanten“ Trump

Am vergangenen Mittwoch bat der US-Präsident in Washington Nicki Minaj zu sich auf die Bühne. Die Rapperin erklärte sich dort sogleich zum „Nummer-1-Fan des wundervollen, gnädigen, charmanten“ Donald Trump. Einst hatte die als Kind aus Trinidad und Tobago illegal eingewanderte Minaj dessen Einwanderungspolitik scharf verurteilt.

Später postete sie im Netz ein Bild ihrer „Trump Gold Card“. Mit der können sich Ausländer gegen eine Spende von einer Million Dollar und Bearbeitungsgebühren von 15.000 Dollar im Schnellverfahren einbürgern lassen – unter der aktuellen Administration verwandeln sich alle Regierungs- in Korruptionsgeschäfte. Daneben lud sie ein Bild von Chucky, der Mörderpuppe hoch.

Mit der Horrorfilmikone hatte sie sich einst im Kanye-West-Track „Monster“ verglichen. Die druckvoll vorgetragenen Zeilen brachten ihr damals den Durchbruch. Das ist 15 Jahre her, eine Ewigkeit im Musikgeschäft. Mittlerweile muss Minaj um ihre Relevanz kämpfen, die nachgewachsene Konkurrenz – Megan Thee Stallion, Cardi B, Doja Cat, Glorilla – wirkt ungleich frischer. Bleibt nur die freiwillige Vermonsterung. Wie die „New York Times“ recherchiert hat, handelt es sich bei Minajs Goldkarte um ein rein symbolisches Dokument. Der Aufenthaltsstatus der Rapperin in den USA ist längst legal.

Und die seltsamste Verbindung von Pop und Macht, seit ein schwerst medikamentenabhängiger Elvis Presley an die Tür des Weißen Hauses klopfte, um sich vom einigermaßen verdutzten Richard Nixon zum Drogenkommissar ernennen zu lassen. Der Ex-King verpetzte dann sogleich die Beatles als notorische Kiffer und freche Usurpatoren seines Rock'n'Roll-Reichs.