ESC 2023Plagiatsvorwürfe gegen ESC-Favoritin – Ukrainische Sängerin mit deutlichem Appell

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Sängerin Loreen jubelt nach ihrem Sieg.

Sängerin Loreen jubelt nach ihrem Sieg mit dem Song „Tattoo“ beim Melodifestivalen, dem schwedischen Vorentscheid für den ESC.

Nach den Plagiatsvorwürfen gegen den schwedischen ESC-Beitrag hat sich nun die Sängerin zu Wort gemeldet, deren Lied angeblich verwendet wurde.

Loreen, Eurovisions-Siegerin von 2012, hat das diesjährige Melodifestivalen gewonnen und wird Schweden erneut beim Eurovision Song Contest vertreten. Bereits in den Wochen zuvor waren Plagiatsvorwürfe gegen ihren Siegertitel „Tattoo“ laut geworden. ESC-Fans bemerkten eine vermeintlich starke Ähnlichkeit mit einem alten Song der ukrainischen Sängerin Mika Newton, die ihr Heimatland bereits 2011 beim ESC in Düsseldorf vertreten hatte. Damals belegte sie im Finale mit der Ballade „Angel“ den vierten Platz. Die Plagiatsvorwürfe richten sich allerdings gegen das Lied „В Плену“ („In Gefangenschaft“) von 2005.

Loreen vs. Mika Newton: Ukrainische Sängerin meldet sich auf Instagram

Nun hat sich Mika Newton in einer Story auf Instagram zu den, wie sie sagt, massenhaft eingegangenen Meldungen geäußert, dass Tattoo eine große Ähnlichkeit mit „В Плену“ habe. Ihr Statement beginnt mit „Leute! Ich werde das nicht kommentieren!“ bevor sie es dann doch tut. Sie wolle kein Drama auslösen, das brauche sie nicht. Außerdem wünscht sie sich, dass Loreen wieder den Eurovision Song Contest gewinnt. „Das Leben ist zu kurz, um über Lieder zu streiten und ob sie gleich klingen oder nicht! Einige von euch denken ja, andere nein“.

Beide Lieder im Vergleich:

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Ihr Lied sei 2005 veröffentlicht worden. Sie bat auch darum, sie nicht weiter mit Nachrichten zu diesem Thema zu bombardieren oder sie in entsprechenden Posts zu markieren. Sie schließt ihr Statement mit einem Appell: „Liebe Leute. Lasst uns einander unterstützen“. 

Loreen und das für „Tattoo“ verantwortliche Komponistenteam Jimmy „Joker“ Thörnfeldt, Jimmy Jansson, Loreen, Moa „Cazzi Opeia“ Carlebecker, Peter Boström und Thomas G:son. haben sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Mika Newton: Vom Eurovision Song Contest zu den Grammys

Das Lied „В Плену“ erschien 2005 und ein Jahr später auch auf dem Album „Теплая Река“ der Sängerin. 2007 folgte das Video, das immer noch auf YouTube zu sehen ist und bis heute über zwei Millionen Aufrufe generiert hat.

Mika Newton zog nach ihrem ESC-Auftritt 2011 in die USA und versuchte dort mithilfe des Produzenten und Musikers Randy Jackson („American Idol“) Fuß zu fassen. Die veröffentlichten Singles hatten jedoch keinen nennenswerten Erfolg. Auch in der Ukraine, wo sie vor 2011 sehr erfolgreich war, hatte sie danach keine großen Erfolge mehr. 2018 heiratete sie. Zwei Jahre später gab sie ihre Krebserkrankung bekannt, von der sie geheilt wurde.

Zuletzt erregte Mika Newton internationale Aufmerksamkeit, als sie bei den Grammys 2022 mit John Legend auf der Bühne stand und gemeinsam mit ihm und anderen ukrainischen Sängern ihren Song „Free“ sang. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor per Videobotschaft an das Publikum um mehr internationale Unterstützung für die Ukraine gebeten, die zu diesem Zeitpunkt bereits gegen die russische Invasion kämpfte. 

Bereits im Februar waren erste Vorwürfe gegen Loreen und ihren Song Tattoo laut geworden. Spanische Musikfans hatten auf die Ähnlichkeit zum Intro des Techno-Titels „Flying Free“ von Pont Aeri hingewiesen, der Ende der 90er Jahre erschienen war. Übereinandergelegt klingen die Intros tatsächlich ähnlich.

Thomas G:son: Bereits 2001 Plagiatsvorwürfe gegen den ESC-Komponisten

Für Thomas G:son, der 2012 auch den Siegertitel „Euphoria“ für Loreen schrieb, sind Plagiatsvorwürfe nichts Neues. Im Jahr 2001 wurden er und sein Co-Autor Henrik Sethsson des Plagiats beschuldigt, als Vergleiche zwischen „Listen to Your Heartbeat“ der Gruppe Friends und dem belgischen Eurovisionsbeitrag „Liefde is een kaartspel“ von Lisa del Bo aus dem Jahr 1996 gezogen wurden. Obwohl die Vorwürfe bestritten wurden, einigten sich die belgischen Songwriter auf eine Barabfindung.

G:son seinerseits drückte 2013 ein Auge zu, als viele Medien und ESC-Fans eine angeblich starke Ähnlichkeit zwischen dem deutschen ESC-Beitrag „Glorious“ von Cascada und „Euphoria“ erkannten. Trotz wochenlanger Berichterstattung wurden in diesem Fall keine rechtlichen Schritte eingeleitet, wohl auch, weil der Song beim ESC nur einen enttäuschenden 21. Platz belegte.