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Marc-Uwe Kling mit neuem Känguru-Band bei der lit.CologneLachen gegen die politische Ohnmacht

3 min
Marc-Uwe Kling liest im Tanzbrunnen aus seinem neuen Buch

lit.Cologne: Marc-Uwe Kling liest im Tanzbrunnen aus seinem neuen Buch "Die Känguru-Rebellion".

Marc-Uwe Kling präsentierte bei der lit.Cologne nach acht Jahren wieder Neues vom Känguru. Das hat nichts von seinem Charme verloren – und teilt fröhlich gegen die Politik aus.

„Ich sollte vielleicht fragen, ob es irgendjemanden hier gibt, der es super weird findet, wenn ich gleich von einem sprechenden Tier vorlese?“, fragt Marc-Uwe Kling zu Beginn des lit.Cologne-Abends. Nur ein schelmisches Kind aus den mittleren Reihen des voll besetzten Kölner Tanzbrunnens meldet sich. „Du? Ich glaube dir nicht“, hält Kling dagegen und sollte wohl recht behalten. Zu berühmt ist es geworden, das sprechende, kommunistische Känguru, das 2009 nonchalant in die Berliner Wohnung des erfolglosen Kleinkünstlers Kling einzog und seitdem so manches ebenso schräge wie witzige Abenteuer mit ihm erlebte.

Wenn der Satiriker mit der Schirmmütze dann in seiner betont gleichgültigen Art, meist ohne eine Miene zu verziehen, abwechselnd von diesen Abenteuern vorliest und auf der Leinwand hinter sich die dazugehörigen Comics präsentiert, kann man nicht anders als lachen, muss man das Känguru einfach lieben. Und man wundert sich auch nicht mehr, wie Kling es schafft, allein im Rahmen der diesjährigen lit.Cologne vier Veranstaltungen auszuverkaufen. Es macht einfach großen Spaß, ihn live zu erleben. Und auch das lange Warten der Fans auf neue Känguru-Geschichten dürfte dazu beigetragen haben.

Nach acht Jahren erstmals wieder Neues vom Känguru

Denn in den letzten Jahren widmete sich Marc-Uwe Kling anderen Projekten, veröffentlichte etwa einen Thriller und einen Comic über Elon Musk und Jeff Bezos auf dem Mars. Doch jetzt, acht Jahre nach dem Erscheinen des letzten Bandes, lässt er das Beuteltier wieder zurückkehren. Von der titelgebenden Rebellion („gegen die Zustände“) des Kängurus erfährt man am Mittwochabend nur am Rande, dafür aber viel über diese Zustände: den wiedererstarkten Faschismus, die Rolle der Tech-Milliardäre, die Ungleichverteilung von Wohlstand, um nur ein paar zu nennen. 

Neben seiner Rebellion widmet sich das Beuteltier diesmal seiner ersten Kunstausstellung und entwickelt ein ausgeprägtes Faible für Gleichnisse – es sehe sich da in einer „gewissen Tradition“ –, um die mehr als ausreichend vorhandenen gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit zu verhandeln. Stellt Kling Zwischenfragen, beruft sich das echauffierte Känguru auf niemand Geringeren als Jesus, dessen Jünger ihren Chef ja wohl auch nicht beim ersten Satz jeder biblischen Geschichte unterbrochen hätten, nur, um sich dann genau dieses absurde Szenario plastisch auszumalen.

Sich mit dem Känguru den großen Fragen stellen

Indem Marc-Uwe Kling sein Publikum mit solch wahnwitzigen Passagen eineinhalb Stunden am Lachen hält, vollzieht er einen grandiosen Trick, denn der Humor ist natürlich Mittel zum Zweck. Dahinter steht die große, utopische Frage, wie eine gerechte Gesellschaft aussehen könnte. Dass wir uns von einer solchen in den letzten Jahren immer weiter entfernt haben, entfacht offenbar den Zorn des Autors, der nicht nur das Känguru, sondern auch seine eigene Kunstfigur gegen die Politik austeilen lässt – allen voran die AfD.

Doch auch die FDP, Merz und Söder, kommen nicht gut davon. Wenn jemand zum Beispiel behaupte, so das Känguru beiläufig in einer flammenden Kritik an der Übermacht der Tech-Konzerne, „dass sich Markus Söder als Kind das Innere einer ganzen Weißwurst ins rechte Nasenloch geschoben hat, damit es sich da oben nicht mehr so ganz leer anfühlt, und, dass die Weißwurst seitdem dort vergammelt“, dann hafte sein Webseiten-Provider nicht für ihn, obwohl das möglicherweise strafbar sei. 

Am Ende des Abends passiert etwas Erstaunliches: Statt Pessimismus, bleibt vor allem gute Laune. Humor, so Kling kürzlich gegenüber dieser Zeitung, könne gegen das Gefühl von Ohnmacht helfen, das mit Angst vor den Umständen und Figuren zu tun habe. Aber: „Wenn man sie verlacht, dann verliert man zu einem gewissen Grad diese Angst. Das hilft vielleicht, aktiv zu werden.“


Die Känguru-Rebellion. Ab 12. März im Ullstein Verlag und als Hörbuch, gesprochen vom Autor.