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Mbembe wehrt sich gegen Vorwürfe

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Vor zwei Jahren entbrannte ein Streit um einen Auftritt der schottischen Band Young Fathers auf der Ruhrtriennale. Der Band wurde ihre Unterstützung der BDS-Kampagne vorgeworfen. Deren Ziel ist die wirtschaftliche, kulturelle und politische Isolierung Israels. Ihre Unterstützer bedienen sich oft antisemitischer Argumentationsmuster. Es spricht also vieles dagegen, BDS-Unterstützer auf einem steuerfinanzierten Festival auftreten zu lassen. Die Festival-Leiterin Stefanie Carp verhedderte sich damals zwischen Politik und Kunstfreiheit, lud die Band erst aus, dann wieder ein. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet distanzierte sich.

Nun erhält Carp die späte Quittung: Am 14. August soll der Historiker Achille Mbembe die Eröffnungsrede der Ruhrtriennale halten. Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter des Bundes, kritisiert das scharf. Der Kameruner, so Klein, sei in der Vergangenheit durch die Relativierung des Holocaust aufgefallen. Er habe in seinen Schriften nicht nur Israel mit dem Apartheidsystem Südafrikas gleichgesetzt, sondern auch sein Existenzrecht in Frage gestellt.

Keine BDS-Verbindung

Achille Mbembe

Ist Stefanie Carp also eine unbelehrbare Israelfeindin? Augenscheinlich soll dieser Eindruck über Bande vermittelt werden. Denn die Vorwürfe gegen Mbembe – einem der wichtigsten Denker des Postkolonialismus – erscheinen völlig überzogen. Zum BDS habe er keine Verbindung, erklärte Mbembe auf Nachfrage des Deutschlandfunks. Auch halte er nichts von einem allgemeinen Boykott israelischer Akademiker. Erst vergangenes Jahr war Mbembe Albertus-Magnus-Gastprofessor an der Universität Köln, lud ihn das Düsseldorfer Schauspielhaus zu einem Vortrag ein, beides Institutionen, die vom Land NRW (mit)getragen werden. Ein Aufschrei blieb aus. Nun sollen Passagen aus Mbembes bei Suhrkamp erschienener Schrift „Politik der Feindschaft“ als Beleg für seinen Antisemitismus dienen. Darin vergleicht er in der Tat die Methoden der Apartheid und der israelischen Siedlungspolitik, erklärt beide zu Manifestationen eines kolonialen „Trennungswahns“, zu dem in einer ganz anderen Größenordnung auch die Vernichtung der europäischen Juden gehöre. Das muss man nicht gutheißen. Aber es braucht bösen Willen, um das Nachdenken über Grundprinzipien zu einer Relativierung des Holocaust umzudichten. Der jedoch war wohl vorhanden.