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Misslungener „Barbier“ in DüsseldorfHochzeitsplanung in Rosa

3 min

Herzig beschwant: Maria Kataeva als Rosina

Düsseldorf – Klar, Rossinis „Il Barbiere di Siviglia“ gehört zum Kern des Opernrepertoires. Die Frage, ob er das zu Recht tut, darf indes auch dann gestellt werden, wenn sie bei vielen Opernfreunden auf Empörung stoßen mag. Zugestanden sei, dass die Musik eine Magie des Maschinellen entfalten kann, wenn sie exzellent aufgeführt wird. Ist dies nicht der Fall – wie jetzt anlässlich der Premiere an der Düsseldorfer Rheinoper –, muss man sich an das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern erinnert fühlen. Mittelmäßigkeit kann Mozart nicht kaputtmachen, Rossini schon.

Wenn die Geigen der von Marie Jacquot dirigierten Düsseldorfer Symphoniker strohig spielen, wenn Instrumentaleffekte glanzlos kommen, wenn es im Orchester an Drive, Brillanz, Agilität und Tempo mangelt, dann fallen Rossinis Substanzdefizite sofort auf: die stereotypen Verläufe, die Abziehbildchen der Harmonik, die Profilarmut der melodischen Erfindung. Wagners böses Bonmot von der „Wirkung ohne Ursache“ drängt sich auf.

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Das Publikum applaudierte am Ende dieser ersten Präsenzaufführung der Rheinoper nach der Corona-Pause dankbar, damit das erleichterte „Endlich, endlich, endlich“ aus der Eröffnungsansprache von Intendant Christoph Meyer gleichsam verlängernd. Das war verständlich – wie andersherum zuzugestehen ist, dass die Pandemie-induzierten Abstandsregeln im Graben wie auf der Bühne das allgemeine Gelingen nicht gerade befördern – um es einmal so zu sagen. Aus der Beschränkung neue Energien gewinnen – diese Devise ist im Theaterbetrieb dieser Tage immer wieder zu hören. Manchmal mag sie zum Erfolg führen, in Düsseldorf tut sie es definitiv nicht.

Corona bringt den szenischen Tod

Im „Tristan“ (der am Freitag an der Rheinoper Premiere hat) können die Akteure herumstehen und einander aus dem Weg gehen, ohne dass der Zuschauer ein Defizit empfindet – anderes ist da einfach wichtiger. Für eine Farce wie den „Barbier“ aber, die von bewegungsintensiver Interaktivität lebt, bedeuten die Corona-Vorschriften den szenischen, den theatralen Tod.

Der Regisseur Maurice Lenhard sucht dem Einfrieren der Bühne (Malina Raßfeld) durch panische Pseudoaktivität etwa des im Hintergrund herumwuselnden Dienerpersonals gegenzusteuern – was auch deshalb vergeblich bleibt, weil es seiner Inszenierung an einem konzeptionellen Zugriff, einer als solche sichtbar werdenden Idee durchaus gebricht. Ein paar Bildmotive wie die Massierung von Geschenkpaketen und ein herziges Schwanenpaar sind Inseln in einem Meer beklagenswerter Einfallslosigkeit.

Rosa-kitschiger Grundton

Der obwaltende rosa-kitschige Grundton der Bühne mag kritisch das zeitgenössische Braut- und Wedding-Gewese beschwören (auch die Kostüme signalisieren die Situierung des Geschehens in der Gegenwart), in dem es auf Quantität statt auf Qualität ankommt, auf selbstbezügliches Ritual und leeren Materialprunk. Daraus ließe sich vielleicht sogar etwas machen, genauso wie aus dem prekären Verhältnis von Liebe und Geld in dieser Oper. Lenhard vergibt die Chance, es bleibt beim witz- und espritfreien Einerlei.

Die Sängerleistungen bewirken immerhin, dass der Abend nicht zur Totalpleite gerät. Aus dem Ensemble ragen heraus: Maria Kataeva als eine beweglich-durchsetzungsfähige Rosina, die durchaus nicht als Unschuld vom Lande, sondern vielmehr lasziv-durchtrieben agiert; Pablo Ruiz als fast überagiler, jedenfalls darstellerisch und sängerisch so potenter wie präsenter Bartolo; Sami Luttinen als wohltönend-raumfüllender Bass mit einer großartigen „Calunnia“-Arie.

Gestemmte Koloraturen

Unauffälliger singt Emmett O’Hanlon als Figaro. Enttäuschend, weil mühevoll, mit geringer Strahlkraft und gestemmten Koloraturen beginnt Leonardo Ferrando als Almaviva, legt im Verlauf dann aber doch deutlich zu. Insgesamt möchte man den Akteuren mehr Leichtigkeit und weniger Power-Bereitschaft anraten. Dieser Wunsch mag in den Folgeaufführungen noch in Erfüllung gehen.

Aufführungen: 17., 22. Juni