- In einem offenen Brief beklagen 50 freie Journalistinnen und Journalisten „massive Kürzungen im deutschen Online-Angebot und die ersatzlose Streichung zahlreicher Redaktionsschichten”.
- Ab Februar entstehe durch die Umstrukturierung in der Nacht eine neun- bis zehnstündige Informationslücke.
- Deutsche-Welle-Programmdirektorin Gerda Meuer weist die Kritik zurück.
Bonn – Die Deutsche Welle (DW) soll die Stimme Deutschlands im Ausland sein. Doch um diese Stimme sorgen sich nun rund 50 freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des steuerfinanzierten Senders. Sie haben sich in einem offenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters gewandt. Darin äußern sie die Befürchtung, DW-Intendant Peter Limbourg plane langfristig, das deutsche Online-Programm einzustellen. Die Geschäftsleitung befinde sich auf dem Weg, „den Boden des Deutsche-Welle-Gesetzes zu verlassen“. In diesem heißt es: „Die Angebote der Deutschen Welle werden in deutscher Sprache sowie auch in anderen Sprachen verbreitet.“
Grund für die Befürchtungen seien die von Intendant Limbourg und Programmdirektorin Gerda Meuer beschlossenen und ab Februar in Kraft tretenden „massiven Kürzungen im deutschen Online-Angebot“. Der Kahlschlag drohe, die deutsche Online-Präsenz der DW „völlig zu marginalisieren“. Die Journalisten, die anonym bleiben, beklagen „die ersatzlose Streichung zahlreicher Redaktionsschichten besonders während der (deutschen) Nacht.“ Dann bleibe die Nachrichtenredaktion ab Februar unbesetzt, eine neun- bis zehnstündige Informationslücke sei die Folge. „Eine »Grundversorgung«, wie es die Geschäftsleitung stets bezeichnet, ist das aus unserer Sicht nicht“, heißt es.
Programmdirektorin weist Kritik zurück
Laut ihren Berechnungen fallen dann jährlich mehr als 1600 Redaktionsschichten in der Nacht weg. DW-Programmdirektorin Gerda Meuer wies die Kritik auf Anfrage zurück. „Die Geschäftsleitung der DW steht selbstverständlich zur Versorgung ihrer Nutzerinnen und Nutzer mit einem deutschen Online-Programm.“ Auch von einem „Kahlschlag“ könne nicht die Rede sein. „Die Profilschärfung Online ist eine deutliche Neuausrichtung des digitalen Angebots.“

Programmdirektorin Gerda Meuer
Copyright: Deutsche Welle
Die DW werde Redaktionsschichten bei Online Deutsch verlagern, um die Regionalisierung zu stärken. Die Versorgung in der Nacht im deutschen Online-Angebot werde weiter aufrechterhalten: „Das bedeutet konkret, dass lediglich zwischen 2.00 Uhr und 5.40 Uhr morgens ein Channel Manager das Angebot allein verantwortet.“ Er könne in dieser Zeit Agenturen auf die Seite stellen oder selbst einen Live-Ticker schreiben, wenn dies notwendig sein sollte. „Bei absehbaren Ereignissen oder längeren Krisen sind zudem zusätzliche Schichten immer geplant gewesen. Die Sorgen, dass es hier zu Informationslücken kommen wird, sind daher unbegründet“, so Meurer.
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Man müsse immer schauen, welche Zielgruppe das deutsche Angebot habe. „Menschen im Ausland, die auch Deutsch sprechen, haben in der Regel eine andere Sprache als Muttersprache. Eine schnelle, erste Information zu aktuellen Entwicklungen werden diese Menschen daher vor allem über ihre nationalen Angebote erhalten.“ Die deutschsprachige Zielgruppe sei vor allem an den großen politischen Entwicklungen und da auch sehr stark an Analysen, Reaktionen und Reportagen interessiert. Dem trage die DW durch die Neuaufstellung Rechnung. Auch den Vorwurf der freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, trotz kontinuierlicher Budgetsteigerungen bei der Welle wolle man durch diese Maßnahmen ein an anderer Stelle entstandenes Defizit einsparen, wies sie zurück. „Es ist falsch, zu behaupten, dass eine Lücke von zwei Millionen Euro im DW-Haushalt geschlossen werden soll“, so Meurer. Diese Zahl sei völlig aus der Luft gegriffen.
Auf Unterstützung der von ihnen adressierten Monika Grütters können die Verfasser des Offenen Briefes nicht hoffen. Diese ließ am Dienstag durch ihre Pressestelle mitteilen: „Die Bundesregierung achtet die Rundfunkfreiheit und insbesondere die Programmautonomie der Deutschen Welle.“ Die Kritik sei daher im Rundfunkrat der Deutschen Welle zu besprechen.

