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Neue CD mit Schuch und EnsariKölner Pianisten auf der Suche nach der Kindheit

3 min
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Köln – Das CD-Cover ist originell: Zwei noch ziemlich kleine Kinder – Mädchen und Junge – sitzen da in grüner Hügellandschaft und lauschen einem altmodischen LP-Spieler, der zwischen ihnen steht. Die Gesichter sind nicht zu erkennen, zwei Masken mit blauem Himmel und Wolken – keine Corona-Masken – verdecken sie. Im Beiheft selbst werden sie kenntlich: Da gibt es Bilder des Kölner Pianisten-Ehepaares Gülru Ensari und Herbert Schuch im Kindesalter, beide am Klavier sitzend – sie in ihrer Geburtsstadt Istanbul, er in Temesvar, wo die zur rumäniendeutschen Volksgruppe gehörende Familie wohnte.

„In search of“ heißt die neue im Funkstudio des SWR Stuttgart produzierte CD des in Alt-Niehl wohnhaften Paares, und angesichts der Bilder darf man getrost ergänzen „In the search of childhood“. Tatsächlich ist diese Aufnahme eine pianistische Spurensuche nach den eigenen Anfängen, auch der eigenen Identität als Pianisten und als Menschen. Wie dem Booklet zu entnehmen ist, begleiteten die Stücke, die sie hier spielen, sie tatsächlich seit der Zeit, da sie begannen, Musik bewusst zu erleben. Es handelt sich um eine Auswahl aus den vierhändigen Klavierfassungen der Slawischen Tänze von Dvorák, der Ungarischen von Brahms sowie Tschaikowskys für zwei Klaviere bearbeitete „Nussknacker“-Suite opus 71a.

Hinzu kommt eine eigens für das Paar geschriebene Komposition („Sarmal“) des mit Ensari seit den Anfängen ihrer Karriere eng vertrauten Geigers und Dirigenten Oguzhan Balci, ein interessant meditatives, dabei keineswegs arabisch anmutendes Stück, das auf suggestiv fesselnde Weise Assoziations- und Erinnerungsräume öffnet.

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Dem Unbekannten steht das auf Anhieb allzu Bekannte gegenüber: Die Brahms- und Dvorák-Tänze sind in den Orchesterfassungen allbeliebte Zugabenrenner im Konzertsaal, und auch über den „Nussknacker“ muss man weiter kein Wort verlieren. Dennoch gewinnen die Stücke in den seltener aufgeführten Klavierfassungen und zumal dadurch, wie Ensari und Schuch sie servieren, eine ganz eigene mitreißende Qualität – ganz gleich, ob man als Hörer nun den Kindheitstraum der beiden mitvollzieht oder nicht.

Bei Klavier vierhändig und zumal bei diesem Repertoire kommen schnell Schablonen wie „orchestral“ und „Klavierauszug“ ins Spiel. Ganz falsch ist das auch im vorliegenden Fall nicht – immer wieder aktiviert das Duo instrumentale Klangwirkungen – manifest die Zimbel bei Brahms oder orientalisches Schlagwerk in Tschaikowskys „Arabischem Tanz“.

Glitzernd-funkelnde Kaskaden

Aber im wesentlichen gibt es doch, auf höchstem Niveau der spielerischen Realisation sowie im Zeichen eines freudigen Zusammenwirkens, gemeinsamen Atems und gegenseitiger Befeuerung, ein genuin pianistisches Statement ab. Die glitzernd-funkelnden Kaskaden des Diskants etwa reizen die Klangmöglichkeiten des Flügels aus und sind so in einem anderen Medium kaum darstellbar.

Ensari und Schuch verfügen dabei über eine extrem breite Palette an Farben und Ausdrucksvaleurs: Todtraurig geht es in Brahms’ elftem Ungarischen Tanz zu, während man bei Dvoráks siebtem Slawischen Tanz kultiviert-virtuos aus der Haut fährt. Bei Tschaikowsky hingegen schmachtet es in emphatischem Rubato, es wird auch mal augenzwinkernd puppig, und der Blumenwalzer öffnet den Blick in einen veritablen Ballsaal. Es gibt pointierte Staccato-Etüden, federnde rhythmische Schärfen und inspiriert aktivierte Mittelstimmen – und immer wieder ein blitzschnell-lustvolles Umschalten zwischen Satztechniken und Stimmungen.

Virtuos herausgespielte Stretta-Schlüsse

Die lapidar-virtuos herausgespielten Stretta-Schlüsse zeigen, dass die Spieler ihren Spaß am virtuosen und beifallsträchtigen Aplomb haben, sie üben diesbezüglich keine Zurückhaltung. Spontan laut klatschen möchte man als Zuhörer immer wieder beim Anhören dieser CD – auch wenn es die Interpreten nicht zu hören bekommen.

„In search of“; Ensari/Schuch (CAvi-music/SWR2)