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Neue SpielzeitWie das Depot trotzdem weitermachen will

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Eine Frau und ein Mann sitzen an einem Tisch.

Anna Bründl, Geschäftsführerin und Kuratorin des Kooperationshauses, und Schauspielhaus-Intendant Kay Voges bei der Vorstellung des Programms für die Spielzeit 2026/27.

Die Kölner Bühnen haben das vielfältige Programm der Spielzeit 2026/27 für das Depot vorgestellt.

Das Depot ist eine Baustelle. Während sich der Carlsgarten in seiner Neugestaltung befindet, weist bereits ein großes pinkfarbenes Plakat an der Außenwand auf die Musicalproduktion „Kick Like a Woman“ hin, die es künftig im Depot 1 zu erleben gibt. Im Inneren liegen Kabel auf dem Boden, arbeiten Handwerker auf Hebebühnen. Zudem stellt sich auch die langfristige Zukunft allenfalls als Rohbau dar. Weil die Stadt Köln den ursprünglichen Plan, die ehemaligen Interimsspielstätten als Standort für Musicals und die freie Szene weiterzuführen, wegen der schweren Haushaltskrise aufgegeben hat, wird der Kölner Unternehmer Frank Blase ab der Spielzeit 2027/28 den Mietvertrag übernehmen. Was das für die inhaltliche Ausrichtung des Depots bedeutet, ist bisher aber nicht absehbar.

Mitten in diesem Durcheinander haben die Kölner Bühnen zur Vorstellung des Programms für die Spielzeit 2026/27 eingeladen – jenem, das (noch) nicht von Blase und seiner Apiro Entertainment GmbH verantwortet wird. Das Programm startet ab Freitag, 20. November, und umfasst Arbeiten der Freien Szene, bestehend aus Tanz, Performance und Theater, des Schauspiels sowie Gastspiele und Kooperationen mit Kölner Festivals – zum Beispiel Africologne oder Sommerblut. Als Spielstätten stehen dem sogenannten Kooperationshaus das Depot 2, das Depot 3 und die Probebühne im Kupferzug zur Verfügung. Eine Ausnahme bildet die Kölner Theaternacht am 29. November, die im gesamten Depot stattfindet.

Zwei Drittel des Programms sind Tanzproduktionen

Wie Kuratorin Anna Bründl einordnete, war das Kooperationshaus ursprünglich als Tanzhaus mit eigener Tanz-Company geplant. Deshalb habe sie sich bei dem Programm vor allem auf den Tanz fokussiert. Zwei Drittel mache diese Sparte aus. So wird am 9. und 10. Dezember die Bonner Tanzakademie Cocoondance, deren Choreografin und Regisseurin Rafaële Giovanola den Deutschen Tanzpreis 2027 erhält, im Depot 2 zu Gast sein und das Stück „Choreia – ein PolyBallett“ aufführen. Dieses greift die antike griechische Kultur, die Idee, dass der Chor eine zentrale Rolle beim Theater spielt, auf und gibt so der überwiegend stummen Ausdrucksform des Tanzes eine Stimme.

Nach dem Trotz gegenüber der Schwermut, der Überlastung und der Überforderung suchen die beiden Performerinnen Pia Katharina Jendreizik und Sophia Schroth in „TrotzdemTanzen“ vom Theaterkollektiv Pulk Fiktion. Der Titel dieses Stücks sei die Inspiration für das Spielzeitmotto „Trotzdem“ gewesen, sagte Bründl. Denn es erzähle davon, „wie man trotz vieler Widerstände und Hürden tanzen und das machen kann, wonach man sich sehnt“.

Das ist eine Form von Widerstand, trotz all der verschiedenen politischen Interessen, trotz unserer finanziellen Situationen, trotz Begehrlichkeiten von anderen, trotz Entscheidungen, die viel zu lange verschleppt worden sind, den Kopf über Wasser zu halten und zu sagen: „Wir wollen Zukunft gestalten und wir wollen Kunst möglich machen“
Schauspiel-Intendant Kay Voges

Schauspiel-Intendant Kay Voges zeigte sich erfreut über das Motto: „Das ist eine Form von Widerstand, trotz all der verschiedenen politischen Interessen, trotz unserer finanziellen Situationen, trotz Begehrlichkeiten von anderen, trotz Entscheidungen, die viel zu lange verschleppt worden sind, den Kopf über Wasser zu halten und zu sagen: Wir wollen Zukunft gestalten und wir wollen Kunst möglich machen.“ Er habe aus nächster Nähe mitbekommen, wie schwierig es gewesen sei, das Programm zusammenzustellen, betonte Voges. „Jetzt ganz vulgär gesagt: Anna, du hast uns den Arsch gerettet.“

Zwei Schauspiel-Produktionen im Kooperationshaus

Das Schauspiel wird das Kooperationshaus mit zwei Produktionen bespielen. Am 6. März 2027 steht die deutschsprachige Erstaufführung von „Romans“ – einem 150 Jahre überspannenden Epos über die Abgründe männlicher Herrschaft – auf dem Programm. Am 11. Juni feiert die Produktion „Gold!“ im Kupferzug ihre Uraufführung: „Ein Stück über Solidarität und Widerstand“, so Voges

Diese Aspekte spielen auch im Stück „We need you“ (4. und 5. Dezember), das das Künstler-Duo Elbers/Zhukov auf Grundlage von Interviews mit Jugendlichen entwickelt hat und das sich mit der zunehmenden Militarisierung unserer Gesellschaft auseinandersetzt, eine Rolle. Es fragt, was eigentlich Pflichten sind, wer sie einfordert und welche Strategien junge Menschen im Umgang mit einer immer bedrohlicheren Weltlage entwickeln – trotzdem, könnte man sagen.

„Manchmal müssen Sachen trotzdem aufgeräumt oder trotzdem beendet werden“, sagte Bründl. Sie habe sich mit der Aussicht auf die Stelle beworben, langfristig etwas entwickeln zu können. „Wir eröffnen quasi eine neue Spielstätte mit einem ganz neuen Konzept. Und normalerweise braucht man ein bis zwei Spielzeiten, um Sachen auszuprobieren und um auf den gesammelten Erfahrungen aufzubauen.“ Die Zeit seit ihrem Amtsantritt im April habe sich aber eher wie eine Achterbahnfahrt angefühlt. „Wir im Depot fangen jetzt aber trotzdem erstmal mit der Spielzeit an und werden dabei hoffentlich auch viel Spaß haben.“