Brigitta Gillessen inszeniert Martin Baltscheits und Philipp Matthias Kaufmanns neues Stück „Der König verschenkt was“ am Offenbachplatz.
EröffnungspremiereJetzt hat Köln das erste neugebaute Kinderopernhaus der Welt

Szene aus „Der König verschenkt was“, der ersten Premiere in der neu gebauten Kölner Kinderoper
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Das Schlussbild versammelte die Mitwirkenden und das Team der Kölner Kinderoper zu einer farbig-fröhlichen Demo: „Miteinander – tolerant – respektvoll“, „Demokratie gehört allen“ und „Menschenrechte für alle“ war da auf hochgehaltenen Plakaten zu lesen. Das ist ein positives Statement, das dazu passende und angesichts der jüngsten Wahlergebnisse sehr aktuelle negative konnte sich das Publikum denken. Die Moral von der Geschicht' – dem von Martin Baltscheit (Libretto) und Philipp Matthias Kaufmann (Musik) eigens für die Eröffnung der neuen Bühne geschaffenen Stück „Der König verschenkt was“ – kommt in seiner Didaktik vielleicht etwas aufdringlich herüber. Da ist die Anlehnung an die brechtsche Lehrstücktradition offensichtlich. Aber weil die demokratische Hütte ja derzeit tatsächlich brennt, ist dieses zivilgesellschaftliche Ethos, dieses Plädoyer für Inklusion, wohl unstrittig auf der Höhe der Zeit.
Die neue Oper ist der berühmten Ringparabel aus Lessings „Nathan der Weise“ nachgeschrieben. Jetzt ist es ein sterbender König, der drei Ringe an seine drei Kinder verteilt, die also die Herrschaft im Lande gemeinsam antreten sollen. Tun die aber nicht, sondern zerzanken sich – bis drei Rivalen aus angrenzenden Ländern und offensichtlich Feinde einer regelbasierten Weltordnung über das wehrlose Königreich herfallen. Das zwingt die Erben endlich zur Aufgabe von für unanfechtbar gehaltenen Rechtsansprüchen und zur Kooperation: Die Ringe werden scheinheilig jeweils einem der Invasoren übergeben, die darüber ihrerseits in einen tödlichen Streit geraten. Die Königskinder haben somit das Reich und das Volk vor Tyrannen gerettet – eine neue Zeit kann anbrechen.
Tempo- und aktionsreich
Die Regie von Brigitta Gillessen setzt dieses dankbare und in jedem Augenblick verständliche Werk, das durch die Märchenmotive der Dreizahl und des doppelten Cursus strukturiert wird, über 70 Minuten hinweg so herzlich wie tempo- und aktionsreich in Szene. Zum Gelingen tragen in hohem Maße die lapidare Bühnenausstattung (mit einer großen zerbrochenen Krone und fantasieanregenden Vorhängen) und die prachtvollen, tatsächlich an alte Königsmärchen erinnernden Kostüme (für beides verantwortlich: Jens Kilian) bei. Die feindliche Königin Esliabeth gemahnt tatsächlich an Elizabeth I. von England.
Kleinteilig-ausgefeilt in ihrem Wechsel von Ariosi, Ensembles und melodramatischen Sprechstrecken fällt auch Kaufmanns Musik aus. Sie ist erweitert tonal, erinnert zuweilen an Weill und Broadway – und überfordert auch dank der allzeit wiedererkennbaren Idiome von Walzer, Trauer- und Kriegsmarsch nie die Kinderohren. Glanzlichter der Partitur sind immer wieder die aus dem kammermusikalischen Ensembleklang heraustretenden und stark mit dem Bühnengeschehen verbundenen Bläsersoli (Flöte für den Schmetterling).
Die ausgezeichnete Akustik des schönen neuen Raumes – des ersten neugebauten Kinderopernhauses der Welt, versicherte Intendant Hein Mulders zu Beginn – transportiert den Input der Beteiligten nachdrücklich und ohne Einbußen. Und unterstützte so am Samstagnachmittag die vorzügliche Leistung von Sängern und Orchester. Die Darsteller können an dieser Stelle für ihre engagierten und hochprofessionellen Auftritte nur pauschal gelobt werden: Laura Kriese, Geonmuk Lim und Lana Westendorf als Königskinder, Ferhat Baday als alter König (wunderbar tragend sein sonorer Bass), Lena Geiger, Wonjun Kim und Wolfgang Stefan Schwaiger als böse Invasoren, Dalia Schaechter als Fotograf, Diener und Tod in einer Person.
Als Erlösung dürfte das klangschön und gestenreich aufspielende Gürzenich-Orchester unter Rainer Mühlbach seine Platzierung in einem echten Bühnengraben empfinden. Der Saal 3 des Staatenhauses in Ehren – aber es ist halt ein Unterschied nahezu ums Ganze.
Das sah wohl auch das begeistert applaudierende Publikum so. Da waren auch viele Eltern und Großeltern dabei, während die Kinder zum Teil sehr engagiert auf die von der Bühne aus an sie ergangenen Fragen reagierten. Tatsächlich: Dieses neue Haus ist ein Juwel – möge die Kölner Oper es allzeit zum Funkeln bringen!
Nächste Aufführungen: 14., 15., 17., 18., 20., 21., 25., 30. Oktober
