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Nils Mönkemeyer in der PhilharmonieEin an Entdeckungen reicher Abend

Nils Mönkemeyer und William Youn überzeugen mit Raritäten und Novitäten bei ihrem Kölner Konzert.

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Zwei Männer laufen über einen Steg am Wasser.

Nils Mönkemeyer und William Youn traten in der Kölner Philharmonie auf.

Der „Klassik-Betrieb“ bräuchte mehr Musiker wie diesen. Wenige namhafte Interpreten verstehen es, Musik verschiedener Epochen, Raritäten und Novitäten mutig und klug zu spannenden Programmen zu verklammern und eloquent zu vermitteln. Nils Mönkemeyer gelingt das womöglich gerade deswegen so ausgezeichnet, weil er als Bratschist im Vergleich zu Geigern nicht vor einem übermächtigen Kernrepertoire steht, sondern für sein Instrument auch in entlegeneren Regionen nach Solo- und Kammermusik suchen muss, um vergessene Werke wiederzuentdecken, Stücke für die eigene Besetzung zu arrangieren oder eigens in Auftrag zu geben.

Nils Mönkemeyer und William Youn sind perfekt aufeinander eingespielt

Zusammen mit Duopartner William Youn präsentierte Mönkemeyer Werke von Mozart über Romantik und Moderne bis zu zeitgenössischer Musik. Das an Entdeckungen reiche Konzert im neuen Philharmonie-Format „Come closer“ wurde von Tobias Fiedler dezent moderiert. Den Auftakt machte Salvatore Sciarrinos „Di volo“ mit hauchzarten Klängen wie von Glasflüglern. Umso überraschender folgte dann in sonorer Mittellage eine weit geschwungene Melodie, deren letzter Ton nahtlos in den Anfang von Mozarts „Modulierendes Präludium“ überging. Ebenfalls ohne Unterbrechung durch Pause und Applaus folgte Konstantia Gourzis „Hommage à Mozart“. Statt der üblichen Kurzatmigkeit entstand so ein beziehungsreicher Spannungsbogen über mehrere Stücke hinweg.

Während Mozarts kleines Frühwerk ständig nach einem neuen Grundton sucht, lässt die 1962 geborene griechische Komponistin den ersten Satz ihrer 2014 für das Duo entstandenen „Drei Dialoge“ fortwährend von ein und demselben Ton durchpulsen. Die Münchner Hochschulprofessorin verzichtet darauf, Mozart durch Zitate zu wiederholen, so wie man bei einem Gespräch nicht bloß Echo des Gegenübers ist, sondern eigenständig agiert. Auf gängige Figuren aus dem klassischen Formelkanon antwortet sie mit Elementen aus Folklore und Minimalismus. Schubert schrieb 1824 eine Sonate für die damals gerade neu gebaute „Arpeggione“, eine Kombination aus Gitarre und Gambe, die Mönkemeyer für Viola adaptierte. Der Kopfsatz kontrastiert pathetische Gesten mit sanfter Kantabilität und heiter schnatternder Musikantik wie auf dem Tanzboden oder im Heurigen. Im „Adagio“ legt das Klavier harmonische Neubeleuchtungen zauberisch um die Liegetöne der Bratsche.

William Youn spielte Nadia Boulangers „Vers la vie nouvelle“, das 1918 vollendete letzte Stück der damals 31-jährigen Komponistin, die sich fortan nur noch dem Unterricht zahlloser junger Komponisten widmete. Aus düsterer Basslage schwingen sich Akkorde in lichte Höhen wie zu neuem Leben empor. Für Mönkemeyer und Youn schrieb Isabel Mundry 2022 „Fragmente mit Zwischenmomenten“, eine kantige Verklammerung von unvollendeten Skizzen Mozarts, zwischen die plötzlich Dissonanzen, Erstarrungen, Schnitte und geräuschvoller Pedalgebrauch treten. Die beiden ausgezeichneten und perfekt aufeinander eingespielten Musiker krönten den Abend schließlich mit einem Hauptwerk für ihre Duo-Besetzung: Brahms’ späte Sonate für Klarinette (oder Viola) und Klavier Es-Dur, ebenso dramatisch packend gespielt wie wunderbar weich auf Tasten und Saiten gesungen. Begeisterter Applaus für eine tolle Darbietung und Programmwahl.