Der junge ungarische Dirigent Martin Rajna debütierte in Köln mit dem Luxembourg Philharmonic Orchester.
Zwei musikalische SeltenheitenLuxembourg Philharmonic begeistert mit neuem Chefdirigenten

Dirigent Martin Rajna wurde in Budapest und Weimar ausgebildet
Copyright: KölnMusik
Dank des ungarischen Dirigenten Martin Rajna bot das jüngste Konzert der „Klassiker!“-Reihe der Kölner Philharmonie zwei Besonderheiten. In Budapest und Weimar ausgebildet, ist der 31-Jährige seit September Chefdirigent des Luxembourg Philharmonic Orchesters. Wie sein Antrittskonzert im Großherzogtum präsentierte sein Kölner Debüt zwei selten zu hörende Werke ungarischer Komponisten sowie Gustav Mahlers 1. Symphonie, die 1889 immerhin in Budapest uraufgeführt wurde. György Kurtágs „Stele“ von 1994 vermittelt gleich mit dem ersten Moll-Akkord den Eindruck von Weggleiten und Verlust. Von Pauken und tiefem Blech markiert, sinken einzelne Stimmen um einen Viertelton ab, sodass schmerzliche Dissonanzen resultieren. Das Orchester ist mit vier- bis sechsfachen Bläsern sowie acht Hörnern wie die Monumental-Symphonik des Fin de Siècle besetzt.
Wagner-Tuben, Kontrabassklarinette, zwei Harfen, Celesta und das ungarische Hackbrett Cimbalom verbreiten dunklen Trauerflor. Der dritte Teil ist ein zerfallener Marsch. Impulse verzittern kraftlos in Lethargie, kreisen wie gelähmt auf der Stelle. Doch durch die Tristesse schimmern helle Dur-Terzen wie Trost und Hoffnung. Béla Bartók schrieb sein erstes Violinkonzert voll der Liebe für die junge Geigerin Stefi Geyer. Als diese ihm 1908 den Laufpass gab, blieb das Konzert ein Torso. Die Solovioline beginnt ganz allein mit weit gezogenen Kantilenen. Hinzutretende Orchestergeigen ergänzen sie zum Streichtrio, Quintett, Septett, schließlich Streich- und Sinfonieorchester. Die schwüle Chromatik des Kopfsatzes samt leidenschaftlich drängender Sequenzen steht noch in der Wagner-Nachfolge. Überzuckerte Arpeggien der Harfen erinnern an die Blumenmädchen des zweiten Akts „Parsifal“.
Launiges Kräftemessen
Typischer Bartók sind Folklore-Anklänge inklusive launigem Kräftemessen zwischen tändelnder Sologeige und wuchtiger Kontrabassgruppe. Die kleinteilig von einem Charakter zum nächsten springende Solopartie spielte Veronika Eberle bravourös virtuos, kraftvoll energisch, rasend geläufig, zart und gefühlvoll. Dass der zweite Satz kein Finale ist, zeigt sich auch daran, dass das Soloinstrument den Schluss dem Orchester überlässt. Für warmen Applaus bedankte sich Eberle an der Seite von Konzertmeister Haoxing Liang mit einem der Geigen-Duos von Bartók.
Mahlers 1. Symphonie dirigierte Martin Rajna auswendig mit vollem Körpereinsatz, ebenso impulsiv wie mit präzisen Einsätzen und pointierten Tempo- und Dynamikwechseln. Sehr schön gelang der Kontrast zwischen brausendem Scherzo und legerem Schwung des Trio-Mittelteils. Im Trauermarsch platzte der nach Moll gewendete „Bruder Jakob“-Kanon aus sich heraus zur ordinären Blas- und ausgelassenen Tanzkapelle. Das Finale zeigte scharf die extremen Gegensätze zwischen aufgewühltem Marsch, elegischem Seitenthema sowie auftrumpfenden Fanfaren und endlich siegreicher Choral-Apotheose. Diese durften die sieben Hörner im Stehen blasen. Ihrem Beispiel folgte das begeisterte Publikum mit stehenden Ovationen.
