Exzellenter Auftritt des Gstaad Festival Orchestra in der Kölner Philharmonie.
PhilharmonieFrische Züge für altgediente Klassik-Ikone

Dirigent Jaap van Zweden
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Das Musikfestival im schweizerischen Gstaad, 1957 von Yehudi Menuhin gegründet, steht seit dem vergangenen Jahr unter Leitung von Daniel Hope. Eigentlich war diese Amtsübernahme nur eine Frage der Zeit: Als langjähriger Menuhin-Protegé und umtriebiger Musikvermittler ist der in Südafrika geborene deutsch-irische Geiger fraglos der perfekte Mann für diesen Job.
Im September schloss die diesjährige Festival-Ausgabe ihre Pforten; danach ging das Gstaad Festival Orchestra auf eine kleine Deutschland-Tournee, die es (im Rahmen der Meisterkonzerte) auch in die Kölner Philharmonie führte. Intendant Daniel Hope übernahm dabei selbst den Solopart im Violinkonzert h-Moll von Edward Elgar, das nicht zuletzt aufgrund seiner Spieldauer von über 50 Minuten nur selten auf den Konzertpodien zu hören ist.
Mit der Wahl dieses konditionell wie spieltechnisch ungemein fordernden Werkes erwies Daniel Hope auch seinem großen Mentor die Reverenz: Der 16-jährige Yehudi Menuhin hatte das Elgar-Konzert 1932 noch mit dem greisen Komponisten am Pult eingespielt.
Die Schwächen dieses uferlos mäandernden und melodisch nur mäßig attraktiven Stückes fallen mehr ins Ohr als seine Stärken, die es aber durchaus gibt. Man muss es als Hörer nur schaffen, so tief und vollständig in die herbstlich-mürbe Klangwelt dieser Musik einzutauchen, dass ihr sparsamer Informationsfluss irgendwann nicht mehr stört. Hopes uneitle, von gelassener Kompetenz geprägte Darstellung machte das vergleichsweise leicht; sein weiter gestalterischer Atem verband sich dabei aufs Schönste mit dem in jeder Hinsicht exzellenten Spiel des Gstaad Festival Orchestra.
Dieses 2010 gegründete Ensemble rekrutiert sich aus Mitgliedern führender Schweizer Orchester, die unter Leitung des niederländischen Dirigenten Jaap van Zweden zu einem beeindruckenden Niveau zusammengewachsen sind. Brillanz und Leuchtkraft der Geigen fielen vom ersten Moment an ins Ohr; das perfekt austarierte, in allen Registern scharf konturierte Spiel sind eindeutig van Zwedens Verdienst - unter seinem Amtsvorgänger hat man das Orchester in Köln schon deutlich schwächer gehört.
Ein Künstler mit kompromisslos eigenen Vorstellungen
Van Zweden ist aber nicht nur ein guter Orchester-Erzieher, sondern auch ein Künstler mit kompromisslos eigenen Vorstellungen. Das wurde nach der Pause in Beethovens „Fünfter“ eindrucksvoll hörbar. Was dem Stück in seiner über 200 Jahre währenden Aufführungsgeschichte an Sicht- und Darstellungsweisen zugefallen ist, interessierte ihn nicht. Er liess sich vor allem vom Urtext (inklusive der zügigen originalen Metronom-Zahlen) leiten, den er zielstrebig und gestochen klar phrasiert zu Gehör brachte.
Dabei stellte der Maestro auch auf spannende Weise die gewohnte Hierarchie von Haupt- und Nebenstimmen infrage (besonders im Scherzo) und setzte markante Pointen - so etwa mit dem zunächst extrem gestauten, dann deutlich beschleunigten Fluss des apotheotischen Finalthemas. Ob das nun ein interpretatorisches Mätzchen war oder eine besondere klangrednerische Einsicht, mag man unterschiedlich beurteilen. Immerhin gelang es dem Dirigenten, einer altgedienten Klassik-Ikone neue und frische Züge abzugewinnen. Und das ist ja auch schon was.
