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Vision String Quartet in der PhilharmonieBemerkenswert individueller Stil

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Vision string quartet

Vision String Quartet

Das Vision String Quartet überzeugte in der Kölner Philharmonie, die neue Reihe „Come closer“ noch nicht.

Sehr weich, leise, nahezu zerbrechlich im Sound startet Mozarts Streichquartett KV 575. Über dem soften Einstieg vergisst man fast, dass das erste Thema brutal asymmetrisch gebaut ist. Dabei ist die zerbrechliche Klanggebung des jungen deutschen Vision String Quartets, wie sich schnell zeigt, überaus tragfähig, entfaltet sich zu einem berückenden Cantabile – ohne viel Vibrato und andere Allüren, dafür mit einer eindrucksvollen Klarheit und Reinheit.

Es bleibt auch nicht beim Understatement: Nach einer Pause startet eine energische Attacke, lassen die Spieler den Mozartschen Kontrapunkt in vitalem Wechselspiel von der Leine. Die besondere Intensität der instrumentalen Unterhaltung, das Hier und Jetzt der ständig justierten Balance – ist sie auch dem Umstand geschuldet, dass sie auswendig und bis auf den Cellisten stehend spielen?

Bemerkenswert individueller Stil

An diesem Abend in der Kölner Philharmonie zeigte das Vision Quartet überhaupt – und das will angesichts der starken Konkurrenz etwas heißen – einen bemerkenswert individuellen Stil, der sich auch in Schostakowitschs Quartett opus 108 und Brahms‘ erstem Quartett opus 51/1 zur Geltung brachte. Bei Schostakowitsch geschah das etwa (im ersten Satz) durch die genaue Darstellung des zentralen Dreiachtel-Motivs in seiner dramaturgischen Bedeutung, bei Brahms wiederum durch eine berückend dichte und jetzt auch die Portamenti nicht scheuende Gesanglichkeit – im Gleichgewicht mit dem Wissen, dass hier motivisch-thematisch auf schwindelerregende Weise alles mit allem zusammenhängt.

Als Zugabe gab es „Marke Eigenbau“. Das Quartett ist bekannt für sein festes Standbein in den Metiers von Folk, Rock, Punk und Minimal Music. Letzterer war dann auch das Encore zuzuordnen.

Das neue Format überzeugte noch nicht

Gab es sonst noch etwas Besonderes bei diesem Konzert? Ja, mit ihm wurde das neue Format „Come closer“ eröffnet, das es dem Publikum bei Kammerkonzerten und Liederabenden ermöglichen soll, den Künstlern quasi-familiär auf die Pelle zu rücken. Damit will man auch dem bekannt-misslichen Umstand Rechnung tragen (bzw. seine Auswirkungen bekämpfen), dass die Philharmonie halt kein Kammermusiksaal ist – Location und Eventcharakter fallen da irgendwie auseinander. Man kann es also durchaus nachvollziehen, wenn „Come closer“ diesen Widerspruch irgendwie auflösen möchte.

Bezweifelt werden darf allerdings, ob das diesmal schon gelang. „Eigentlich“ fand hier immer noch der übliche Quartettabend statt – mit einem Publikum, das in der üblichen Raumdistanz zu den Musikern saß und familiäre Nähe von sich aus allenfalls dadurch demonstrierte, dass es hingebungsvoll zwischen den Sätzen klatschte.

Der Moderator Thomas Fiedler war im Einführungsheft nicht angekündigt worden und hing dann auch etwas unglücklich in der Luft. Seine Anmerkungen und Fragen an die Künstler gingen teils ins Anekdotisch-Belanglose. Nein, so überzeugt das neue Format noch nicht, da wird man einiges nachlegen müssen.