In Kooperation mit zwei weiteren Chören brachte der Konzertchor Köln am Sonntag Verdis erschütterndes Meisterwerk zu Gehör.
Verdi-RequiemBeklemmende Weltgerichtsstimmung in der Philharmonie

Dirigierte das Verdi-Requiem in der Philharmonie: Jonas Manuel Pinto
Copyright: Ingrid Wendel
Verdis Requiem ist nicht Mahlers Sinfonie der Tausend, aber Fülle, Opulenz und Anspruch des Werks fordern doch einen stark besetzten Chor. Mit seinem Konzertchor Köln wäre Jonas Manuel Pinto da nicht langgekommen, also wurde jener – für die Aufführung im Rahmen der Kölner Chorkonzerte in der Philharmonie – durch auswärtige Kräfte aufgestockt. Die Frankfurter Singakademie sowie der Chor des Collegium Musicum der Uni Frankfurt sorgten dafür, dass sich an der Rückwand des Podiums und im Block Z eine Schar von rund 240 Sängerinnen und Sängern massierte. Die konnten es dann auch mit einem stark besetzten Orchester (ebenfalls des Frankfurter Collegium Musicum) gut aufnehmen.
Pinto hatte es sogar geschafft, aus diesen Ensembles eine einigermaßen homogene Truppe zu machen, die im Saal immer wieder für eine beklemmende, mit fast brutalen Steigerungseffekten gespickte Weltgerichtsstimmung sorgte. Dieser standen indes Stellen eines seraphisch-tröstenden Wohlklangs entgegen – in solchen Kontrasten wurde die Opernnähe der Musik genauso deutlich wie Verdis tiefer Ernst bei seiner Befassung mit den allerletzten Dingen.
Die Aufführung könnte nicht allerhöchste Maßstäbe bedienen
Dass es sich bei diesem Konzert um eine wenngleich hochengagierte und -konzentrierte Performance von Laien handelte, war freilich ebenfalls nicht zu überhören. Das ist hier keineswegs biestig gemeint, niemand hat schließlich das Recht, dieses erschütternde Meisterwerk für die Profis zu reservieren. Der Hinweis mag lediglich erklären, dass allerhöchste Maßstäbe nicht bedient werden konnten. Ein Beispiel: Die Chorfugen im „Sanctus“ und „Libera me“ etwa kamen mit bemerkenswerter Beweglichkeit, aber wenn das Thema leise intoniert werden musste, brach hörbar die Stütze weg.
Das Orchester lieferte eine schlagkräftige Darbietung auf ordentlichem Niveau, während die Gesangssolisten – die Sopranistin Betsy Horne, der Mezzo Beetina Ranch, der Tenor Alejandro del Angel und der Bass Stephan Bootz – allesamt trotz der unstrittig vorhandenen (und hier auch dringend benötigten) vokalen Power immer wieder mühevolle Angestrengtheiten hören ließen. Gerade um das hohe A und B herum hörte es sich nicht immer schön an – und das, obwohl Verdi als Vortragsanweisung mehrfach „dolce“ oder „dolcissime“ schreibt.
Ein Chormitglied musste ob eines Schwächeanfalls während der Aufführung von helfenden Händen in den Backstagebereich geleitet werden. Erdenklich gute Wünsche folgen ihm auch von dieser Stelle aus.
