Gute Laune mit dem Gürzenich-Orchester und Gershwin-Songs in der Kölner Philharmonie.
Kölner PhilharmonieBürgerchor verbreitet pure Begeisterung

Die südafrikanische Sopranistin Masabane Cecilia Rangwanasha
Copyright: Vera Elma Vacek
Gershwins „Summertime“ hat die südafrikanische Sopranistin Masabane Cecilia Rangwanasha zuletzt im Silvesterkonzert des Gürzenich-Orchesters gesungen. Damals stand das Lied in einer Folge berühmter Musical-Hits. Jetzt war es der Auftakt eines großangelegten Opernquerschnitts aus George Gershwins „Porgy and Bess“. Mit ihrer mächtigen Stimme von makellosem Timbre flutete die Sängerin den Raum. Sie könnte genauso gut Elektra, vielleicht sogar Isolde singen, auch die Gräfin in „Figaros Hochzeit“, mit der sie am Royal Opera House in London zuletzt einen großen Erfolg feierte.
„Summertime“ ist ein Schlaflied, das Clara ihrem Baby singt. Rangwanasha verwandelte es in einen hymnischen Gesang. Dann steht Kevin Short auf. Er ist in diesem Moment der Fischer Jake, Claras Mann, und singt dem Baby ein eigenes Wiegenlied „A woman is a some-time thing“. Diese Nummer, fast nicht weniger berühmt als „Summertime“, handelt von der Unberechenbarkeit der Frauen. Der amerikanische Bassbariton findet dafür einen ausgelassenen, fröhlichen Tonfall von gewisser Beiläufigkeit. Hier kann man sich schon eher eine Opernsituation vorstellen.
Später in „Bess, you is my woman now“ legen die beiden ein veritables Liebesduett aufs Bühnenparkett mit Annäherung und Umarmung vor dem angenehm zurückhaltend begleitenden Gürzenich-Orchester unter seinem Chef Andrés Orozco-Estrada. Inzwischen haben Rangwanasha und Short neue Rollen angenommen und verkörpern nun Porgy und Bess selbst. Er hat vorher noch „I got plenty o’nutting“ gesungen wie ein Buffo-Bariton mit humoristischer Attitüde und mit ebenso schönem Timbre wie seine Sopranpartnerin. Dass Porgy in der Oper eigentlich ein behinderter Bettler mit einem Hang zur Nachdenklichkeit ist, davon war nichts zu spüren.
Ein Abend voller Swing und Jazz
Es ging in der Philharmonie auch gar nicht um eine konzertante Oper, sondern wie es im Programmheft heißt, um einen Abend „voller Swing und Jazz“. Daran hatte der sogenannte Kölner Bürgerchor einen großen Anteil. In „Porgy and Bess“ spielt der Chor eine wesentliche Rolle, aber eher in milieuhaften Schilderungen der schwarzen Community der Catfish Row. In der Philharmonie erlebte man dagegen eine pure Begeisterung verströmende oratorische Großformation von 150 Sängern, inklusive des Berliner Soul-Vokalensembles „A Song for you“.
Bei „It ain’t necessarily so“, dem zynisch-blasphemischen Lied des Drogendealers Sportin‘ Life, tanzten die Chöre auf den Rängen X, Y und Z ausgelassen wie bei einem Praise Break. Das Publikum, darunter auch viele Freunde des Kölner Bürgerchors, der 2022 als Mitmach-Initiative vom Gürzenich-Orchester gegründet wurde, ließ sich von der guten Laune in diesem als Festkonzert betitelten Abend anstecken, der mit Gershwins „An American in Paris“ begann.
Für Andrés Orozco-Estrada war diese „Tondichtung“ eine Art klanglicher Setzkasten, den seine Musikerinnen und Musiker mit allerlei Preziosen füllten, dem Blues-Thema der Trompete, der Solovioline im Zusammenklang mit der Celesta als Kaffeehausatmosphäre, den Klängen von Saxofonen, Englischhorn und natürlich den originalen Autohupen. Gershwins Musik bieten einen reichen Fundus für orchestrale Kostproben, und man spürte sogar auch etwas von dem Tonfall der Zwanzigerjahre, ob in Paris, vielleicht auch in Berlin oder anderswo. Hinterher ließ der GMD seine Musikerinnen und Musiker einzeln und in Gruppen vom Publikum beklatschen. Man spürte beim Start in die neue Konzertsaison ein großes Einvernehmen auf der Bühne.