Vor 150 Jahren gründete sich der Vorläufer des Kirchenchores Cäcilia. Aus der Herrensache wurde später ein gemischtes Ensemble. Am 13.September wird gefeiert.
Jubiläum in KölnWorringer Chor „Cäcilia“ feiert 150-jähriges Bestehen

Der Kirchenchor „Cäcilia“ Köln-Worringen 2026 bei einer Probe im St.-Tönnis-Haus Worringen zur Vorbereitung der Aufführung von Mozarts „Krönungsmesse“ (mit Chorleiter Juliano Suzuki, rechts) anlässlich des 150-jährigen Chorbestehens.
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Was verbindet Bayreuth mit Köln? Was den Komponisten Richard Wagner mit Worringen? Es ist das Jahr 1876. Wagner eröffnete in Bayreuth seine ersten Festspiele, führte erstmalig im eigens errichteten Festspielhaus den gesamten „Ring des Nibelungen“ auf. Zur gleichen Zeit hatte sich in Worringen ein Gesangsdoppelquartett gebildet. „Pankratius-Verein“ nannte sich die Männerrunde unter der Leitung von Heinrich Meurer anfangs – angelehnt an den Worringer Pfarrpatron. Kurze Zeit später schloss sich der Sängerkreis dem Allgemeinen Deutschen Cäcilienverein an, dessen Ziel die Förderung der katholischen Kirchenmusik war. Der junge Kirchenchor „St. Cäcilia“, der in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert, war geboren.
1930 fusionierte der Herrenchor mit der „Jungfrauencongregation“
Der neue Männerchor war beliebt, ist in einer der vielen Chroniken zu lesen. Neben der kirchlichen Betätigung fanden die Herren reichlich Gelegenheit, auch bei weltlichen Feiern mitzuwirken. Damals war Singen im Chor noch reine Männersache. Nach dem Ersten Weltkrieg bildete sich an St. Pankratius auch ein Damenchor aus der Gemeinschaft der Jungfrauencongregation. Musiziert wurde aber weiterhin getrennt. Erst Anfang der 1930er Jahre gelangte zur Primizfeier des in Worringen geborenen Priesters Johannes Greiß die mehrstimmige Messe „Missa Trium Regum“ von Friedrich Koenen für gemischten Chor zur Aufführung. Beide Chöre hatten sich vereint und damit den Grundstein für das bis heute existierende gemischte Ensemble gelegt.

Kirchenchor „Cäcilia“ Köln-Worringen 1986 beim „Sängerfest o’m Maat“ 1986 mit Chorleiter Emil Gerhardt.
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In den eineinhalb Jahrhunderten seines Bestehens überlebte der Chor zwei Kriege. Der erste Auftritt nach dem Zweiten Weltkrieg war bereits im August 1945 das Jubelamt zur Goldhochzeit der Eheleute Wilhelm Detmer. Zwei Jahre später führte die Chorgemeinschaft trotz aller äußeren Widrigkeiten, Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ erstmals in der Worringer Pfarrkirche auf. Eine echte Herausforderung für den Chor zu dieser Zeit.
Haydns Schöpfungsgeschichte begleitete die Worringer Sängerinnen und Sänger noch zwei weitere Male: 1976 zum 100-jährigen Chorjubiläum in Worringen und 1987 bei einer Aufführung in der erst einige Monate zuvor eröffneten Kölner Philharmonie, anlässlich des 50. Geburtstages des Ford-Sinfonieorchesters. „Ein unvergessenes Erlebnis“, berichten viele, die damals dabei waren.
Worringer Kirchenchor wagt sich an anspruchsvolle Werke
Immer wieder wagte sich der Worringer Kirchenchor unter wechselnden Chorleitungen an anspruchsvolle Werke berühmter Komponisten. Jede Menge Mozart, Haydn, Kodály, Bruckner, Widor, Bach, Beethoven, Händel, Wagner, Verdi und Brahms präsentierte der Chor in Kirchen und Konzertsälen, oft zusammen mit befreundeten Chören, Solisten sowie größeren und kleineren Orchestern. Auszeichnungen wie die Zelter-Plakette, die höchste deutsche Auszeichnung für Amateur-Chöre, und die Verleihung der Palestrina-Medaille, bestätigen nachweislich die Pflege der Chormusik in Worringen.
Auch auf weltlicher Ebene setzten die „Cäcilianer“ Maßstäbe. 1977 entwickelte sich die Idee eines Sängerwettstreits, eines offenen Singens, an dem alle Worringer Chöre mitwirken konnten. Der damalige Kirchenchorvorsitzende Paul Schiefer trug auf einer Vorstandssitzung die Idee vor. Die Sangesfreunde stimmten zu. Pfarrer und Präses Gerhard Dane riet den Anwesenden seinerzeit, den historischen Schulhof „O’m Maat“, die höchste Erhebung im Ort, für dieses Vorhaben zu nutzen. Mittlerweile ist das Sängerfest umgezogen und findet nun – seit fast 50 Jahren immer am letzten Samstag vor den Sommerferien – auf dem St.-Tönnis-Platz neben der Pfarrkirche statt.
Orgelbauverein ermöglicht Anschaffung eines Instruments
Ein weiteres nachhaltiges Projekt forderte seit den 1970er Jahren die Mitarbeit und Unterstützung der Chormitglieder. Der Bau einer neuen Kirchenorgel stand zur Diskussion. Unter Chorleiter Eckhard Isenberg (1994-2020), dem Vorsitzenden Paul Schiefer und Präses Gerhard Dane nahm das Orgelprojekt Gestalt an. 1995 kam es zur Unterzeichnung eines Vertrages mit der Kevelaerer Orgelbaufirma Romanus Seifert. Für die Finanzierung wurde ein Orgelbauverein gegründet. Am 5. September 1998 weihte Kölns Kardinal Joachim Meisner in einer feierlichen Messe das neue Instrument mit seinem 31-Register-Werk und dem denkmalgeschützten barocken Prospekt (um 1750) ein.
Über viele Jahrzehnte lag die Chorleitung in den Händen engagierter Musiker. Doch gerade in letzter Zeit habe sich die Gemeinschaft großen Herausforderungen stellen müssen, berichtet Renate Kochanczyk vom Vorstand des Chores. Während der Corona-Pandemie bewiesen die Sänger großen Zusammenhalt. Digitale Proben ersetzten vorübergehend das gesellige Zusammensein. Kreative Projekte entstanden. Auch im Chorvorstand gab es Veränderungen. Fünf Sängerinnen bilden heute das Vorstandsteam, leiten den Chor durch teils schwieriges Fahrwasser. „Der demografische Wandel, Nachwuchssorgen und häufig wechselnde Chorleiter stellen uns vor schwierige Aufgaben“, sagt Kochanczyk. Seit Anfang 2026 bereitet der Musiker Juliano Suzuki als Interimschorleiter die Chorgemeinschaft auf die bevorstehende Festmesse im September vor.
150 Jahre lang prägte der katholische Chor das kirchliche Leben in Worringen. Neben seinem liturgischen Auftrag leistete er mit unzähligen Aufführungen, Konzerten und Veranstaltungen, einen wertvollen kulturellen und gesellschaftlichen Beitrag für die Ortsgeschichte Worringens. Ein kulturelles Erbe, das der Chor auch künftig aktiv weiterführen will.
Mit einem Festgottesdienst in der Worringer Pfarrkirche St. Pankratius feiert der Kirchenchor am Sonntag, 13. September, um 11.15 Uhr, sein 150-jähriges Bestehen. Aufgeführt wird Mozarts Krönungsmesse mit Solisten und Orchester. Zuvor zeigt eine Jubiläumsausstellung in der Filiale der Kreissparkasse Köln-Worringen, Hackhauser Weg 14, allerlei Unikate, Exponate, Fotos, Plakate, Festschriften und interessante Erinnerungsstücke aus der 150-jährigen Geschichte des Chores. Die Ausstellung ist von Montag, 31. August, bis Freitag, 11. September, während der Öffnungszeiten der Kreissparkasse zu sehen.
