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Philharmonie-JubiläumskonzertPaukengewitter und Drehorgel-Ekstase

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Jubiläumskozert anlässlich 40 Jahre Philharmonie - WDR Sinfonieorcheste unter der Leitung von Jörg Widmann.

Jubiläumskozert anlässlich 40 Jahre Philharmonie - WDR Sinfonieorcheste unter der Leitung von Jörg Widmann. 

Prächtige Stimmung beim Jubiläumskonzert der Kölner Philharmonie

Der beste Satz in den Grußadressen von Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester, Philharmonie-Intendantin Ewa Bosgusz-Moore und NRW-Kulturministerin Ina Brandes kam von letzterer: „Ein Leben ohne Philharmonie ist möglich, aber sinnlos.“ Das Bonmot gibt es in vielen Varianten, aber es passte zweifellos hervorragend auch zum aktuellen Anlass: dem Jubiläumskonzert zum 40-jährigen Bestehen der Kölner Philharmonie. Dabei gibt es unstrittig viele Menschen, die ein Leben ohne Philharmonie durchaus nicht sinnlos finden, aber die waren am Montagabend ebendort wahrscheinlich in einer hoffnungslosen Unterzahl.

Zur feierlichen Begehung des Eröffnungs-Jahrestages hatte man das Naheliegende arrangiert: Die beiden Hausorchester bestritten die Konzerthälften vor und nach der Pause: Das WDR Sinfonieorchester eröffnete unter der Leitung von Jörg Widmann – Marie Jacquot als neue Chefdirigentin kam hier noch nicht zum Einsatz, ihre große Stunde schlägt am Freitagabend –, die Gürzenicher folgten unter Andrés Orozco-Estrada. Danach – nach rund drei Stunden – gab es für die Besucher Freibier im Foyer.

Das Programm signalisierte ebenfalls kein „business as usual“: Zu Beginn dirigierte Widmann, der auch als Klarinettist und Komponist weithin gefeiert wird, ein eigenes Werk: das Trompetenkonzert „ad absurdum“ von 2002. Dieses, das vielleicht ein paar Minuten zu lang ausfällt, offenbart einen phänomenalen Klangsinn in den Kombinationen und Spielweisen der Instrumente (inklusive Paukengewitter und Drehorgel-Ekstase), unter denen eben die Trompete mit einem halsbrecherisch-circensischen Solopart herausragt. Den absolvierte Sergei Nakariakov so gelassen wie atemberaubend brillant. Wie er da über und unter einer Achse rasender Repetitionen noch weitere Stimmen zum Klingen brachte – es machte auch den routinierten Hörer schier sprachlos. Die Geigen durften es ihm dann nachtun – dies eine sehr ironische Geste, denn was ihnen leichtfällt, das muss die Trompete hart erarbeiten.

Hang zur permanenten Selbstverausgabung

Mendelssohns Reformations-Sinfonie schloss sich an. Sie wurde jetzt mit einer derartigen Inbrunst dirigiert und gespielt, dass man die harte Kritik der Musikwissenschaftler an ihrem (tatsächlichen oder vermeintlichen) Religionskitsch durchaus vergessen konnte. Widmann nimmt jedenfalls das Stück in jedem Takt radikal ernst – und davon wurde das Publikum unweigerlich genauso ergriffen wie von Mendelssohns seraphischer Melodik. Die Schattenseite solcher Herangehensweise: Der Hang zu permanenter Selbstverausgabung erzeugt gelegentlich einen Überdruck, der dem Sound gerade der Streicher nicht immer gut bekommt.

Man sagt es ungern, weil niemand gerne das bittere Gewürz kleinlicher Meckerei in einen Freudentrunk schüttet: Das – zum Saisonbeginn zweifellos stark geforderte – Gürzenich-Orchester blieb nach der Pause mit Strauss´ „Zarathustra“ leicht unter seinen Möglichkeiten. Sicher: Süffig-schmachtende Geigenklänge gaben einen Vorgeschmack auf die „Rosenkavalier“-Premiere im eröffnungsbereiten Haus am Offenbachplatz, die „Nerven-Kontrapunktik“ der Partitur kam genauso gut herüber, wie die kammermusikalische Individualisierung der Stimmen gelang. Trotzdem fehlte jener Rest an Intensität und szenischer Dringlichkeit, der die Leute am Schluss von den Sitzen holt. Dieser „Zarathustra“ klang unter François-Xavier Roth besser.

Mit einem originellen Schmankerl hatte die Gürzenich-Sektion begonnen: Vom Orchester begleitet, sang ein im Block Z versammelter, aus dem Netzwerk Kölner Chöre zusammengestellter Projektchor von rund 80 Sängerinnen und Sängern einen Brahms-Satz: den „Gesang aus Fingal“ opus 17b. Der ist gemeinhin in der Fassung für Frauenchor, Hörner und Harfe bekannt, erklang hier aber in einer Version für gemischten Chor und Orchester. Die – von Brahms himself für eine Gürzenich-Aufführung im März 1879 erstellte – Zweitfassung hatte im Notenarchiv des Orchesters geschlummert und wurde erst vor drei Jahren dort entdeckt.

Damit wurde zweifellos ein berückendes, atmosphärisch von ossianisch-nordischem Bardentum erfülltes Werk für das Repertoire von Traditionschören gewonnen. Diesmal blieb leider die chorische Performance das eine oder andere in Sachen Homogenität und Intonation (gerade auch in der akkordischen Vertikalen) schuldig. Die Einstudierung (Paul Krämer) kann dafür nicht verantwortlich gemacht werden. Es ist halt kaum möglich, in vergleichsweise kurzer Zeit aus mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen ausgestatteten Laiensängern ein einheitliches Ensemble zu formen.