Die rot-grüne Landesregierung von NRW war schon Anfang 2015 über den Diebstahl bedeutender Kunstwerke aus den Beständen der einstigen WestLB-Sammlung informiert. Man habe das Verschwinden der Werke von Pablo Picasso und Gabriele Münter sowohl den Aufsichtsgremien der Bank als auch der Landesregierung mitgeteilt, erklärte ein Sprecher der Portigon AG am Montag. Am Wochenende hatte der „Spiegel“ berichtet, dass elf Stier-Lithografien von Picasso und das Münter-Bild „Das Haus“ aus dem gesicherten Raum in der Düsseldorfer Portigon-Zentrale gestohlen wurden.
Der Verlust fiel demnach bereits am 16. Januar 2015 auf. Man habe das Verschwinden der Bilder aber auf Wunsch der Staatsanwaltschaft nicht öffentlich gemacht, erläuterte der Sprecher. Auch zehn weitere, nicht so wertvolle Bilder werden vermisst. Die gesamte Versicherungssumme der Kunstwerke liege bei 1,1 Millionen Euro.
Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren im Januar dieses Jahres ein, weil es keine Spur zum Täter gab. Der Verdacht gegen einen Mitarbeiter der Bank, auf den der elektronische Zugang – ein sogenannter Transponder – in den ähnlich einem Tresor gesicherten Raum registriert war, konnte nicht erhärtet werden. Ein Sprecher der Ermittlungsbehörde erklärte, der digitale Schlüssel sei offenbar von vielen Personen genutzt worden. Weil sich am Ende keine heiße Spur ergab, wurden die Ermittlungen eingestellt – das Kulturministerium erfuhr davon aus dem Medien.
CDU spricht von politschem Skandal
„Der Diebstahl von Teilen der Portigon-Sammlung ist ein herber Verlust für die Kulturlandschaft Nordrhein-Westfalens“, meinte Kulturministerin Christina Kampmann. Ihr Haus verhandelt mit der Portigon über die Übernahme der wichtigsten Werke aus der rund 380 Stücke umfassenden WestLB-Sammlung durch eine Stiftung des Landes. Der CDU-Kulturpolitiker Thomas Sternberg kritisierte das lange Schweigen der Ministerien scharf: „Der Versuch der Landesregierung, den Vorfall zu vertuschen, ist ein politischer Skandal.“
Der Portigon-Sprecher betonte, alle Werke würden nun sicher und fachgerecht gelagert. Ihr Magazin in der Bank-Zentrale hätten sie inzwischen verlassen.

