Robert Duvall glänzte, indem er die Stars glänzen ließ - und doch stahl er in „Apocalypse Now“ allen die Schau. Jetzt wird er 95 Jahre alt.
Robert Duvall wird 95Der Mann im Hintergrund

Robert Duvall als Lt. Colonel Bill Kilgore in „Apocalypse Now“
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Ein Ire in der italienischen Mafia, das war die Rolle seines Lebens. Als stiller Ratgeber des von Marlon Brando gespielten Paten blieb Robert Duvall so diskret im Hintergrund, als wolle er mit diesem verschmelzen. Aber zugleich ahnte man, dass seine Aufgabe darin lag, die Stars, vor allem Brando und Al Pacino, glänzen zu lassen, so wie das besondere Talent seines Consigliere darin bestand, bestimmte Dinge für die Familie möglich zu machen, ohne dass man sie zu ihren Mitgliedern zurückverfolgen konnte. Blutige Morde beispielsweise.
In dieser Rolle war Robert Duvall das Gegenteil eines klassischen Manns fürs Grobe. Er erledigte seine Aufgabe, von der man nie genau wusste, wo sie begann und endete, so effizient wie elegant und vor allem, ohne viel Aufheben um seine Person zu machen. Bei den Dreharbeiten zu den ersten beiden „Godfather“-Filmen kannte Duvall seinen Platz so gut wie seine Filmfigur. Marlon Brando stahl niemand eine Szene. Aber bei Al Pacino könnte ein weniger selbstloser Schauspieler versucht gewesen sein. Duvall hielt sich zurück und wusste doch um seinen Wert. Beim dritten „Pate“-Film stieg er aus, weil er es akzeptieren konnte, wenn Pacino das doppelte Gehalt einstrich. Aber nicht das Vierfache.
In „Apokalypse Now“ stahl Duvall gleich den ganzen Film
Geboren wurde Robert Duvall vor 95 Jahren im kalifornischen San Diego – als Sohn eines Militärs, der in der US-Marine bis zum Admiral aufstieg. Seine Jugend verbrachte er auf Wanderschaft zwischen Militärbasen, eine Schule, die ihm zugutekam, als er für Francis Ford Coppola in „Apokalypse Now“ den surfverrückten Lt. Colonel Bill Kilgore spielen sollte. In dieser Rolle stahl Duvall nicht nur jede Szene, in der er auftrat, sondern gleich den ganzen Film.
Während Marlon Brandos Colonel Walter E. Kurtz noch ein Gerücht ist, lässt Kilgore zum Klang von Wagners Walkürenritt zum Angriff auf ein Küstendorf blasen, um einen durchreisenden Soldaten dort surfen zu sehen. Während die Granaten um ihn herum einschlagen, philosophiert Kilgore in Feldherrenpose über den Krieg: „Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen. Er riecht nach – Sieg.“ Als Brando endlich auftaucht, ist über den surrealen Wahnsinn des Vietnamkrieges bereits alles gesagt.

Robert Duvall als Tom Hagen im Hintergrund des Paten Marlon Brando
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Mit Francis Ford Coppola verband Duvall eine lange Arbeitsgemeinschaft – stets in tragenden Nebenrollen. 1968 besetzte ihn Coppola in „Liebe niemals einen Fremden“, zwischen den beiden „Paten“-Filme spielte er an der Seite Gene Hackmans im Verschwörungsthriller „Dialog“ und 1979 schließlich in „Apokalypse Now“. Aus dieser Verbindung entsprangen zwei Oscar-Nominierungen, die Duvalls Image als geborener „Supporting Actor“ zu zementieren schienen. Seinen einzigen Oscar erhielt er dann 1984 ausgerechnet für eine Hauptrolle: In „Comeback der Liebe“ spielt er einen Country-Sänger, der sich vom Alkohol lossagt und ein neues Leben beginnt. Leider gehört diese Saga einer Läuterung zu jenen Filmen, die nur dafür gemacht scheinen, verdienten, aber einmal zu oft übergangenen Schauspielern zu einer Auszeichnung zu verhelfen.
Wenn der 53-jährige Duvall gehofft hatte, mit seinem Oscar dauerhaft ins Heldenfach wechseln zu können, hatte er sich geirrt. Als Drehbuchautor und Regisseur schrieb er sich später mehrere Hauptrollen auf den Leib, 1997 die eines falschen „Apostels“, 2002 in „Killing Moves“ die eines Auftragskillers mit Hang zum Tangotanzen. Ansonsten war er weiterhin vor allem als Mann gefragt, der glänzt, indem er die Stars glänzen lässt.
Robert Duvall braucht nicht zu spielen, um Eindruck zu hinterlassen
Immerhin versorgte ihn dieses von Regisseuren wie Schauspielkollegen gleichermaßen geschätztes Talent mit etlichen hervorragenden Rollen: der mitfühlende Polizist in „Falling Down“, der an seinem letzten Arbeitstag noch einmal Schlimmeres verhindert; den verlorenen alten Mann in der postapokalyptischen Welt von „Die Straße“; oder den Vertreter des guten Westens in Kevin Costners „Open Range“.
Duvalls besonderes Talent lag nicht zuletzt in seiner Zurückhaltung – er brauchte nicht zu spielen, um Eindruck zu hinterlassen. Mit dem Alter schien er mehr und mehr in sich selbst zu ruhen, ein Mann, der aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen kann. Am besten kommt dies vielleicht in „Zivilprozess“ zur Geltung, einem Gerichtsthriller, in dem er als Anwalt ein Unternehmen vertritt, das über Jahre hinweg das Trinkwasser eines kleinen Orts vergiftete. John Travolta spielt den Helden des Films, einen windigen Anwalt, der eher zufällig auf der richtigen Seite steht, aber gegen Duvall keine Chance hat.
Ein ums andere Mal lässt Duvalls Figur die Gegenseite auflaufen, so wie auch Duvall scheinbar genüsslich dabei zuzusehen scheint, wie Travolta versucht, ihm als Darsteller ebenbürtig zu sein. Selbst diese unangestrengte Überlegenheit dient am Ende aber dazu, den Star in seiner Rolle aufgehen und triumphieren zu lassen. In dieser Selbstlosigkeit liegen die Größe und vielleicht auch die Tragik von Robert Duvall. An diesem Montag wird er 95 Jahr alt.

