Dieses Jahr wird der japanische Komponist Kento Ishikawa von der Stadt Köln gefördert. Am Mittwochabend fand in der Kunst-Station Sankt Peter das Preisträgerkonzert statt.
Bernd-Alois-Zimmermann-StipendiumTöne verbreiten sich wie Düfte im Raum

Ist der diesjährige Preisträger des Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendiums der Stadt Köln: der japanische Komponist Kento Ishikawa in der Kunst-Station Sankt Peter
Copyright: Doerthe Boxberg
Gleich zu Anfang schweben Orgelklänge durch den Raum. Sie stammen jedoch nicht von der Kirchenorgel, sondern von zwei kleinen japanischen Mundorgeln, Shō, die für das Publikum verborgen auf der Empore geblasen werden. Das traditionelle Instrument der japanischen kaiserlichen Hofmusik Gagaku wird aus- und einatmend gespielt und erzeugt so einen durchgehenden Strom sanft an- und abschwellender Harmonien.
Diesjähriger Preisträger des Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendiums der Stadt Köln ist der japanische Komponist Kento Ishikawa. 1997 in Tokio geboren, studierte er dort unter anderem bei Misato Mochizuki und ab 2024 bei Miroslav Srnka an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Beim Preisträgerkonzert in der Kunst-Station Sankt Peter unterstrich Bürgermeisterin Derya Karadag: „Köln ist Musikstadt und soll das auch bleiben. Dafür brauchen wir junge, neue Talente, die wir unter anderem mit den Kunststipendien der Stadt fördern.“ Während die Planungen des städtischen Doppelhaushalts 2027/28 teils massive Kürzungen bei der freien Szene vorsehen, war dies immerhin ein Bekenntnis zu den jährlichen fünf Kunststipendien.
Bekenntnis zu den jährlichen fünf Kunststipendien
In Ishikawas uraufgeführtem „Coenocyte“ wird das Innenklavier perkussiv mit Murmeln, Holz-, Metall- und Glasstiften traktiert. Ebenso schlägt und streicht ein Schlagzeuger die Schnarrseiten zweier Snare Drums. Beide Instrumente verbinden sich über alle Unterschiede hinweg mit Reibeklängen, flirrenden Glissandi und metallischem Klirren zu einem ebenso artverwandten wie neuartigen Hybrid. Der Stücktitel bezeichnet in der Biologie die Teilung eines Zellkerns in mehrere Kerne innerhalb desselben Zellplasmas. Analog dazu generierte Ishikawa eine musikalische Gleichzeitigkeit von Dualität und Individualität.
Auf Verschmelzung von Klavier und Klarinette zielt „Greta Oto“. Beide Instrumente spielen flatterhafte Läufe und Triller, sodass Vorder- und Hintergrund nicht mehr zu unterscheiden sind. Das ist wie beim gleichnamigen südamerikanischen Schmetterling, dessen durchsichtige Flügel vor der tropischen Vegetation nicht zu erkennen sind. In „Marunouchi Luminiscence“ verbindet Ishikawa Klavier und Shō als Repräsentanten von Europa und Asien zum klingenden Eurasien. Das funktioniert freilich nicht ohne Reibung, da die Mundorgel vierteltönig gegen das wohltemperierte Klavier versetzt ist.
Den Abschluss des kurzweiligen Konzerts bildete „Odorant Receptors“. Der Organist spielt kurze, schnelle Figuren. Doch die Orgel bleibt stumm und lässt die dazugehörigen Klänge erst zwei bis drei Sekunden später hören. Anschließend wird die Latenz zwischen Greifen und Klingen kürzer und das Gespielte länger. Spielaktionen und Klangreaktionen kommen immer dichter zusammen. Schließlich überlappen sich fauchende Cluster zu wilden Kaskaden. Laut Komponist sollen sich die Töne wie Düfte verbreiten. Am Ende ist der Raum dann bis zum Ersticken mit Parfüm gefüllt.
