So war der Münchener „Tatort“Eine Wendung aus dem Nichts

Alois Meininger (Martin Leutgeb) trifft auf seinen alten Therapeuten.
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Der Fall
Die Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) sind auf der Suche nach dem Mörder Alois Meininger (Martin Leutgeb). Nach über 30 Jahren ist er vor kurzem erst aus der Sicherheitsverwahrung entlassen worden, nur um sofort einen zweiten Mord zu begehen. Da den Kommissaren jede Spur von Meininger fehlt, wenden sie sich an den alten Therapeuten des Mörders, Norbert Prinz (Peter Franke).
Da dieser jedoch inzwischen stark dement ist, setzen sie auf eine ungewöhnliche Art des Verhörs: Mit Hilfe des Neuropsychologen Ralph Vonderheiden (André Jung) bauen sie die alte Praxis von Norbert Prinz nach, um ihm in diesem Umfeld Informationen über seinen alten Patienten zu entlocken. Doch die Demenz scheint schon zu fortgeschritten, um Prinz erfolgreich verhören zu können. Langsam merken aber sowohl Ralph Vonderheiden als auch die Zuschauer, dass es den Ermittlern in Wirklichkeit um etwas ganz anderes geht.
Die Auflösung
Denn eigentlich stand von Beginn an Ralph Vonderheiden im Visier der Kommissare. Diese haben Grund anzunehmen, dass Vonderheiden vor über 30 Jahren den ersten Mord begangen hatte, für den Meininger verurteilt wurde. Doch erst, als die Kommissare Vonderheiden in den alten Klub „Flash“ führen, in dem das Opfer damals zum letzten Mal gesehen wurde, und Led Zeppelins „Whole Lotta Love“ durch die Lautsprecher dröhnen lassen, ist Vonderheiden wie zurückversetzt. Er erwacht aus seiner Amnesie, gesteht und wird verhaftet.
Alois Meininger, mit dem die Kommissare, wie sich herausstellt, von Anfang an kooperierten, ist damit wieder auf freiem Fuß, schließlich wurde er für den ersten Mord fälschlich verurteilt. Und der zweite Mord – den hatten sich die Kommissare bloß ausgedacht, um Vonderheiden auf die falsche Fährte zu locken.
Das Thema
Den Ausgang dieses Falls hat wohl kaum ein Zuschauer kommen sehen. Wie auch, wenn Vonderheiden selbst bis zum Schluss nicht wusste, dass er der Mörder ist. Eine so starke Amnesie bei dem sonst völlig unauffälligen Neuropsychologen – etwas weit hergeholt wirkt das alles schon.
Für „Tatort“-Fans

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„Tatorte“ gibt es viele: klassisch, experimentell, spannend oder doch eher langweilig? In unserer Vorschau erfahren Sie immer bereits ab Samstag, wie der kommende „Tatort“ werden wird.
Direkt im Anschluss an jede Sendung am Sonntagabend folgt dann unsere „Tatort“-Kritik.
Aber der Effekt ist wirkungsvoll: Erst glaubt man, Meininger wäre der Bösewicht, dann scheint es, als ob Prinz etwas zu verheimlichen hätte, und schließlich, wie aus dem Nichts, ist es Vonderheiden, der sich als Mörder entpuppt. Der Witz (wenn man in diesem Kontext davon sprechen darf) ist natürlich, dass gerade der Mann, der für die Betreuung der Demenzkranken zuständig ist, selbst von seinem Gedächtnis so getäuscht wurde.
Trotzdem liegt der thematische Fokus dieses „Tatorts“ klar auf der Demenz und wie Betroffene sowie Angehörige mit dieser Krankheit umgehen. Das Drehbuch von Sönke Lars Neuwöhner und Sven S. Poser bietet einen Einblick in das Leben der Menschen, die sich um demente Familienmitglieder kümmern und zusehen müssen, wie der geliebte Mensch ihnen immer fremder wird.
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In der Dynamik zwischen Norbert Prinz und seiner Tochter Nele (Jenny Schily) wird dies auf rührende Weise dargestellt. Sowohl Peter Franke als auch Schily spielen ihre Rollen mit dem nötigen Feingefühl für dieses heikle Vater-Tochter-Verhältnis, sodass auch Szenen, in denen der Vater sich nur wie ein Kleinkind auszudrücken weiß, in keiner Weise übertrieben oder überspielt wirken.
Fazit
Überraschende Wendungen und emotional mitreißende Themen – der „Tatort: Flash“ hat definitiv einiges zu bieten. Dem Regisseur Andreas Kleinert gelingt es, eine Geschichte, die einen Bogen über mehrere Jahrzehnte spannt, mit Figuren, auf deren Erinnerungen kein Verlass ist, übersichtlich zu erzählen. Es hilft natürlich, dass man dank der 80er-Jahre-Mode und entsprechender Musik als Zuschauer immer schnell erkennt, ob man sich in der Gegenwart oder in der Erinnerung an lang vergangene Partynächte befindet.



