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So wird der Polizeiruf 110Zwischen Kinderheim und Elternhaus

Lesezeit 2 Minuten
Im Frühstücksraum des Kinderheimes gibt es ein Geburtstagsständchen. Ronny (Johann Barnstorf) bläst die Kerzen auf seiner Geburtstagstorte aus.

in weiteren Rollen: Gabi Kleinschmidt (re., Maja Schöne) und Matthias Precht (Thomas Schubert).

Ronny (Johann Barnstorf) bläst die Kerzen auf seiner Geburtstagstorte aus.

Im neuen Fall des Magdeburger „Polizeiruf“ muss Kommissarin Doreen Brasch ein verschwundenes Kind finden - oder einen Täter.

Es ist Ronnys Geburtstag und seine Mutter Sabine (Ceci Chuh) ist nicht da. Der Junge lebt in einem Heim und bekommt sie nur phasenweise zu sehen. Einer der Erzieher, Matthias Precht (Thomas Schubert), schafft es, ihn trotzdem zu einer kleinen hausinternen Feier zu zerren, wo er Kuchen und allerlei Geschenke bekommt. Da seine Mutter nicht kam, fährt Ronny (Johann Barnstorf) mit seinem neuen Fahrrad eben zu ihr, und zunächst hält die festliche Stimmung. Dann geht es steil bergab. Sabines Partner (Oskar Bökelmann) verdirbt schnell die gute Laune, wird sogar handgreiflich, Ronny läuft weg. Und taucht dann nicht mehr auf.

Erstes Deutsches Fernsehen (ARD)

Ronny | Polizeiruf 110

Es ist ein emotionaler Fall, in dem Hauptkommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) erst einmal die Familienverhältnisse abklären muss. Die Mutter zeigt sich verschwiegen. Wegen ihrer früheren Drogenabhängigkeit hat sie das Sorgerecht verloren. Nun hat sie Angst, der Konflikt würde weitere Chancen zerstören, endlich ihren Sohn zurückzubekommen Auch als sie auspackt und Brasch über den Familienstreit aufklärt, ergibt sich aus einer Befragung des Partners zwar ein Verdacht – der ist kurz nach dem Streit spazieren gegangen, wie er sagt – aber keine neue Spur.

„Ronny“ ist eine gelungene Folge des Polizeiruf 110 - mit Schwächen

Ein neuer Hinweis kommt schließlich von der Leiterin des Heims Gaby Kleinschmidt (Maja Schöne). Gabys Sohn Gordon (Valentin Oppermann) hat Ronny noch am Abend seines Verschwindens gesehen: auf dem Weg zu einem Boot, um am Fluss angeln zu gehen. Und Sabine entdeckt in einem Video der Geburtstagsfeier den Hinweis, dass Ronny diesen Ausflug mit seinem Lieblingserzieher Matthias Precht machen wollte.

Der Fall macht aus der anfänglichen Dynamik eines Kindes zwischen Heim und Elternhaus zu wenig. Da deutet sich eine spannende Geschichte besonders in ihrer Bodenständigkeit an, auch weil die Figuren und Dialoge sehr gut geschrieben sind. Die durchweg gut besetzten Schauspieler setzen diese grandios um, besonders auffällig dabei Ceci Chuh als Ronnys Mutter Sabine und die aus „Dark“ bekannte Maja Schöne als Leiterin des Heims.

Schauplätze und Konflikte wirken wie aus dem Leben gegriffen. Leider wird dieser Fokus durch die letztliche Auflösung des Falls nicht beibehalten. Seine Bodenständigkeit geht letztlich in einem Motiv verloren, das nur als Klischee erzählt wird. Alles in allem trotz der Schwächen eine spannende Folge, die nicht ohne Grund für den Deutschen Fernsehkrimipreis nominiert ist.

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