Alicia Keys in KölnKonzert der Soul-Queen mit einer großen Überraschung

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Alicia Keys

Köln – Wenn irgendwann in einer fast ausverkauften Lanxess-Arena alle Zuschauer auf den Beinen sind, mit weit über den Kopf ausgestreckten Armen klatschen und dabei lauthals die Lyrics zum 2007-Hit „No One“ singen, dann wird deutlich, was für eine Wirkung der Weltstar Alicia Keys noch heute, über 20 Jahre nach ihrem Debut, auf ihre Fans hat.

Erster Auftritt in Deutschland seit neun Jahren

Viele Zuschauer haben seit über zwei Jahren auf dieses Konzert gewartet, denn eigentlich sollte es bereits im Juli 2020 stattfinden. Andere warten vielleicht schon seit fast zehn Jahren darauf, ihr Idol mal wieder live zu sehen. Das letzte Mal, dass Alicia Keys in Deutschland ein Konzert gespielt hat, war 2013.

Diese Vorfreude ist am Freitagabend in der Arena deutlich zu spüren. Als sich dann um 21 Uhr endlich die Leinwand öffnet und Keys auf die Bühne zu ihrer Band hervortritt, entlädt sich diese Vorfreude in lautes Geschrei. Keys bahnt sich langsam ihren Weg zum Klavier, oder besser gesagt: das Klavier bahnt sich seinen Weg zu ihr, denn wie aus Geisterhand rollt es aus einer Ecke der Bühne langsam auf sie zu.

Einen Klavierhocker braucht sie nicht. Im Stehen schlägt sie die Akkorde zu „Nat King Cole“ an, einem Song von ihrem neusten Album „Keys“, mit dem sie den Abend in Köln eröffnet. Es folgt eine Reihe von alten und neuen Songs, direkt aneinandergereiht, ohne viel Zeit zum Durchatmen oder Gespräch mit dem Publikum.

Eines gibt Alicia Keys der Arena am Anfang jedoch auf den Weg: heute ginge es darum, alles Negative loszulassen und sich auf eine wunderschöne Reise zu begeben. Dass die Reise noch viele Überraschungen beinhalten wird, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Nostalgie-Welle schwappt durch die Arena

Man merkt schnell, dass die meisten Zuschauer natürlich für die alten Hits gekommen sind – und davon hat die 41-Jährige über die Jahre nicht wenige produziert. Bei „You Don‘t Know my Name“ oder „Karma“, beides beliebte Songs vom Album „The Diary of Alicia Keys” aus dem Jahr 2003, schwappt spürbar eine Welle der Nostalgie durch die Arena.

Selbst die Telefon-Szene aus „You Don’t Know My Name“, in der Keys in der Rolle der schüchternen Kellnerin ihren Schwarm am Telefon nach einem Date fragt, spielt sie grandios, samt Fake-Handy, das sie plötzlich vom Klavier aufhebt, nur um es nach dem „Gespräch“ ins Publikum zu werfen.

Alicia Keys nimmt sich, auch nach über 30 Millionen verkauften Alben und 16 Grammys, nicht zu ernst und man kauft ihr wirklich ab, dass sie Spaß auf der Bühne hat. Ihre kraftvolle Soul-Stimme glänzt in den neuen sowie in den alten Songs, auch wenn man meint, in den leiseren Momenten die Belastung der Tour in ihrer Stimme zu hören.

Verständlich, schließlich stellt die 41-Jährige seit einem Monat fast jeden zweiten Tag eine Arena-Show auf die Beine. Dann trifft sie aber doch auch die höchsten Töne ihrer Hits, die sie mit Anfang 20 schrieb, und alles ist vergessen. Bei Alicia Keys ist jede Gesangskritik ohnehin auch Meckern auf sehr hohem Niveau.

Im Golfcart zum DJ-Podium

Nach etwa einem Drittel der Show fällt ein weißer Vorhang über die Bühne. Nur noch Umrisse des Bühnengeschehens sind zu erkennen. Die fünfköpfige Band darf jetzt präsentieren, was sie kann, und spielt ein Jazz-Zwischenspiel mit Walking Bass und groovigem Schlagzeugsolo. Von der anderen Seite der Arena fährt jedoch fast unbemerkt ein Gefährt, das einem Golfcart ähnelt, in den Innenraum der Arena.

Alicia Keys steigt aus und begibt sich durch die Menge zur Mitte des Innenraums, wo eine kleine zweite Bühne mit Klavier, Synthesizer und Mischpult auf sie wartet. Auf dieser Bühne, die einige Meter über das Publikum in die Höhe gefahren wird, wird Alicia Keys nun zum DJ.

Es hat wohl an diesem Abend keiner damit gerechnet, dass sich die Arena für kurze Momente in einen Club verwandelt. Keys spielt Ausschnitte aus verschiedenen Songs ihres neuen Albums, zunächst im Original, dann in der „unlocked“ Version. „Unlocked“, das heißt in der „Keys Universe“, wie sie es nennt, so viel wie Remix, Bass, Strobo-Licht, das volle Programm.

DJ Keys hat offensichtlich großen Spaß, sich in diesem für sie ungewöhnlichen Genre auszutoben, und das Publikum ist ebenfalls begeistert. Zwischendurch sampelt sie sogar den Hit „My Boo“, den sie 2004 zusammen mit Usher veröffentlichte – spätestens hier gehen die Herzen aller 2000er-R&B-Fans auf.

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Mit „Empire State of Mind”, dem berühmten Song für ihre Heimatstadt New York, macht sie sich schließlich, beschützt durch sechs Bodyguards, wieder auf den Weg durch die Menge zur Hauptbühne. Jetzt, wo nach der DJ-Einlage fast alle Zuschauer auf den Beinen sind, folgen im letzten Teil noch die großen Hits: „Try Sleeping with a Broken Heart“, „Girl on Fire“, „No one“ und natürlich „Fallin‘“, der Song, mit dem die Karriere von Alicia Keys begann. Die Stimmung in der Arena ist großartig, immer öfter lässt Keys das Publikum lauthals den Refrain ihrer Lieder allein singen, und hat dabei ein breites, authentisches Grinsen auf dem Gesicht.

Keys bedient die Gefühle der Kölner Fans

Authentisch ist ohnehin das passende Wort für diesen Abend. Trotz aufwendiger Lightshow und ungewöhnlichen Genre-Wechseln wirkt hier nichts aufgesetzt. Keys lässt sich auf der Bühne gehen, sie tanzt – mit und ohne Choreografie, sie lacht, sie wirkt berührt und dankbar. „Thank you for bringing me back to Cologne“ ruft sie noch, bevor sie die Bühne verlässt.

Für eine Zugabe kommt sie natürlich nochmal zurück, schließlich darf „If I Ain’t Got You“ als krönender Abschluss der Show nicht fehlen. Doch nach zwei Stunden ausgelassener Performance und über 30 Songs, in voller Länge oder als DJ-Mashup performet, muss sich auch ein Weltstar am Freitag in den Feierabend verabschieden.  

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