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Star-DirigentGeheime Botschaften einer problematischen Liebesbeziehung

2 min

Daniel Harding

  1. Zum ersten Mal stand der britische Star-Dirigent Daniel Harding am Pult des Gürzenich Orchesters.
  2. Für sein Kölner Gastspiel hatte der Chef-Dirigent in Stockholm zwei Werke der klassischen Moderne ausgewählt.
  3. Unsere Kritik.

Köln – Nichts ist so schlecht, dass es nicht für irgendwas gut wäre. Auch in Corona-Zeiten bewahrt sich die Spruchweisheit. Zwar hat das Virus dem Gürzenich-Orchester fünf reguläre Abo-Konzerte verhagelt, dafür gab es am Ende der Saison noch ein unverhofftes Debüt: Erstmals stand der britische Dirigent Daniel Harding am Pult des Orchesters. Eine Gürzenich-Matinee am Sonntagmorgen – das fühlte sich fast an wie in alten Zeiten, mal abgesehen davon, dass sich die 400 maskierten Besucher im Gänsemarsch durch das Haus und auf ihre zugewiesenen Plätze bewegen mussten.

Daniel Harding, Chefdirigent in Stockholm, hatte für sein Kölner Gastspiel zwei Werke der klassischen Moderne ausgewählt, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Alban Bergs Lyrische Suite (1926/28) ist ein intimes, von geheimen Botschaften durchsetztes Dokument einer problematischen Liebesbeziehung. Benjamin Brittens Serenade für Tenor, Horn und Streicher (1943) vereint romantische Poesie und atmosphärische Landschaftsbilder zu einer Klangwelt von zwingender Suggestivität.

Gegensätze vereint

Dass sich die Gegensätze der beiden Stücke auf dem philharmonischen Podium sanft ebneten, hatte Gründe. Zum einen bewahrt Bergs Orchesterfassung von drei Sätzen seiner ursprünglich für Streichquartett geschriebenen Suite nur wenig von der emotionalen Glut und den Nervenreizen des Originals. Dessen hochgespannte Haptik fließt in ein weiches Liniengeflecht von klassischer Schönheit ab, das Daniel Harding offenkundig wichtig war. Brittens Serenade realisierte der Maestro ganz ähnlich – ein sinnliches Vergnügen, auf das sich die knapp zwei Dutzend Gürzenich-Streicher mit gelassener Transparenz einließen.

Premysl Vojta aus dem WDR Sinfonieorchester spielte das zwischen rauen Naturtönen und virtuoser Hochzivilisation changierende Hornsolo mit geschmeidiger Eleganz. Andrew Staples sang die sechs Lieder der Serenade ebenso wie zwei Folksong-Arrangements aus Brittens Feder mit jener klar zeichnenden, eher reservierten Stimme, wie sie für britische Tenöre typisch ist. Für Brittens Vision vom Jüngsten Gericht fraglos der ideale Klang.