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Strandkorb-DebatteAlles eine Frage der Kommunikation?

4 min
Ein Mann sitzt in einem Strandkorb.

CDU-Politiker Philipp Amthor posiert in seinem berühmt gewordenen Strandkorb.

Die Empörungswelle der Strandkorb-Debatte nach einer Doku über die CDU hat sich gelegt. Was bleibt, ist ein schlechtes Zeugnis unserer Debattenkultur.

Der Strandkorb von Staatsminister Philipp Amthor soll jetzt als Spende in eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung in seiner Heimatstadt Ueckermünde gebracht werden. Zuvor hatte ein Regierungssprecher des CDU-Politikers mitteilen lassen, Amthor nehme die Kritik sehr ernst und habe deshalb entschieden, den Strandkorb abtransportieren zu lassen. Auslöser fraglicher Kritik war wiederum die zweite Staffel der ZDF-Doku-Reihe „Inside CDU“, die seit Ende September in der Mediathek zu sehen ist. Die öffentliche Empörung lässt sich ungefähr so zusammenfassen: Der Strandkorb, den sich Amthor zur Zierde seines Büro-Balkons ins Kanzleramt bestellte, steht sinnbildlich für einen dekadenten Politikbetrieb, der es sich bequem macht, der die Sorgen und Nöte der Bürger nicht ernst nimmt beziehungsweise gar nicht erst kennt.

Dass der Strandkorb, den es dem Vernehmen nach für 1600 Euro zuzüglich Lieferung zu kaufen gibt – der Politiker hatte ihn selbst erworben –, nun wieder aus dem Kanzleramt verschwindet, zeigt, dass die Union ernsthafte Sorge vor einem nachhaltigen Reputationsschaden hat. Vor allem aber führen die Doku und die Reaktion darauf vor, wie Politik heutzutage vornehmlich rezipiert wird: oberflächlich, nur auf die Performance ihrer Akteure ausgerichtet.

„Inside CDU“ begleitet die Partei rund um die Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, schwenkt dabei jedoch immer wieder zur Bundespolitik herüber. Eigentlich erfährt man in den vier Folgen nichts, was man als politisch interessierter Mensch nicht vorher schon wusste: Gezeigt werden Politikerinnen und Politiker, die aus Dienstwagen ein- und aussteigen, sich mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beraten, von Wahlkampftermin zu Wahlkampftermin hetzen, und dabei verblüffend oft in Fettnäpfchen treten.

Klatschpresse und Paartherapie

Doch wer glaubt, es gehe in der Politik um Inhalte, ist naiv. Der Erklärungsansatz der Hauptstadtjournalistinnen und -journalisten, warum die CDU derzeit so unbeliebt ist, erinnert vielmehr an eine Mischung aus Klatschpresse und Paartherapie. Als sich der Koalitionsausschuss drei Wochen nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz trifft, um über die gestiegenen Spritpreise zu beraten, berichtet Miriam Lau, politische Korrespondentin bei der „Zeit“, dass Friedrich Merz den Vize-Kanzler Lars Klingbeil angeschrien habe. Weil man sich ständig auf offener Bühne bekriege, sei die Regierung noch unbeliebter als die Ampel, und Merz noch unbeliebter als Scholz, ordnet sie ein. Es hapere, so ist es in der Doku-Reihe von allen Seiten zu vernehmen, an der richtigen Kommunikation, an einer positiven Außendarstellung. Eine Regierung ist also dann gut, wenn sie geräuschlos regiert, und Streit grundsätzlich etwas Schlechtes.

Dass die Bürgerinnen und Bürger womöglich sehr gut verstehen, was die Bundesregierung politisch umsetzen möchte, und gerade deswegen aufgebracht sind, scheint kein valider Erklärungsansatz zu sein. In einer bemerkenswerten Szene in der vierten Folge trifft Daniel Peters, zu diesem Zeitpunkt noch CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, auf eine aufgebrachte Bürgerin. Grund für ihren Ärger: dass Merz die Rente mit 63 abschaffen will. „Mein Mann und mein Sohn arbeiten jede Nacht schwer. Das sind Kurierfahrer“, sagt sie. „Sollen die das mit 70 noch machen und ab in den Sarg rein?“ Die Möglichkeit, dass die große Unzufriedenheit mit Merz nicht in einer zu schwammigen Kommunikation, sondern in dem inhaltlich Kommunizierten zu suchen ist, wäre also auch denkbar. Der Kanzler hatte schließlich stets ausdrücklich betont, dass aus seiner Sicht kein Weg an der Erhöhung des Renteneintrittsalters vorbeiführe.

Verrutschte Maßstäbe

Es ist bezeichnend, dass sich die Debatte trotzdem lieber an einem Strandkorb abarbeitet. Dabei ist die Botschaft simpel: Der Politiker aus Ueckermünde wollte auf recht plakative Weise Heimatverbundenheit vermitteln und machte sich schon in der Dokumentation keine Illusionen über die Funktion. Für den „unwahrscheinlichen Fall“, dass er ihn einmal zum Erholen nutze, könne er ihn immer noch Richtung Kanzlergarten drehen, sagte Amthor. Der Strandkorb ist also tatsächlich ein Sinnbild – allerdings für eine Öffentlichkeit, deren politische Bewertungsmaßstäbe verrutscht sind. Und die Doku „Inside CDU“ reproduziert diese Perspektive, indem sie Inhalte konsequent ausspart, und ausschließlich den Politikbetrieb als solchen beleuchtet.

Als Amthor einen Tag nach der Niederlage in Sachsen-Anhalt für eine Talkshow in der Maske abgepudert wird, erklärt er, dass sich das ritualisierte Sprechen nach Wahlen, „wir müssen jetzt analysieren, wir sind mit unserer Politik nicht durchgedrungen, wir müssen es nur besser erklären“, abnutze. Doch darauf lässt der Staatsminister kein inhaltliches Argument folgen, sondern nur die widersprüchliche Feststellung, dass Politik trotzdem eine Frage von Kommunikation sei. „Die richtigen Worte zu finden, das kann man nicht, indem man sie ritualisiert immer wieder abspult.“