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Kommentar

Kampf um das „Volksbad“
Streit am Beckenrand

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3 min
Vor einem Gebäude ist ein großer Pool aufgebaut, in dem Menschen schwimmen.

Soll ein Ort für strukturell benachteiligte Menschen sein: das Pop-up-Bad der Berliner Volksbühne

Die Absage der Veranstaltung für schwarze Kinder im „Volksbad“ zeigt zweierlei: ausgeprägte Ignoranz gegenüber Alltagsrassismus – und wie armselig rechter Kulturkampf mittlerweile ist.

Trotz hochsommerlicher Temperaturen blieb das Pop-up-Bad der Berliner Volksbühne am Freitag von 12 bis 18 Uhr geschlossen. Der Grund: In Deutschland fühlen sich Menschen provoziert, wenn schwarze Kinder und Jugendliche das Bad einen Nachmittag lang exklusiv nutzen. Geplant hatten das die Volksbühne und der Verein „Each One Teach One“ (EOTO), der sich für die Interessen schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen in Deutschland und Europa einsetzt. Kurzfristig sagten sie die Veranstaltung ab: Sie sei zum Ziel rechter und rassistischer Hetze geworden, eine sichere An- und Abreise der angemeldeten Gäste lasse sich nicht garantieren. Ein Event, das Erfahrungen rassistischer Diskriminierung ernst nimmt, ist so selbst Opfer von Rassismus geworden. Das zeigt zweierlei: wie ausgeprägt die Ignoranz gegenüber Alltagsrassismus hierzulande ist – und wie erbärmlich die Versuche Rechter wirken, sich als Opfer zu stilisieren.

Man kann das Format mit guten Gründen kritisieren. Die Volksbühne reserviert das Schwimmbecken an einigen Tagen für bestimmte Vereine, um „positive Maßnahmen für strukturell benachteiligte Menschen“ anzubieten, wie Intendant Matthias Lilienthal mitteilte. Es einen Nachmittag lang ausschließlich schwarzen Kindern und Jugendlichen vorzubehalten, heißt aber auch, sie für diese Zeit zu exponieren – schließlich liegt das Becken unter freiem Himmel und ist von außen einsehbar. Reproduziert wird damit genau das, was verschwinden soll: Menschen dauerhaft über ihre Hautfarbe zu adressieren.

Rechter Kulturkampf ist armseliger denn je

Die Gegner der sechsstündigen Exklusivnutzung taten eben dies, nur mit verkehrten Vorzeichen. Die junge Berliner CDU-Kommunalpolitikerin Aileen Weibeler äußerte Unverständnis. Sie dürfe nicht ins Freibad, weil sie weiß sei. „Jetzt kann man natürlich sagen: Dann gehen wir halt einfach wann anders hin“, setzte sie zu einem lichten Moment der Reflexion an. „Es ist trotzdem ein super seltsames und, ja, diskriminierendes Gefühl.“ Berlin sei doch eine lebenswerte, vielfältige, bunte, freie Stadt. „Warum brauchen wir dann Safe Spaces an einem Freibad an der Volksbühne?“

Dazu gibt es viel zu sagen. Etwa, dass es Safe Spaces weiterhin braucht, weil Menschen in Deutschland gerade in der Öffentlichkeit und in ihrer Freizeit nach wie vor wegen ihrer Hautfarbe beleidigt werden. Oder dass es sich bei dieser Aussage um eine klassische Täter-Opfer-Umkehr handelt.

Vor allem aber bleibt eine Erkenntnis: Der rechte Kulturkampf ist armseliger denn je. Gab es von dieser Seite einst berechtigte Einwände gegen eine mitunter ausufernde linksliberale Identitätspolitik, wird dort inzwischen nur noch gejammert und besonders ausgeprägt in identitätspolitischen Kategorien gedacht. Alice Weidel scheute nicht einmal die Geschmacklosigkeit, mit Blick auf die Aktion von Volksbühne und EOTO von „Apartheid“ zu sprechen. Bemerkenswert, wie viele Menschen plötzlich in einem Pop-up-Bad planschen wollten.