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Valer Sabadus in der PhilharmonieGroße Gesangskunst

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Valer Sabadus

Köln – Am Schluss, in der dritten Zugabe, kam Valer Sabadus dann auf sein angestammtes Barock-Metier zurück, mit dem er in Gestalt von Purcells „Music for a while“ auch begonnen hatte. Er sang, vor einem erkennbar verzauberten Philharmonie-Publikum, Händels „Ombra mai fu“, eine der Ikonen klassischer Musik überhaupt.

Viele mögen die schier totgerittene Arie nicht mehr hören wollen, aber mit so viel Phrasenspannung, Tonschönheit und unsentimentaler Emotion gesungen, entfaltet sie eine bannende Aura – als hörte man sie zum ersten Mal. Da wird große Gesangskunst zu zweiter Natur.

Bejun Mehta musste absagen

Überhaupt war dieser Liederabend geeignet, das Bedauern darüber in Grenzen zu halten, dass der angesagte Interpret hatte absagen müssen: Bejun Mehta ist an Corona erkrankt, und Sabadus hatte sich bewegen lassen, rasch schlappe 500 Kilometer vom Bodensee nach Köln zu fahren, um einzuspringen.

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Nun ja, wenigstens musste er am Mittwochabend nicht ins Hotel gehen, der gefeierte Counter wohnt in Klettenberg. Glücklicherweise stand auch seine Pianistin Akemi Murakami zur Verfügung, die inspiriert, die unterschiedlichen Stillagen geschickt bedienend und ihren Part auch angemessen selbstbewusst profilierend begleitete.

Eine weitgespannte Agenda

Ein epochenhalber weitgespannte Agenda eben zwischen 17. und 20. Jahrhundert hatte Sabadus zu absolvieren – mit Schwerpunkten bei der deutschen Romantik und beim französischen Impressionismus (Fauré, Hahn, Duparc). Außerdem war eine „selbstverschuldete“ Klippe zu umschiffen: Die meisten Stücke waren getragen-verschattete Legato-Stücke – eine Massierung, die im schlechtsten Fall beim Hörer Überdruss produzieren und den Interpreten erschöpfen mag.

Davon konnte indes keine Rede sein: Sabadus’ artikulatorische Formung ist, von ein paar merkwürdigen Vokalfärbungen abgesehen, so exzellent, die Intervallspannung so genau, der individuelle Ton eines jeden Liedes so überzeugend realisiert, dass der Hörer tatsächlich gebannt bei der Stange bleibt.

Freilich: Der spezifische Kunstklang des Altus überzeugt im Barock und auch bei der gläsernen Schwerelosigkeit der Franzosen. Bei der deutschen Romantik ist er nach wie vor gewöhnungsbedürftig. Möglicherweise wird man diesbezüglich aber auch nur das schnelle Opfer prägender Hörerfahrungen vor der Counter-Ära.