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Kommentar

Wolfram Weimer sagt Preisverleihung ab
Zwischen pampig und beleidigt

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2 min
Der Buchladen «Golden Shop» ist gelb gestrichen und mit Slogans bemalt.

Der Buchladen «Golden Shop» in Bremen erhält von Wolfram Weimer keinen Deutschen Buchhandlungspreis. 

Alles hätte so schön sein können bei der Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises. Über den verhinderten Wolfram Weimer.  

So, das habt ihr jetzt davon! Nach der geballten Kritik an der Streichung dreier Kandidaten von der Vorschlagsliste des Deutschen Buchhandlungspreises sagt Wolfram Weimer die für den 19. März geplante Preisverleihung ab. Zur Begründung teilte ein Sprecher des parteilosen Staatsministers am Dienstag mit, „die Debatte um die Nicht-Berücksichtigung von drei Juryvorschlägen“ drohe den Sinn der Veranstaltung zu überlagern. „Eine angemessene Würdigung der Preisträgerinnen und Preisträger scheint in einem solchen Kontext kaum noch möglich.“

Es fehlt nur der Hinweis auf eine angebliche Schmutzkampagne

Dabei hätte alles so schön sein können: Erstmals sollte die Preisverleihung im Rahmen der Leipziger Buchmesse stattfinden, wie Weimers Sprecher betonte, und zwar „in einem konzentrierten, würdevollen Festakt“. Bei der Lektüre der Absage beschleicht einen der Verdacht, die Kritiker hätten ohne Not einen feierlichen Anlass ruiniert, bei dem statt der vorgeschlagenen 118 Buchhandlungen lediglich drei ohne Preis auskommen sollten. Stattdessen werden die „ausgewählten Buchhandlungen“ Preisgeld und Urkunde nun schmucklos „auf direktem Wege erhalten“.

Zur Erinnerung: Weimer hatte die Juryvorschläge aussortiert, nachdem eine verfassungsrechtlich hoch umstrittene Anfrage beim Verfassungsschutz ergeben hatte, dass zu drei Buchhandlungen „Erkenntnisse“ vorlägen. Welcher Art diese Erkenntnisse sind, interessierte Weimer offenbar nicht; in einem Fall, berichtete die „FAZ“, könnte es um 30 Jahre alte Kontakte zur längst aufgelösten RAF gehen.

Die Begründung des Ministers changiert zwischen pampig und beleidigt. Es fehlt nur noch der Hinweis auf eine angebliche, gegen Weimer gerichtete Schmutzkampagne. Beschädigt hat Weimer den Preis aber höchstselbst, indem er (wenn auch nicht zum ersten Mal) den Eindruck erweckt, die Ausschüttung von Fördergeld an politisches Wohlverhalten knüpfen zu wollen. Immerhin entgeht er durch die Absage der Peinlichkeit, sich auf offener Bühne die Kritik der 115 verbliebenen Preisträger anhören zu müssen.