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Zum Tod von Elke SommerDie Frau als Beute

In den 1960er Jahren gelang Elke Sommer der Sprung nach Hollywood. Wäre sie besser daheim geblieben?

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Eine Frau tanzt mit einem Mann.

Elke Sommer mit Paul Newman in „Der Preis“

Aus der jungen Elke Schletz hätte auch eine hervorragende Übersetzerin werden können. Sie sprach angeblich sechs Sprachen fließend, wenn man Latein hinzuzählt, und begann während eines Au-pair-Aufenthalts in London eine Ausbildung zur Dolmetscherin. Dann wurde sie bei einem Italienurlaub vom Filmregisseur Vittorio De Sica entdeckt – und kehrte nach einigen Nebenrollen als Elke Sommer heim.

Ihr Talent für Sprachen erleichterte Sommer Anfang der Sechzigerjahre den Sprung nach Hollywood – nachdem sie sich an der Seite von Horst Buchholz („Das Totenschiff“) und Mario Adorf („Der Tag, als der Regen kam“) als Schauspielerin etabliert hatte. In der Traumfabrik war dann vor allem das „Fräuleinwunder“ gefragt: In „Der Preis“ spielt Sommer die schwedische Anstandsdame von Paul Newman, der sie, als neugieriger Literaturnobelpreisträger, in eine Spionageaffäre hineinzieht, in „Ein Schuss im Dunkeln“ verliebt sich Peter Sellers alias Inspektor Clouseau in sie. Oder in ihr blondes Haar.

Elke Sommer gelang, wovon viele träumten

Auf dem Höhepunkt ihres frühen Ruhms pendelte Sommer zwischen ihrer Wahlheimat Beverly Hills, europäischen Ko-Produktionen und Deutschland, wo sie in der Karl-May-Verfilmung „Unter Geiern“ ein internationaler Star unter vielen war. Sie wurde verehrt und beneidet, sie gehörte zu denen, die es aus dem kompromittierten, in jeder Hinsicht eng gewordenen Deutschland herausgeschafft hatten – sie verkörperte das „Wir sind wieder wer“ der Nachkriegszeit. Allerdings fiel Hollywood schon bald nichts Gescheites mehr zu ihr ein. „The Wicked Dreams of Paula Schultz“, eine für sie maßgeschneiderte Ost-West-Komödie, war so erfolglos, dass sie nicht einmal in die deutschen Kinos kam.

Vielleicht verriet der „verruchte Traum“ der Paula Schultz einfach zu viel über die Wirklichkeit der Traumfabrik. Die Titelheldin, eine DDR-Leichtathletin, entzieht sich den Nachstellungen eines ostdeutschen Sportfunktionärs mit einem beherzten Stabhochsprung über die Berliner Mauer – und landet im frauenfeindlichen Kommerz. Die Hälfte ihrer Kleider verliert Sommer im deutsch-deutschen Stacheldraht, den Rest angeln zwei Fischer, die ihr Glück kaum fassen können, aus einem Teich. Als sie sich einen Regenmantel stiehlt, jagt sie die Polizei erst einem Nachtclubbetreiber in die Arme und schließlich der CIA. Bündiger lässt sich kaum beschreiben, was Ost und West verbindet: die Frau als Beute.

Anscheinend akzeptierte Elke Sommer ihr Schicksal als Blondine vom Dienst und spielte in den folgenden Jahrzehnten in unzähligen B-Filmen mit, die ihr ein Leben finanzierten, von dem eine Dolmetscherin nur träumen konnte. In den Siebzigerjahren begann sie zudem, auf die Theaterbühne auszuweichen; in Deutschland trat sie vor allem in Boulevardkomödien auf, teilweise führte sie dabei Regie. Auch als Gaststar im Fernsehen war sie gern gesehen, sei es in der Dean-Martin- oder Muppet-Show. Jetzt ist Elke Sommer in ihrer Wahlheimat Los Angeles gestorben. Sie wurde 85 Jahre alt.