Sie malte metallische Röhren und übersetzte Mathematik in Poesie. Jetzt ist die Kölner Malerin Rune Mields im Alter von 91 Jahren gestorben.
Zum Tod von Rune MieldsWie man mit Primzahlen die Männerwelt erschreckt

Rune Mields in ihrem Kölner Wohnatelier.
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„Kein Tag ohne Linie“, an dieses Motto des antiken Malers Apelles hielt sich Rune Mields bis ins hohe Alter. Auch wenn ihre Kraft für die großen Bilder nicht mehr reichte, blieb der wuchtige Arbeitstisch in ihrer Kölner Atelierwohnung das Zentrum ihres Lebens. „Man muss immer dranbleiben“, sagte sie, und zeichnete mythische Vögel, die eine lediglich aus unterschiedlich langen Balken gebildete Landschaft bevölkern, oder „Haikus“, auf denen sie Versrhythmen in binomische und lateinische Ziffernfolgen übersetzte.
Die Liebe zur Mathematik trug Mields eine Einladung zur Documenta ein
Die Liebe zur Mathematik trug Mields 1976 eine Einladung zur Documenta ein und einen großen Bericht im „Stern“. Beides war damals alles andere als selbstverständlich, denn als sich die vierfache Mutter Mitte der 1960er Jahre dazu entschloss, Malerin zu werden, wurden Frauen in der deutschen Kunstwelt immer noch belächelt. Allerdings gerieten die Männer bei Mields nicht nur wegen ihres maskulin klingenden Vornamens ins Grübeln. Ihre stahlharten frühen Röhrenbilder scherten sich wenig um angebliche weibliche Sensibilität, und dass sie ihre Suche nach den Grundlagen der Malerei zur mathematischen Abstraktion führte, passte noch viel weniger ins Klischee. „Ich hatte nach Ziffernsystemen gesucht, die nicht römisch waren“, erinnerte sie sich, „und stieß auf eines aus China. Das war ungeheuer einfach und zugleich unglaublich einfallsreich. Und so begann ich, Primzahlen in Chinesisch zu malen.“
Nach Köln kam Mields über die Stationen Münster (wo sie aufwuchs) und Aachen (wo sie den kurzlebigen, aber wichtigen Kunstverein Gegenverkehr mitbegründete) und war gleich mitten im Geschehen. 1972 zog sie in eine Wohnung gegenüber des heute legendären Galerienhauses in der Lindenstraße, und blieb ihrer neuen Heimat mehr als ein halbes Jahrhundert treu. „Ich kannte Köln schon aus der Buchhandelsschule“, so Mields. „Seitdem gefiel mir die Stadt, besonders die Mentalität der Leute, und dass es hier nicht so schön ist. Dieses leicht Angeschmuddelte, sowohl im Äußeren wie im Geistigen, hat mir imponiert.“
Anschluss fand sie rasch in Köln. Michael Buthe, Sigmar Polke und C.O. Paeffgen kannte sie noch aus ihrer Aachener Zeit, und sie wagte sich mit einer nonchalanten Selbstverständlichkeit in die angesagten Künstlerkneipen. Allerdings ging der rasante Aufstieg der lokalen Kunstszene an ihr vorbei; Sammler und Kuratoren für die Schönheit der Primzahlen zu begeistern, entpuppte sich als hartes Geschäft.
Zwar wurden Mields Arbeiten vor allem im Rheinland regelmäßig ausgestellt, aber größere Aufmerksamkeit wurde ihr erst wieder in den letzten Jahren zuteil – meist galt diese ihren frühen Großformaten, den schwarz glänzenden Röhrenbildern: Wie frisch aus der Malmaschine gezogen, hängen sie an der Wand, so scharfkantig in ihrem scheinbar banalen Realismus, dass sie schon wieder surreal erscheinen. Am 27. Juni ist Rune Mields in Köln gestorben. Sie wurde 91 Jahre alt.
