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LeserbriefeSchulbau hat in Köln leider keine Priorität

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Es gibt zu wenig Schulneubauten in Köln. Eine Ausnahme bildet das Gymnasium Zusestraße in Köln Lövenich, das im Oktober 2021 Richtfest feierte. 

Hilferuf von 33 Schulleitungen – In einem offenen Brief fordern die Rektorate aller Gymnasien ein Ende des „eklatanten Notstands“ (24.3.)

Wertvolle Zeit für Erweiterung oder Neubau vom Schulamt vergeudet

Um in Köln eine bestehende Schule zu sanieren, zu erweitern oder neu zu bauen, initiiert das Schulentwicklungsamt mit der Schule zunächst einen aufwendigen Workshop, Thema: „Träumen Sie mal Schule“. Wer folgt dieser Aufforderung nicht gern? Das ganze Verfahren dauert leider ein Jahr – Zeit, die wir als Schulgemeinschaft am Hölderlin Gymnasium eigentlich nicht hatten, dafür aber eine ordentliche Überraschung zum Ergebnis: Denn inzwischen wurden alle Traumschul-Daten mit einem amtseigenen Planungsrahmen dekliniert.

Heraus kam neuester pädagogischer Schulbau-Standard, der allerdings mit seinem Flächenhunger das bestehende Grundstück komplett verschluckt. Ein Gutachten sagt: Es geht dennoch – aber das Amt sieht Risiken, winkt ab und drängt auf eine angeblich unvermeidliche Teilung der Schule. Der Streit ist da, ein weiteres Jahr perdu. Die Schule wehrt sich gegen den drohenden Untergang, der Schulausschuss schaltet sich ein, eine Machbarkeitsstudie zum fraglichen Bestandsgrundstück wird beschlossen: 26 Monate rum, noch kein Strich gezeichnet.

Acht Monate später, inzwischen Februar 2022, die Eltern fragen nach dem Stand: Schuldezernent Robert Voigtsberger muss erneut allein die Ausschreibung dieser Studie verneinen, wir schreiben Monat 34. Falls die Studie dieses Jahr noch erscheint, wurden bislang drei volle Jahre verschenkt. Vom Schulentwicklungsamt. Mindestens vier weitere Jahre werden Planung und Bau erfordern. Über 20 Jahre hat unsere Schule dann insgesamt gewartet.Jan Hopmann Köln
Vater am Hölderlin Gymnasium, engagiert in der Neubau AG

Schulbau hat in Köln keine Priorität

Zunächst ist festzuhalten, dass Frau Reker nun seit acht Jahren Oberbürgermeisterin in Köln ist. In diesem gesamten Zeitraum hat die Kölner Stadtschulpflegschaft, deren Vorsitzender ich zwei Jahre war, mehrfach das Gespräch mit ihr gesucht und für mehr Engagement geworben. Doch alle Gespräche haben Köln dem Ziel von mehr Schulplätzen, insbesondere Gesamtschulplätzen, nicht näher gebracht. In diesen Gesprächen verwies die OB immer nur auf die vergangenen Jahre und fehlendes Personal. Die Bitte der Stadtschulpflegschaft um eine Task Force für Schulbau wurde von der OB mehrfach als unnötig abgelehnt.

Auch der Verweis auf vergangene Jahrzehnte verfängt nicht. Noch bis knapp 2010 haben die Prognosen für Köln das heutige Bevölkerungswachstum in dieser Dimension nicht vorhergesehen. Erst seit etwa 15 Jahren ist klar, dass deutlich mehr Schulen benötigt werden. Konstatieren muss man, dass Jahr für Jahr knapp 1000 Plätze an Gesamtschulen fehlen, dass Jahr für Jahr Kinder um ihre Gymnasialplätze bangen. Und konstatieren muss man, dass es der städtischen Gebäudewirtschaft im Jahr 2021 lediglich gelungen ist, eine einzige neue Schule, eine Grundschule, an der Start zu bringen. Es ist bei weitem nicht so, dass der Schulbau für die Oberbürgermeisterin Priorität hat. Lutz Tempel Köln

Warum werden vorhandene Schulbau-Flächen nicht verdichtet?

Zu den nicht einsehbar langen Planungs- und Umsetzungsphasen im Schulbau ist bereits alles und wiederholt gesagt worden. Seit geraumer Zeit wird sinnvoller Weise wieder über die Verdichtung vorhandener Bauflächen diskutiert, weil der Boden nicht vermehrbar ist und der Klimaschutz dies erfordert. Ich frage mich deshalb, warum ein öffentlicher Bauherr wie die Stadt Köln, die doch im Interesse der Bürger sparsam mit öffentlichen Grundstücken umgehen sollte, diesen Aspekt beim Schulbau ausklammert?

Die Grundschulbauten oder -anbauten werden nur zwei-, höchstens dreigeschossig ausgeführt und sind dann beim Bezug schon wieder zu klein. Beispiele in Rodenkirchen sind die Grüngürtelschule und die Gesamtschule. Obwohl viele Grundschulplätze auch in Rodenkirchen fehlen, wurde die Grundschule nur zweigeschossig gebaut. Die riesige Grundfläche hätte man ohne Probleme verdoppeln, wenn nicht verdreifachen können durch vier oder fünf Geschosse. Jetzt muss wieder ein Anbau her, der weitere Fläche verbraucht und viel mehr Geld kostet.

Die Ernst-Moritz-Arndt-Grundschule auf dem Sürther Feld ist sicherlich ein Beispiel für eine gelungene Planung. Die Campus-artige Anlage mit offenen hellen, einladenden Schulgebäuden, die eine große Fläche besetzt, ist wieder nur zwei- bis dreigeschossig und das trotz des riesigen Bedarfs, der durch das große Neubaugebiet entsteht. Diese „schöne“ neue Schule wird sicher viele Schüler anziehen, denen dann wieder aufgrund nicht vorhandener Plätze abgesagt werden muss – eigentlich ohne Not, denn auch hier wären vier bis fünf Geschosse wegen der großen Außenfläche gut vorstellbar.Gisela Nierhoff Köln

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Versagen auf vielen Ebenen

Die Befriedigung des Schulbedarfs in Köln ist kein Zauberwerk. 1000 Kinder, die zwischen Mitte 2015 und Mitte 2016 in Köln geboren wurden, werden im Herbst 2022 an einer Grundschule eingeschult. Oberbürgermeisterin, Schuldezernentin, Amt für Statistik, Schulamt, Gebäudewirtschaft des Kalender- und Verantwortungsjahres 2016 wussten das und hätten sich sechs Jahre lang darauf einrichten müssen: Planen, bauen, umbauen, erweitern. Das geht binnen sechs Jahren.

1000 Kinder, die Mitte 2011 bis Mitte 2012 in Köln geboren wurden, werden im Herbst 2022 einen Platz an einer weiterführenden Schule nachfragen. Auch das geht mit einer Reaktionszeit von zehn Jahren, selbst in Köln. Was wenn nicht die Versorgung mit notwendiger und modern ausgestatteter sozialer Infrastruktur ist sonst Aufgabe jeder selbstständigen Gemeinde? Das Schulrecht des Landes NRW macht da übrigens keinen Unterschied zwischen einer selbstständigen Gemeinde von 20000 Einwohnern und einer selbst ernannten Metropole mit 1,1 Millionen Einwohnern.

Gäbe es einen Verantwortungsschnitt mit Beginn der Amtszeit von Oberbürgermeisterin Reker 2015, wie sie das erklärt, dann liegen bereits seit 2021 alle schlechten, zu kleinen oder weit entfernt liegenden Grundschulen und liegt jede ab 2025 weiterhin ausgeloste oder sonst wie bedrängte Schulkarriere an einer weiterführenden Schule in ihrer persönlichen Verantwortung. Das ist ein schweres Los. Und wo waren in den 40 Jahren, in denen die vorhandene und neu hinzugekommene Schulbausubstanz nicht ordentlich gepflegt wurde, die Damen und Herren des Rates der Stadt Köln?Peter Gottwald Köln

Von der Stadt nur Versprechungen und heiße Luft

Ich spreche als langjähriges Mitglied und Vorsitzender der Schulpflegschaft der Willy-Brandt-Gesamtschule in Höhenhaus aus leidvoller Erfahrung. Über viele Jahre Sitzungen mit den entsprechenden Gremien – und von Seiten der Stadt immer nur Versprechungen und heiße Luft. Jetzt die Bildung einer eigenen Gesellschaft zum Schulbau als Lösung zu propagieren, hat schon fast Comedy-Charakter. Diese Lösung wurde schon vor Jahren diskutiert, aber immer wieder verworfen.

Die Stadt kennt die Geburtenzahlen und weiß daher, wie viele Kinder in drei Jahren in die Kita und in sechs Jahren in die Grundschule kommen. Und wer bei Mathe nur ein wenig aufgepasst hat, kann sogar die Zahlen der benötigten Plätze für die weiterführenden Schule ausrechnen. Aber selbst ein Vorlauf von zehn Jahren reicht unserer Stadtverwaltung nicht aus, um notwendige Kita- und Schulplätze zu schaffen. Traurig aber wahr, denn he hätt et nit jot jejange.Hubert Hansen Köln

Probleme durch falsche Prioritäten?

Die Schulleiter und -leiterinnen beklagen sich zurecht über das fehlende Engagement der Stadt, wenn es um den Neu- und Ausbau der weiterführenden Schulen in Köln geht. Hilflos den Mangel verwalten – ganz schön dramatisch stellt sich das jährliche Ummelde-Verfahren dar. Der „Run“ auf Gymnasien ist groß, alle Eltern wollen ihr Kind in diese Schulform bringen. Aber wir sollten uns fragen: Ist unser dreigliedriges Schulsystem überhaupt noch zeitgemäß? Die deutschen Länder und der Bund wollen sich davon nicht trennen.

Dabei zeigen andere europäische Länder schon viele Jahre, dass gemeinsames Lernen effektiver für Lernende und Lehrende ist. Die Pisa-Studie bestätigt es immer wieder. Und die Gesamtschulen bei uns machen es schon seit 50 Jahre erfolgreich vor. Allerdings muss bisher auch hier die Hürde in die fünfte Klasse genommen werden. Würde diese Hürde wegfallen und alle Kinder bis zu ihrem adäquaten Lernziel in der Schule bleiben, gäbe es kein Losverfahren und die Verteilung von Schulbauten und/oder deren Ausbau wären sicher auch einfacher realisierbar. Aber das Wichtigste: Die Kinder könnten sicher und gemeinsam ihren Schulausbildungsweg gehen.Ruth Hubbertz Köln