Forscher lassen die Arktis künstlich wachsen. Ein Experiment macht Hoffnung, doch „Geo-Engineering“ bleibt umstritten.
Unterwasser-Drohnen im EinsatzForscher starten kühnes Arktis-Experiment, um das Eis zu retten

Das Dorf Kapisillit in der grönländischen Arktis von oben gesehen. (Symbolbild)
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Das Eis der Arktis schmilzt im Rekordtempo – mit dramatischen Folgen für das globale Klima und die Menschen vor Ort. Nun weckt ein ungewöhnliches Experiment eines britisch-kanadischen Forschungsteams neue Hoffnung. Bei Cambridge Bay in Kanada ist es Forschern laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung im Winter gelungen, die schwindende Eisdecke künstlich zu verdicken.
Das Prinzip hinter dem Projekt der Firma Real Ice klingt simpel, aber effektiv: Bei Außentemperaturen von minus 40 Grad Celsius pumpte das Team rund 50.000 Tonnen Meerwasser an die Oberfläche. Das Wasser fror auf dem Eis sofort fest. Das Ergebnis: Die bestehende, anderthalb Meter dicke Eisdecke wurde um rund 50 Zentimeter verstärkt.
Satellitenbilder zeigen den Erfolg des Experiments. Während das umliegende Eis im Sommer taut, bleibt die präparierte Testfläche vorerst als stabile, weiße Insel bestehen. Andrea Ceccolini von Real Ice zeigte sich gegenüber dem „Guardian“ begeistert: „Das ist wirklich unglaublich.“
Die Arktis schmilzt: Ein Wettlauf gegen die Zeit
Für die Arktis zählt jedes Jahr. In den vergangenen 45 Jahren ist die sommerliche Eisfläche um rund 40 Prozent geschrumpft. Experten befürchten, dass das Sommer-Eis bereits in den 2030er-Jahren komplett verschwunden sein könnte.
Besonders die indigene Bevölkerung trifft die Schmelze hart. In der Testregion sind etwa 83 Prozent der Einwohner Inuit. Für sie verändern sich die Lebensgrundlagen rasant. Das Eis wird für den Transport, den Fischfang und die Jagd dringend benötigt. Lokale Beobachter berichten, dass das Eis im Winter immer später friert und im Frühjahr deutlich schneller wegbricht.
Unterwasser-Drohnen und die Kritik am „Geo-Engineering“
Um das Verfahren in Zukunft großflächig anzuwenden, plant Real Ice den Einsatz von autonomen Unterwasser-Drohnen. Ein erster Prototyp wurde bereits in Finnland erfolgreich getestet. Die Technik soll das Eis ohne menschliches Risiko aus der Tiefe heraus verstärken.

Die Arktis in Russland. (Symbolbild)
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Trotz der ersten Erfolge ist das Projekt umstritten. Kritiker sehen in solchen Maßnahmen des sogenannten „Geo-Engineering“ – dem gezielten technischen Eingriff in das Klimasystem – erhebliche Risiken. Es bestehe die Gefahr, dass solche Technologien von der eigentlich notwendigen Senkung der weltweiten CO2-Emissionen ablenken.
Wissenschaftler wie Professor Shaun Fitzgerald von der University of Cambridge plädieren dennoch für eine Fortsetzung der Forschung. Auch Projektleiter Ceccolini betont, dass nun die nächsten zentralen Fragen geklärt werden müssen: Wie effektiv ist die Methode auf großer Fläche, welche unerwünschten Nebenwirkungen gibt es auf das Ökosystem und ist das Verfahren wirtschaftlich überhaupt skalierbar? (jag)
