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Proteste auch in BelgienBlockierte Schulen in Frankreich – Polizei setzt Wasserwerfer und Granaten ein

3 min
Demonstrierende versammeln sich in der Nähe der Place Bellecour im Rahmen einer landesweiten Protestbewegung gegen die Lernbedingungen in Lyon.

Demonstrierende versammeln sich in der Nähe der Place Bellecour im Rahmen einer landesweiten Protestbewegung gegen die Lernbedingungen in Lyon.

In Frankreich weiten sich die Schulproteste aus. Schüler, Eltern und Gewerkschaften fordern bessere Bedingungen, während die Gewalt zunimmt.

Frankreich erlebt eine wachsende Protestwelle an Schulen und Universitäten. Zum landesweiten Aktionstag (6. Oktober) haben Schülerinnen und Schüler zahlreiche Gymnasien blockiert, auch an einigen Hochschulen begannen Protestaktionen. Gefordert werden unter anderem eine bessere Ausstattung der Schulen und bessere Lernbedingungen. Erstmals beteiligen sich auch Gewerkschaften an den Protesten, ebenso Lehrkräfte und Eltern.

In Paris werden zu einer Demonstration 20.000 bis 40.000 Menschen erwartet. Auch in Lyon, Lille, Marseille, Toulouse, Bordeaux, Rennes und Straßburg sind Versammlungen geplant. Gleichzeitig wächst die Kritik am Vorgehen der Polizei. Vor allem der Einsatz gegen die überwiegend jungen Demonstrierenden sorgt für Empörung.

Polizei setzt Granaten und Gummigeschosse ein

Innenminister Laurent Nuñez verteidigte den Einsatz von Granaten und Gummigeschossen. Wenn es zu Ausschreitungen komme, sei der Einsatz dieser Waffen „verhältnismäßig“, sagte er dem Sender France Inter. Von polizeilicher Repression könne keine Rede sein.

Studierende mit einem großen roten Transparent mit der Aufschrift „Polizisten, Feinde des Volkes“ marschieren in Rennes im Westen Frankreichs bei einer Demonstration gegen unterfinanzierte Schulen.

Studierende mit einem großen roten Transparent mit der Aufschrift „Polizisten, Feinde des Volkes“ marschieren in Rennes im Westen Frankreichs bei einer Demonstration gegen unterfinanzierte Schulen.

Die Zahlen der Behörden zeigen zugleich das Ausmaß des Einsatzes: Nach Angaben des Justizministeriums wurden seit Beginn der Proteste vor einer Woche 5060 Menschen festgenommen, 87 Prozent von ihnen waren minderjährig. Gegen 1802 Menschen wurden Ermittlungen eingeleitet. Schäden an Schulgebäuden und im öffentlichen Raum gehen nach Angaben von Justizminister Gérald Darmanin in die Millionen. Wo möglich, sollen Eltern für Schäden ihrer minderjährigen Kinder aufkommen.

15-Jähriger verliert Hand durch Polizeigranate

Besonders erschüttert hat Frankreich der Fall eines 15-jährigen Gymnasiasten in Lens im Norden des Landes. Dem Jugendlichen wurde durch eine von der Polizei abgefeuerte Granate eine Hand abgerissen. Nach Angaben eines französischen Senders handelte es sich um eine Blendgranate. Die Generalinspektion der Polizei ermittelt gegen die eingesetzte Bereitschaftspolizei.

Frankreich, Rennes: Die Bereitschaftspolizei setzt Wasserwerfer ein, als sie bei einer Demonstration gegen unterfinanzierte Schulen in Rennes im Westen Frankreichs auf Schüler trifft.

Die Bereitschaftspolizei setzt Wasserwerfer ein, als sie bei einer Demonstration gegen unterfinanzierte Schulen in Rennes im Westen Frankreichs auf Schüler trifft.

Der Fall dürfte die Debatte über das Vorgehen der Sicherheitskräfte weiter verschärfen. Amnesty International bezeichnete den Polizeieinsatz gegen die Schüler als unverhältnismäßig und forderte eine Deeskalation.

Ausschreitungen bei Schülerprotesten kurz vor der Wahl

Gleichzeitig sind die Proteste selbst zunehmend von Gewalt geprägt. Lehrer wurden angegriffen, Polizisten verletzt, Mülltonnen und Fahrzeuge angezündet. In Paris wurde versucht, ein Gymnasium in Brand zu setzen. In Nancy meldete die Polizei Brandstiftungen sowie Angriffe mit Feuerwerkskörpern und Molotowcocktails.

Die Regierung steht damit vor einer schwierigen Situation. Die Proteste treffen Frankreich sieben Monate vor der Präsidentschaftswahl und drohen sich auf weitere gesellschaftliche Bereiche auszudehnen. Der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon warf der Polizei Machtmissbrauch vor und verwies auf die hohe Zahl der Festnahmen.

Auch Belgien erlebt Schulproteste – 15 verletzte Kinder

Die Protestwelle macht nicht an der französischen Grenze Halt. Im französischsprachigen Teil Belgiens gibt es ebenfalls Demonstrationen für bessere Schulen und Lernbedingungen.

Demonstrierende versammeln sich am 6. Oktober 2026 in Lüttich bei einem Protest gegen Bildungsreformen und Haushaltskürzungen.

Demonstrierende versammeln sich am 6. Oktober 2026 in Lüttich bei einem Protest gegen Bildungsreformen und Haushaltskürzungen.

In Lüttich wurden nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga 22 Polizisten leicht verletzt. Demonstrierende warfen demnach Steine und Feuerwerkskörper. Es kam zu Straßenblockaden, kleineren Bränden und beschädigten Fenstern. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein.

In Hannuit wurden während eines Schulprotests zudem 15 Grundschulkinder durch Feuerwerkskörper leicht verletzt. Ein Jugendlicher wurde festgenommen. Rund 250 Menschen zogen dort durch die Straßen und protestierten unter anderem für bessere Schulgebäude, bessere Lernbedingungen und angepasste Unterrichtszeiten. (dpa/sbo)