Der Gemeinderat des Schweizer Skiorts Crans-Montana hat erhebliche Versäumnisse beim Brandschutz eingeräumt.
Crans-MontanaGemeinderat räumt erhebliche Versäumnisse beim Brandschutz ein

Blumen liegen vor der Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana.
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Die Liste der Versäumnisse ist lang: Die Bar „Le Constellation“ im Schweizer Skiort Crans-Montana, Schauplatz der verheerenden Brandkatastrophe vom Neujahrsmorgen wurde in den letzten fünf Jahren nicht mehr kontrolliert – vorgeschrieben sind aber jährliche Überprüfungen des Brandschutzes. Zuvor gab es zwar drei Kontrollen, doch weder 2016 noch 2018 oder 2019 wurde das an der Decke der Kellerbar angebrachte Dämmmaterial – mutmaßlich nahm hier der Brand seinen Ausgang – von den Inspektoren der Gemeinde beanstandet. Und auch bei der ursprünglichen Betriebsbewilligung der Bar im Jahr 2015 war die Schaumstoffdämmung bereits vorhanden, wurde aber nicht moniert.
Versäumnisse mit dramatischen Folgen, wie Nicolas Féraud, Gemeindepräsident von Crans-Montana, am Dienstag bei einer Pressekonferenz einräumte. „Wir bedauern das zutiefst“, so der sichtlich mitgenommene Gemeindepräsident. „Wir wussten nicht, dass die Kontrollen nicht so durchgeführt wurden, wie es hätte sein sollen.“Dabei sind in keinem anderen Schweizer Kanton die Brandschutz-Kontrollen so strikt geregelt wie im Wallis. Öffentlich zugängliche Einrichtungen müssen dort jährlich kontrolliert werden.
Notausgänge seien regelmäßig abgeschlossen gewesen
Ob es genügend Notausgänge in der Bar gab, ist ebenfalls unklar. Nach den Angaben des Gemeindepräsidenten habe es zwar die erforderliche Zahl von zwei Ausgängen für die zugelassene Kapazität der Bar von maximal 200 Personen gegeben. Nach Zeugenaussagen waren jedoch regelmäßig bis zu doppelt so viele Gäste in der Bar – so auch in der Neujahrsnacht. Zudem sei einer der Notausgänge regelmäßig abgeschlossen gewesen, sagten ehemalige Mitarbeiter dem Schweizer Fernsehen.
Das Drama von Crans-Montana, bei dem 40 zumeist junge Menschen starben und insgesamt 116 zumeist schwer verletzt wurden, bleibt weiterhin das alles beherrschende Thema nicht nur im Wallis, sondern in der gesamten Schweiz. Die Pressekonferenz des Gemeinderats wurde live im Fernsehen übertragen, zahllose Sondersendungen befassen sich seit Neujahr mit dem Thema.
Gefahr wohl seit Jahren bekannt
Den Ermittlungen zufolge wurde das Feuer in der Kellerbar offenbar durch auf Sektflaschen aufgesteckte Feuerwerksfontänen ausgelöst, die die Schaumstoffdämmung der Decke in Brand setzten. Möglicherweise wussten die Betreiber der Bar schon seit Jahren, dass die Decke ein potenzieller Gefahrenherd ist: Ein am Montagabend vom Schweizer Sender RTS veröffentlichtes Video aus der Silvesternacht 2019/2020 belegt, dass die Gefahr offenbar bereits seit Jahren bekannt war: „Passt auf den Schaumstoff auf!“, warnt dort ein Kellner, während Menschen ebenfalls Flaschen mit Feuerwerksfontänen hochhalten.
Nach Angaben der französischen Zeitung „Le Parisien“ soll der Barbetreiber zudem 2018 in Frankreich wegen Anstiftung zur Prostitution verurteilt worden sein.

