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Experten weiterhin besorgtBefreiter Wal schwimmt in Ostsee – Beobachtung abgebrochen

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Der gestrandete Wal vor Timmendorfer Strand schwimmt wieder in der Ostsee-Bucht. Helfer versuchen, ihn auf Kurs zu halten.

Nach der überraschenden Rettung des Wals vor Timmendorfer Strand machen sich Experten weiter Sorgen um den Meeressäuger. Das Tier schwamm am Freitagnachmittag aus der Lübecker Bucht in Richtung Mecklenburg, allerdings in Küstennähe. Es sei vor Warnkenhagen (Nordwestmecklenburg) gesehen worden, sagte eine Sprecherin von Sea Shepherd. Mitglieder der Meeresschutzorganisation sowie von Greenpeace begleiteten das Tier mit Schlauchbooten. Nach mehreren Stunden beendeten sie die Beobachtung.

Die Umweltschützer und Einsatzkräfte der Wasserschutzpolizei wollen am Samstag wieder rausfahren, wie eine Greenpeace-Sprecherin sagte. Voraussetzung sei, dass man die Position des Wals ausmachen könne. Sie bat die Bevölkerung mitzuhelfen, indem Walsichtungen gemeldet oder in den sozialen Medien gepostet werden.

Zickzack-Kurs vor mecklenburgischer Küste

Am Freitagnachmittag schwamm der Buckelwal im Zickzack vor der mecklenburgischen Küste, wie die Sprecherin sagte. Nach den Worten des Biologen Robert Marc Lehmann kommt es darauf an, dass das Tier im offenen Wasser bleibe und möglichst in die Nordsee schwimme. Noch sei der Wal nicht in Sicherheit. Seine Befreiung von der Sandbank sei bisher nicht seine Rettung, sondern nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Zu Hause sei er erst im Atlantik.

Nach tagelangen Bemühungen zahlreicher Helfer hatte sich das Tier in der Nacht selbst von einer Sandbank vor Timmendorfer Strand durch eine per Bagger ausgegrabene Rinne freigeschwommen. Der Buckelwal war am Montagmorgen auf der Sandbank entdeckt worden.

Am Freitag sei er zeitweilig wieder auf dem Weg ins flachere Wasser gewesen, sagte ein Sprecher von Sea Shepherd. Mit den Schlauchbooten hätten die Organisationen eine Art Blockade hergestellt, damit er nicht wieder ins Flachwasser gerate. Man versuche, ihn irgendwie weiter in tieferes Wasser der Ostsee zu geleiten. Die Helfer hätten auch verhindert, dass der Wal in Stellnetze gerate, sagte die Meeresexpertin von Greenpeace, Daniela von Schaper.

Zu den Chancen des Wals sagte Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW), es gebe immer mal wieder Großwale in der Ostsee, die dort Wochen waren und auch den Weg in die salzreichere Nordsee zurückgefunden hätten. Technisch lässt sich der Kurs des Meeressäugers nicht verfolgen. An dem Tier sei kein Sender angebracht worden, da die Haut zu sehr erkrankt sei, erklärte Groß.

Rettung kostete bislang 40.000 Euro

Die vorläufige Rettung in Timmendorfer Strand löste bei allen Beteiligten große Freude aus. „Ich bin unglaublich erleichtert und sehr, sehr froh und zufrieden, wie der Einsatz abgelaufen ist“, sagte Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke. Er lobte die Zusammenarbeit von Feuerwehr, Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Rettungsdiensten und Experten.

Auch Schleswig-Holstein Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) drückte laut WDR seine Freude über die Rettung aus und dankte den Helfern vor Ort. Die bisherigen Kosten der Rettungsaktion schätzte der Bürgermeister auf 40.000 Euro. Das Land Schleswig-Holstein werde sich an den Kosten beteiligen.

Bürgermeister: Gute Nachricht für ganz Deutschland

Das Schicksal des Wals hatte ganz Deutschland und auch das Ausland bewegt. Viele Menschen hatten die Rettungsaktion aus der Ferne vom Strand beobachtet und bei jedem Schritt mitgefiebert. Partheil-Böhnke sagte zu der Anteilnahme und dem erst mal guten Ausgang: „Das, glaube ich, brauchen wir alle nach den schrecklichen Nachrichten der letzten Monate, nach Kriegen und Krisen. Das ist das eine gute Nachricht und alleine, das ist schon ein Grund, sich zu freuen.“

In einem Instagram-Video, auf dem Lehmann an Bord eines Schiffes zu sehen war, sagte der Biologe, der Großwal mache „Sperenzchen – Zickzack hin und her“. Man versuche, das völlig erschöpfte Tier in Richtung Fehmarn und an der Küste bei Neustadt vorbeizumanövrieren. Das Ziel sei Dänemark. Dafür stehe man auch schon in Kontakt mit den dortigen Polizeibehörden und Einsatzkräften. Am späten Nachmittag hielt sich das Tier allerdings weiter vor der Küste nördlich von Boltenhagen (Nordwestmecklenburg) auf.

Wal kämpfte sich durch gegrabene Rinne

Tagelang hatten Helfer versucht, das Tier zu befreien. Am Dienstag war ein Rettungsversuch mit einem kleinen Saugbagger gescheitert. Am Donnerstag wurde mit einem Schwimmbagger eine Rinne ausgehoben. Biologe Lehmann stand dabei im Neoprenanzug neben dem Wal und versuchte, ihn zu beruhigen. Auch konnte er dem Baggerführer zeigen, wie weit oder nah seine Schaufel an den Wal herankam.

27.03.2026, Schleswig-Holstein, Timmendorfer Strand: Ein Buckelwal schwimmt begleitet von Schlauchbooten in der Ostsee. Der in der Ostsee vor Niendorf gestrandete Wal hatte sich in der Nacht zuvor befreit. Das Tier schwimmt nun wieder in der Ostsee und wird von Schiffen der Küstenwache und Polizeibooten begleitet. (zu dpa: «Befreiter Wal schwimmt in Ostsee - Beobachtung abgebrochen») Foto: Marcus Brandt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Buckelwal schwimmt begleitet von Schlauchbooten in der Ostsee. Der in der Ostsee vor Niendorf gestrandete Wal hatte sich in der Nacht zuvor befreit.

Am Donnerstagabend hatten die Helfer versucht, den Wal mit Lärm zu animieren – durch Hupen, Trommeln oder Rufen. Auch das Tier selbst gab immer wieder ein lautes Brummen von sich. Am Ende hätten nur noch wenige Meter bis ins tiefere Wasser gefehlt, sagte Bürgermeister Partheil-Böhnke, als die Aktion wegen der Dunkelheit abgebrochen wurde. Am Freitagmorgen hatte es der Wal dann aber geschafft und sich befreit.

Nicht heimisch in der Ostsee

Warum der Wal vor Timmendorfer Strand aufgetaucht war, ist bislang unklar. Forscherin Stephanie Groß hatte gesagt, vielleicht sei das Tier krank oder verletzt, vielleicht auch nur erschöpft gewesen. Es könne aber auch sein, dass der Wal einfach durch einen unglücklichen Zufall in diesem Flachwasserbereich gelandet sei.

Nach Angaben von Sea Shepherd handelt es sich bei dem Tier wahrscheinlich um den Wal, der zuvor bereits mehrfach vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gesichtet worden war und Anfang März durch sein Auftauchen im Hafen von Wismar Aufsehen erregt hatte.

Großwale wie Buckelwale sind in der Ostsee nicht heimisch. Sie könnten demnach auf der Suche nach Nahrung Fischschwärmen folgen und in der Ostsee landen. Auch Unterwasserlärm könnte laut Experten eine Rolle spielen. (dpa)