Kölner Stadt-Anzeiger · Community

Kommentare · 0

Abo

„Da war überall Blut“19-Jähriger aus der Eifel soll auf den Kapverden Vater erstochen haben

Ein Ermittler schildert den Fund dreier Leichen in einer Ferienwohnung. Die Tatwaffe ist bislang nicht gefunden worden.

Anwalt Völker kündigt für später eine Erklärung zur Sache an.

Anwalt Völker kündigt für später eine Erklärung zur Sache an.

Im Prozess um ein dreifaches Tötungsdelikt auf den Kapverden, das sich kurz vor Weihnachten 2025 ereignete, hat ein Ermittler vor Ort den Fund dreier Leichen in einer Ferienwohnung geschildert. Per Videoschalte in den Gerichtssaal des Landgerichts Trier sagte der Chefinspekteur der Kriminalpolizei aus Mindelo auf der Insel São Vicente: „Da war überall Blut“.

In der Unterkunft hätten er und seine Kollegen einen Mann und zwei Frauen tot aufgefunden. Sämtliche drei wiesen zahlreiche Stichverletzungen am ganzen Körper auf. „In meiner 20-jährigen Laufbahn habe noch nie eine so grausame Situation erlebt“, so der Beamte laut Übersetzer.

Tötungsdelikt auf den Kapverden: 19-Jähriger vor dem Landgericht Trier

Als Täter kommt ein 19-Jähriger aus der Eifel infrage, der sich derzeit vor dem Landgericht Trier wegen Mordes und Totschlags verantworten muss. Laut Anklage soll er während des gemeinsamen Weihnachtsurlaubs auf den Kapverden seinen Vater, dessen Partnerin und deren Tochter erstochen haben.

Der 58-jährige Vater wohnte laut Staatsanwaltschaft Trier im Raum Aachen, die beiden Frauen im Alter von 20 und 45 Jahren in Berlin. Der Angeklagte ist Deutscher und stammt aus einer früheren Ehe des Vaters.

Tatwaffe womöglich im Meer entsorgt

Die Tatwaffe ist bislang nicht gefunden worden, berichtete der Chefinspekteur. Ein Fischer habe beobachtet, wie jemand am Strand etwas ins Meer warf. Bei einem Tauchgang fand man zwar nicht das vermutete Messer, dafür aber das Handy des getöteten Vaters am Meeresgrund.

Den Fischer habe, so ein weiterer Ermittler, ein Mann mit blutverschmierter Kleidung und verwirrtem Auftreten aufgefallen. Anschließend sei dieser am Fischmarkt in ein Taxi gestiegen und davongefahren.

Zum mutmaßlichen Motiv konnte der Ermittler wenig sagen. „Es gab gewisse Unstimmigkeiten in der Familie“, sagte er lediglich.

Zuletzt hatte der Angeklagte im Kreis Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz gelebt, weshalb er in den Zuständigkeitsbereich der Staatsanwaltschaft Trier fiel.

Ferienwohnung bis 29. Dezember gebucht

Knapp eine Woche vor der Tat waren die vier auf die kapverdischen Inseln vor der westafrikanischen Küste gereist. Ursprünglich wollten sie bis zum 29. Dezember bleiben.

Die Tat soll sich am 23. Dezember 2025 in einer Ferienwohnung in Mindelo ereignet haben. Laut Anklage attackierte der 19-Jährige zuerst die Tochter, die schlafend im Bett lag und sich nicht wehren konnte. Deshalb wird ihm hier Mord zur Last gelegt.

Opfer laut Ermittler von Tat überrascht

Anschließend soll der 19-Jährige auf Vater und Partnerin losgegangen sein. Im Handgemenge habe er ihnen „eine Vielzahl von Stich- und Schnittwunden“ zugefügt; dafür ist Totschlag angeklagt. Alle drei starben an den Folgen von Halsverletzungen.

Nach Einschätzung des Chefinspekteurs wurden die Opfer von der Tat „völlig überrascht“. Die Toten lagen weitgehend unbekleidet auf dem Rücken. „Der Täter hat es genau geplant, den Tatort mit so vielen Blutflecken zu verlassen“, sagte er.

Nach der mutmaßlichen Tat floh der 19-Jährige nach Lissabon, der Hauptstadt Portugals. Dort wurde er am ersten Weihnachtstag aufgrund eines Haftbefehls der Staatsanwaltschaft Trier festgenommen. Mitte Januar wurde er nach Deutschland ausgeliefert.

Taxifahrer brachte Tatverdächtigen zur Apotheke

Ein weiterer Ermittler berichtete, der Taxifahrer habe den Verdächtigen auf dem Weg zum Flughafen zu einer Apotheke gefahren. Dort deckte er sich mit Pflastern und Mullbinden ein. Danach wechselte er seine blutverschmierte Kleidung und wusch sich.

Am Flughafen entsorgte er die Kleidung im Gebüsch. Der Taxifahrer sagte, er habe sich von seinem Fahrgast nicht bedroht gefühlt, da dieser ruhig gewirkt habe.

Verhandelt wird vor der Jugendkammer des Landgerichts Trier, weil der Angeklagte zur Tatzeit als Heranwachsender 19 Jahre alt war. Der Prozess wird am 11. November fortgesetzt und ist vorläufig bis zum 2. Dezember angesetzt. (dpa/red)