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Lieblingstouren in der EifelRheinbacher schreibt Gravelbike-Führer für Touren in der Eifel

Der Rheinbacher Jan Holbeck stellt in seinem neuen Tourenführer 16 Gravelbike-Routen zwischen 32 und 163 Kilometern vor – fast jede mit Einkehr unterwegs.

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Eine Route führt durchs Siebengebirge mit Blick auf die Bonner Bucht.

Wenn Jan Holbeck mit dem Gravelbike durch das Siebengebirge, das Ahrtal oder die Eifel rollt, ist eine Tour für ihn erst dann wirklich gelungen, wenn er irgendwo an einem Tisch sitzt, mit einem Kaffee-Crema vor sich und möglichst noch einem Stück Kuchen oder einer Waffel dazu. „Du kommst sportlich in Wallung, aber der Genuss kommt auch nicht zu kurz“, sagt der 45-Jährige.

Neuer Tourenführer mit 16 Routen und Einkehr

Genau dieses Prinzip aus Anstrengung und Belohnung hat Holbeck zum Konzept seines zweiten Buches gemacht. Der Tourenführer erscheint Mitte des Monats im Selbstverlag und versammelt 16 Routen durch die Region. Die Strecken reichen von 32 bis 163 Kilometern.

„Die Intention hinter dem Buch ist, Touren unterschiedlicher Länge und unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades anzubieten“, erklärt Holbeck. Doch eines haben fast alle gemeinsam: Jede Route bietet eine Einkehrmöglichkeit, etwa auf halber Strecke. Nur bei den kürzesten Touren verzichtet er darauf.

Gravelbike für „ruppige“ Touren gut geeignet

Es ist nicht das erste Buch des Rheinbachers. 2024 veröffentlichte er bereits einen Mountainbike-Tourenführer. Weil er selbst zunehmend dem Gravelbike zugetan ist, trennt er die beiden Radwelten in seinen Büchern konsequent. Das Gravelbike, erklärt er, lasse sich am ehesten so beschreiben: „Für jemanden ohne große Radkenntnisse sieht es optisch aus wie ein Rennrad – aber nur fürs Gelände.“ Im Vergleich zum klassischen Rennrad ist es stabiler gebaut, hat breitere Reifen mit Profil, die Sitzposition ist anders, und auch unbefestigte Wege sind Teil seines Einsatzbereichs.

Bei seinen Touren „kann es auch mal ruppig werden“, so Holbeck. „Beim Untergrund ist von feinem Schotter, über grobe Steine und Wurzeln alles dabei.“ Klassische Rennräder seien dafür nicht geeignet. Mit Mountainbikes oder E-Bikes ließen sich die Routen dagegen ebenfalls fahren.

Wer mit viel Gepäck zu einer längeren Bikepacking-Tour aufbricht, sollte den Untergrund besonders im Blick behalten. Bei Strecken mit groben Trail-Abschnitten empfiehlt Holbeck eher ein Mountainbike. „Die ganz hart gesottenen Bikepacker würden das auch mit dem Gravelbike fahren, die würden halt an den Stellen dann schieben“, sagt er. Zugleich gebe es einfachere Touren, deren Untergrund bewusst so gewählt sei, dass sie mit dem Gravelbike gut und ohne größere Schwierigkeiten zu bewältigen sind.

GPX-Download und Beispielstrecke per QR-Code

Die Touren können als GPX-Track heruntergeladen und auf ein GPS-Gerät oder auch auf ein Smartphone geladen werden. Für eine Route arbeitet Holbeck außerdem mit der Plattform „Cellco“ zusammen. Interessierte können dort über einen QR-Code eine Beispielstrecke abrufen, ohne sich dafür registrieren zu müssen.

Von der Alpenüberquerung zur Grenzerfahrung

Holbecks Leidenschaft fürs Radfahren begann mit 18 Jahren, als er ein Mountainbike geschenkt bekam. Einen festen Trainingsplan habe er nie verfolgt, erzählt er. Stattdessen sei er durchs Fahren nach und nach an längere Strecken herangegangen und habe seine Grenzen verschoben: „Wie viele Kilometer schaffe ich heute? Jetzt habe ich schon 30 geschafft. Oh, jetzt habe ich sogar schon 40 bewältigt.“ So gehe das immer weiter.

Seine erste echte Grenzerfahrung machte Holbeck mit knapp über 30 Jahren bei zwei Alpenüberquerungen mit dem Mountainbike. Eine Tour absolvierte er geführt, die zweite organisierte er gemeinsam mit einem Freund. „Wir haben uns ein Buch gekauft, die Route war so vorgegeben und auch die Tipps zu den besten Zielen. Aber alles Drumherum haben wir uns damals selbst organisiert.“

Die Etappen waren zwischen 70 und 100 Kilometern lang. Die Herausforderung lag nicht nur in der Strecke selbst, sondern auch in den ständig sich wandelnden Wetterextremen. „Man beobachtet natürlich das Wetter und kann sich auf der anderen Seite überhaupt nicht drauf verlassen, weil es ja jederzeit umschlagen kann“, sagt Holbeck.

Bei langen Touren ist Planung das A und O

Bei begrenztem Platz müsse man zudem überlegen, welche Dinge wirklich wichtig sind – und vor allem ausreichend Verpflegung und Getränke einpacken. Entscheidend sei gewesen, unterwegs nicht in eine Notsituation zu geraten. Holbeck erinnert sich an die Frage, ob die nächste Einkehr noch weit entfernt ist und ob der eigene Vorrat bis dahin reicht: „Also, dass man nicht Gefahr läuft und einem unterwegs der Proviant und vor allem das Wasser ausgeht. Und dann brennt in einem der Gedanke: Hier kommt jetzt weit und breit keine Alm mehr, und ich habe Durst und meine Flasche ist leer.“

Ultra-Rennen mit Fokus auf das Erlebnis

Seit den Alpenüberquerungen hat Holbeck weitere lange Touren unternommen, immer wieder auch Mehrtagestouren. Außerdem nimmt er an Ultradistanz-Wettbewerben wie der „Hardennes Gravel Tour“ teil. Das Ultra-Schotterrennen führt quer durch die Ardennen. Seine Motivation ist dabei nicht in erster Linie der Wettkampf. „Für mich steht da eher das Erlebnis im Mittelpunkt. Die Natur auf sich wirken lassen, Eindrücke sammeln, das steht bei mir im Fokus, gar nicht so sehr, jetzt unbedingt Erster werden zu wollen.“

Die Region vor der Haustür als Revier

Neben seinem Job im öffentlichen Dienst sieht Holbecks Alltag mit großen Mehrtagestouren heute anders aus als früher. Statt für jede Reise weit wegzufahren, nutzt er die Region für kürzere und längere Ausflüge mit dem Rad. „Was ich irgendwie mehr entwickelt habe, ist tatsächlich, dass man die Haustür zuzieht und in die Eifel fährt, und dann ist man halt zwei Tage weg oder fünf, sowas hat einen ganz anderen Reiz“, sagt er. Die Planung beginnt oft schon im Winter. Holbeck setzt zunächst einen Startpunkt und richtet die Route auf das aus, was er unterwegs erleben möchte: „Ich beginne etwa in Gemünd, weil ich mal um den Rursee fahren will, und dann baue ich mir diese Route so zusammen.“

Die Idee für den neuen Tourenführer entstand aus einer Lücke, die Holbeck bei seinen eigenen Ausflügen immer wieder wahrnahm. „Wir haben hier ein wunderbares, wundervolles Gebiet vor der Haustür liegen, und dafür gibt es einfach quasi gar nichts.“ Zudem sei die Region sehr vielfältig. Im Ahrtal sei man „eher mediterran unterwegs“; zugleich ist dies sein Heimrevier: Holbeck wohnt in Rheinbach.

Nicht nur bekannte Aussichtspunkte, sondern auch kleine, leicht zu übersehende Orte sind das, wonach Holbeck bei seinen Ausflügen sucht. „Mich reizen besonders Wege, die an kleinen Bächen oder Flüssen entlang führen.“ Manchmal wartet am Wegesrand eine Überraschung, die sich nicht aus der Planung allein ergibt: „Du kommst da hoch und denkst: Cool, da ist ja ein Turm, den habe ich vorher noch nie so wahrgenommen – solche Erlebnisse sind einfach unbezahlbar.“

Lieblingstouren an der Ahr und in der Eifel

Zu den Lieblingstouren in seinem Buch gehört „Keulers Kaffeeklatsch“, verrät der 45‑Jährige. Sie führt zum Landgasthof Keuler in Insul, den Holbeck als familiengeführtes Restaurant schätzt. „Die machen spitzenmäßige Kuchen“, schwärmt er. Auch für Leserinnen und Leser aus Bonn und dem Siebengebirge hat Holbeck Routen entworfen. „Bonner Ausblick“ führt hinauf zum Ölberg und belohnt die Fahrt mit einem Blick über Bonn. Die Tour „Kudos for you“ endet im neu eröffneten Fahrradcafé Kudos im Bonner Viertel.

Wenn das Wetter nicht mitspielt, rät Holbeck eher zu kürzeren Strecken in Richtung Bad Münstereifel. Dort bietet sich etwa ein Halt bei JoJo’s Crêperie in der Altstadt an. Ob eine Runde kurz oder ausgedehnt ist, durch das Ahrtal, die Eifel oder das Siebengebirge führt – Holbecks Vorschläge folgen demselben Grundgedanken: sportlich unterwegs sein, die Region entdecken und sich am Ende oder unterwegs Zeit für Genuss nehmen.

Ausrüstung: Das gehört ins Gepäck

Für die Ausrüstung empfiehlt Holbeck, auf jeder Fahrt eine leichte Wind- oder Regenjacke dabeizuhaben. Auch ein Snack für „den plötzlichen Hungerast“ gehört ins Gepäck. Dazu kommen Ersatzschlauch und Pumpe, damit man bei einer Panne nicht ohne Hilfe dasteht. (jv)