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Kommentar zu CoronaFlanderns Wort des Jahres beschreibt so schön unsere Gefühle

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Weingläser Kneipenabend Symbolbild

Sorgenfreies Anstoßen und Feiern ist in der Pandemie selten möglich. (Symbolbild)

Flandern hat es erkannt und unserer emotionalen Lage endlich ein Wort verpasst: „Knaldrang“ ist in der belgischen Region zum Wort des Jahres gewählt worden. Knaldrang lässt sich mit dem Bedürfnis, es mal endlich wieder richtig knallen oder krachen zu lassen übersetzen. Ob Tanzen im Club oder ausgelassener Kneipenabend, Silvesterparty oder das unbeschwerte Dinner mit Freunden, frei von Corona-Sorgen: Irgendwie haben wir doch alle ein wenig Knaldrang, oder?Das Wichtige: Es ist völlig in Ordnung, dieses Bedürfnis zu haben. Es ist aber wichtig, dass wir aufgrund der Pandemie-Situation dieses Bedürfnis kontrollieren, uns einschränken und entsprechend der geltenden Corona-Regeln verhalten. Und dass bedeutet eben auch, an Silvestern mit maximal zehn Personen die Sektkorken knallen zu lassen.

Warum ist der Ausdruck Knaldrang wichtig?

Doch warum ist diese Wortneuschöpfung Knaldrang so toll? Weil sie unser Bedürfnis zum Ausdruck bringt. Weil es uns vor Augen führt, dass wir es schon fast zwei Jahre durchgehalten haben, uns an Regeln zu halten. Weil sie das Bedürfnis und die Sehnsucht nach Gemeinsamem, Sorgenfreiem auf den Punkt bringt. Weil sie auch deutlich macht, wie einsam und isoliert wir manchmal waren und sind.

Dafür ein Wort zu finden, dem Kind quasi einen Namen zu geben, kann uns helfen, das Bedürfnis greifbarer zu machen und uns weiter an die dringend notwendigen Einschränkungen zu halten.

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Besonders bei jungen Menschen in Flandern habe sich der Begriff durchgesetzt, berichtet der Nachrichtensender VRT. Die Parallelen zu Deutschland sind eindeutig. Können Sie sich vorstellen, wie es ist, wenn man etwa kurz vor der Pandemie angefangen hat zu studieren und bis heute keine Kommilitonin oder keinen Kommilitonen persönlich kennt? Oder maximal aus dem Webcam-Bildchen der Zoom-Konferenz?

Die Pandemie hat die aufregendste Zeit einer ganzen Generation gestoppt.

Deswegen ist es kein Wunder, dass die Jugend dafür ein neues Wort schöpft, diese Zeit endlich zu erleben. Übrigens auch schon im vergangenen Jahr: „Knuffelcontact“, wörtlich „Kuschelkontakt“, war 2020 das Wort des Jahres in Flandern – die Zahl der erlaubten Sozialkontakte.

Ob Knallen lassen oder jemanden zum Kuscheln finden, es wird eine Zeit geben, in der wir auch wieder andere Worte zum Wort des Jahres machen werden.