Abo

Mord an InfluencerinDiese 6 Mordfälle erschüttern Hongkong noch heute

8 min
Überdimensionale Hello-Kitty-Figur.

Der Hello-Kitty-Mord im Jahre 1999 erschütterte Hongkong bis auf Tiefste.

Der Mord an der Influencerin Abby Choi machte 2023 weltweit Schlagzeilen. In Hongkong wurden Erinnerungen an 5 weitere unfassbare Verbrechen wach.

Der grausame Mord an Model und Influencerin Abby Choi erschüttert nicht nur Hongkong, sondern die ganze Welt. Die Anteilnahme ist groß und die Brutalität des abscheulichen Verbrechens macht fassungslos. In Hongkong werden Erinnerungen an andere Verbrechen wach, die die Menschen seit Jahrzehnten beschäftigen.

Achtung: Die folgenden Berichte über Verbrechen in Hongkong beinhalten grausame Taten wie Folter und Mord. Es handelt sich um wahre Begebenheiten, die als äußerst verstörend empfunden werden können. Leserinnen und Leser sollten sich daher bewusst sein, dass es sich um schwere Verbrechen handelt und eine gewisse Belastbarkeit mitbringen.

Der Mord an Abby Choi

Der Mord an dem Hongkonger Model und Influencerin Abby Choi sorgte 2023 weltweit für Schlagzeilen. Die 28-Jährige war in Hongkong eine bekannte Persönlichkeit, arbeitete als Model und hatte sich mit Auftritten in Modemagazinen sowie in sozialen Netzwerken einen Namen gemacht. Im Februar 2023 verschwand sie plötzlich. Zunächst gingen Ermittler von einem Vermisstenfall aus, doch wenig später nahm der Fall eine dramatische Wendung.

Die Polizei entdeckte in einem Dorfhaus im Stadtteil Tai Po Leichenteile der jungen Frau. Die Ermittler fanden dort unter anderem Hinweise darauf, dass die Tat in dem Gebäude vorbereitet worden sein könnte. Die grausamen Details des Falls lösten in Hongkong große Bestürzung aus. Abby Choi war zum Zeitpunkt ihres Todes Mutter von vier Kindern.

Unter Verdacht gerieten ihr Ex-Mann Alex Kwong sowie mehrere Mitglieder seiner Familie. Nach Angaben der Ermittler gab es mögliche Streitigkeiten um finanzielle Angelegenheiten und Immobilienbesitz. Besonders schockierend war für viele Menschen, dass mehrere Tatverdächtige aus dem engsten Umfeld des Opfers stammten. Alex Kwong wurde festgenommen, ebenso sein Vater und seine Mutter. Auch der Bruder des Ex-Mannes geriet in den Fokus der Ermittlungen.

Der Fall entwickelte sich zu einem der aufsehenerregendsten Kriminalfälle Hongkongs der vergangenen Jahre. Nicht nur die Brutalität der Tat sorgte für Entsetzen, sondern auch die familiären Verbindungen zwischen Opfer und Verdächtigen. 


Die Braemar-Hill-Morde

Die Braemar Hill-Morde gehören zu den bekanntesten wahren Kriminalfällen, die sich während der britischen Kolonialherrschaft in Hongkong ereignet haben. Am 20. April 1985 wurden im Tai Tam Country Park in der Nähe der Braemar Hill Mansions, dem Wohnort von Kenneth McBride (17 Jahre), und Nicola Myers (18 Jahre), zwei britischen Teenagern, von fünf jungen Gangstern ermordet.

Die beiden Jugendlichen besuchten die Island School und bereiteten sich gemeinsam auf ihr Abitur vor, als sie von mehreren örtlichen Triaden-Mitgliedern provoziert wurden, die beschlossen hatten, „ein bisschen Spaß zu haben“. Da sie jedoch kaum Geld bei den Opfern fanden, eskalierte die Situation und die Täter griffen die beiden Jugendlichen an und töteten sie. Kenneth McBride wurde später gefesselt aufgefunden und hatte zahlreiche Verletzungen erlitten, während Nicola Myers misshandelt und sexuell angegriffen worden war. Zudem hatte sie schwere Verletzungen erlitten.

Polizei von Hongkong in einem Wagen, daneben Paparazzis.

Die Polizei von Hongkong ermittelt, während die Presse versucht, die Verdächtigen zu fotografieren. (Symbolbild)

Nach der Tat verließen die Gangster den Park und vernichteten einige Beweise. Ein Mitglied, Tam Sze-foon (20), behielt jedoch McBrides Nike-Schuhe und zeigte sie einige Wochen später sogar seinen Freunden. Ein anderes Mitglied der Triade gab schließlich der Polizei einen anonymen Hinweis auf die Nike-Schuhe und bot eine finanzielle Belohnung für Hinweise an. Dies führte schließlich zur Verhaftung der vier anderen Täter: Pang Shun-yee (24), Chiu Wai-man (25), Cheung Yau-hang (17) und Won Sam-lung (16). Pang und Chiu verbüßen noch immer lebenslange Haftstrafen, Tam starb im Gefängnis an Krebs, die beiden jüngeren Täter wurden in den 2000er Jahren aus dem Gefängnis entlassen.


Der Tuen-Mun-Vergewaltiger

Zwischen April 1992 und August 1993 kam es in Tuen Mun zu einer Serie von Vergewaltigungen, Raubüberfällen und Morden. Der Täter, auch bekannt als der Vergewaltiger von Tuen Mun, war Lam Kwok-wai (geb. 1971), der sein erstes Verbrechen im Alter von 21 Jahren beging. Am 24. April 1992 folgte Lam einem 19-jährigen Mädchen in ihre Wohnung, vergewaltigte sie im Treppenhaus und raubte sie aus. Er wiederholte diese Verbrechen in ähnlicher Weise und hatte insgesamt 13 Opfer, von denen er drei tötete.

Tuen Muen in Hongkong

Tuen Muen in Hongkong (Archivbild)

Am 5. August 1993 vergewaltigte Lam sein (letztes) Opfer und zwang sie, ihm ihre Telefonnummer zu geben. Am nächsten Tag rief er das Mädchen an und verabredete sich mit ihr zu einem Kinobesuch. Das Opfer hatte den Vorfall jedoch bereits der Polizei gemeldet, sodass die Behörden Lam in eine Falle locken und noch am Tatort festnehmen konnten. Der Serienmörder und Vergewaltiger wurde schließlich wegen dreifachen Mordes, achtfacher Vergewaltigung und siebenfachen Raubes zu lebenslanger Haft verurteilt. Lam Kwok-wai ist einer von zwei verurteilten Serienmördern in Hongkong – der andere, Lam Kor-wan, ging als Tupperware-Mörder in die Geschichte ein (siehe unten).


Der Milchshake-Mord

Der Fall der Milchshake-Mörderin erregte 2003 in der Expat-Gemeinschaft großes Aufsehen. Bei der Täterin handelte es sich um die US-Amerikanerin Nancy Kissel (geb. 1964), die ihren Ehemann Robert Kissel mit einem Erdbeer-Milchshake betäubte, dem sie Beruhigungsmittel beigemischt hatte, und ihn anschließend erschlug. Die beiden lebten in einem Luxusviertel von Hongkong, da Robert als Investmentbanker vor Jahren zu großem Reichtum gekommen war.

Nancy Kissel mit ihrer Mutter.

Nancy Kissel mit ihrer Mutter bei der Gerichtsverhandlung im August 2005.

 Obwohl Nancy auf nicht schuldig plädierte und behauptete, in Notwehr gehandelt zu haben, wird vermutet, dass Robert von ihrer Untreue wusste und das Paar kurz vor der Scheidung stand. Roberts Leiche wurde nur vier Tage nach seinem Verschwinden in der Wohnung der Familie gefunden, eingewickelt in einen Teppich. Nancy wurde wegen Mordes angeklagt und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. 

Obwohl der Fall aufgrund der Beweise relativ klar zu sein scheint, erregte diese wahre Kriminalgeschichte auch deshalb so viel Aufmerksamkeit, weil sie den Einheimischen einen Einblick in die Welt der Reichen und Privilegierten in Hongkong gewährte. Darüber hinaus entdeckten einige Familien erstaunliche Parallelen zwischen ihrem Leben und dem der Kissels.

Robert war ein erfolgreicher Investmentbanker und seine Frau eine „Tai Tai“, wie die Ehefrauen reicher Männer in China umgangssprachlich genannt werden. Nach außen hin führte das Paar ein perfektes Leben, doch hinter verschlossenen Türen litten sie unter einer schwierigen Ehe. Der Fall machte 2006 erneut Schlagzeilen, als auch der Bruder von Robert Kissel, Andrew Kissel, ermordet wurde. Dieser Mord hatte jedoch nichts mit dem Mord an Robert zu tun und war ein reiner, schrecklicher Zufall.


Der Tupperware-Mörder

Die folgende Geschichte ereignete sich im Juli 1982. Lam Kor-wan, auch bekannt als „The Rainy Night Butcher“, war ein Taxifahrer, der an regnerischen Abenden weibliche Fahrgäste aufnahm und sie dann überfiel. Er erdrosselte seine Opfer mit einem Stromkabel und brachte ihre Leichen nach Hause.

Taxi in Hongkong.

Taxi in Hongkong. (Symbolbild)

Als leidenschaftlicher Fotograf dokumentierte Lam seine Taten mit Bildern und Aufnahmen. Nach Angaben der Ermittler soll er sich auch an einem seiner Opfer vergangen haben. Lam behauptete zudem, Teile eines Opfers gegessen und Körperteile in Tupperware-Behältern aufbewahrt zu haben, während er andere Überreste entsorgte.

Lams Verbrechen führten schließlich zu seiner Verhaftung am 17. August 1982, nachdem er versucht hatte, Fotos seiner Taten in einem Kodak-Geschäft entwickeln zu lassen. Der Geschäftsführer wurde auf die Aufnahmen aufmerksam und informierte die Polizei. Lam wurde wegen vierfachen Mordes angeklagt und zunächst zum Tode durch den Strang verurteilt. Die Strafe wurde später in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. Lam Kor-wan gilt neben dem bereits erwähnten Lam Kwok-wai als einer von zwei bekannten Serienmördern Hongkongs.


Der grausame Hello-Kitty-Mord

Der auch weit über die Grenzen Hongkongs bekannte Hello-Kitty-Mord erschütterte 1999 die Öffentlichkeit. Die 23-jährige Nachtclub-Hostess Fan Man-yee wurde von drei Männern entführt und in einer Wohnung in Tsim Sha Tsui gefangen gehalten. Über mehrere Wochen hinweg wurde die junge Frau schwer misshandelt und starb schließlich an den Folgen der Gewalt. Nach der Tat versuchten die Täter, ihre Spuren zu verwischen. Teile der Überreste wurden entsorgt, während ihr Schädel in einer Hello-Kitty-Puppe versteckt wurde – daher der Name des Falls.

Die Polizei von Hongkong durchsucht eine Müllhalde.

Die Polizei von Hongkong durchsucht eine Müllhalde. (Symbolbild)

Im Mai 1999 führte die Freundin eines der Täter die Polizei zum Tatort und half dabei, das Verbrechen aufzuklären. Das Trio – Chan Man-lok, Leung Shing-cho und Leung Wai-lun – wurde wegen Totschlags zu lebenslanger Haft verurteilt. Leung konnte später erfolgreich Berufung einlegen und seine Haftzeit verkürzen. Im April 2014 wurde er aus der Haft entlassen. Obwohl der Fall bereits viele Jahre zurückliegt, ist er wegen der außergewöhnlichen Brutalität der Tat und der Umstände, unter denen die Ermittler das Verbrechen aufdeckten, bis heute im Gedächtnis vieler Menschen geblieben.


Der Kindergarten-Amoklauf von Sham Shui Po

Am 3. Juni 1982 kam es im Hongkonger Stadtteil Sham Shui Po zu einer der schwersten Gewalttaten in der Geschichte der Stadt. Der 28-jährige Lee Chi-hang griff zunächst in seinem Wohnhaus seine Mutter und seine Schwester an und tötete beide.

Anschließend ging er in den nahe gelegenen Anne Anne Kindergarten. Dort griff er Kinder und Mitarbeiter mit Messern und anderen Gegenständen an. Vier Kinder kamen dabei ums Leben, zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt. Auch ein Polizist wurde während des Einsatzes verletzt, bevor die Polizei den Angreifer überwältigen und festnehmen konnte.

Im anschließenden Verfahren wurde festgestellt, dass Lee Chi-hang an einer psychischen Erkrankung litt. Das Gericht kam zu dem Ergebnis, dass er zum Zeitpunkt der Tat nicht schuldfähig war, und ordnete seine Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung an. Dort blieb er auch in den folgenden Jahrzehnten untergebracht.

Der Fall löste in Hongkong eine breite Debatte über den Umgang mit psychisch erkrankten Menschen sowie über die Sicherheit in Einrichtungen für Kinder aus. Die Tat sorgte damals für große Bestürzung in der Stadt und prägte die Diskussion über den Schutz von Kindern nachhaltig. Er gilt bis heute als eine der schwersten Gewalttaten in der jüngeren Geschichte Hongkongs. (jag)