Frauen bezeichnen sich online als „Jane Doe“ und erzählen von eigenen Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch.
„Wir alle sind Jane Doe“Frauen stellen sich nach Vergewaltigungsklage hinter Cornell-Studentin

Fußgänger gehen auf dem Campus der Cornell University. .
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Es war eine einzelne Frau, dann eine zweite und noch eine – und dann wurde aus einem Rinnsal eine Flut. Zahllose Frauen und auch einige Männer haben sich in den sozialen Medien mit der jungen Frau solidarisiert, die kürzlich eine Klage gegen die renommierte Cornell University im US-Staat New York und sieben Mitglieder einer Studentenverbindung eingereicht hat, denen sie Gruppenvergewaltigung vorwirft. In ihren Beiträgen nennen sich die Unterstützer selbst „Jane Doe“ – das ist das Pseudonym, unter dem die Studentin vor Gericht gezogen ist.
Viele, die den Namen übernahmen, berichteten über eigene Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch – auch als Hinweis an andere Opfer, dass sie mit dem Erlebten an die Öffentlichkeit gehen können, ohne ihre Identität preisgeben zu müssen. Andere wollen helfen, der Klägerin in diesem digitalen Zeitalter einen gewissen Schutz zu bieten – eine Reaktion auf Leute, die mit dem Gedanken spielen, den wahren Namen der Frau online zu enthüllen. Sie hoffen, dass eine Flut von „Ich bin Jane Doe“-Posts Algorithmen verwirren wird.
Elite-Uni Cornell: Worum es in der Klage geht
Die Studentin war 20 Jahre alt, als sich der Vorfall ihren Angaben zufolge im Oktober 2024 im Haus der Studentenverbindung Chi Phi ereignete. Sie sagt, dass sie zuvor zum Konsum von Ketamin, Marihuana und Alkohol gedrängt worden und schließlich völlig handlungsunfähig gewesen sei. Drei Wochen danach wandte sich die junge Frau an die Polizei auf dem Campus, doch es gab kein juristisches Nachspiel. Die Klägerin wirft der Universität Untätigkeit vor. Ihr gerichtlicher Vorstoß wurde Ende September durch Mitarbeiter der unabhängigen Uni-Studentenzeitung publik gemacht, und jetzt laufen staatsanwaltschaftliche Sonderermittlungen.
Die Solidaritätsbekundungen sind in allen Formaten – Video, Foto, Text – auf den verschiedenen Social-Media-Plattformen erschienen. Die Empörung erinnert an die Energie auf dem Höhepunkt der #MeToo-Bewegung, die vor einem Jahrzehnt explodierte. Damals veröffentlichten Frauen im Zuge eines vielbeachteten Hollywood-Falls ihre Geschichten über sexuelle Belästigung und Übergriffe unter Verwendung dieses Hashtags.
Welle der Solidarität: „Ermutigung für Frauen“
„Diese Momente (…) ermutigen mehr Frauen, sich zu Wort zu melden und ihre Geschichten zu erzählen“, sagt Emma Davidson Tribbs von der National Women’s Defense League, die sich dem Schutz von Frauen vor sexuellen Übergriffen am Arbeitsplatz verschrieben hat – insbesondere in der Politik. „Sie geben den Menschen den Mut und das Gefühl der Sicherheit, sich zu offenbaren und ihre Wahrheit zu sagen. Und sie können unglaublich als Katalysator für Veränderungen wirken.“
Veränderung ist genau das, was Wendy Lea Brewer sich wünscht, und das inspirierte sie dazu, auf Instagram Reels mit Bildunterschriften wie „Ich bin Jane Doe“ und „Es ist Zeit zu sprechen“ zu posten. Die 48-jährige Sängerin hat selbst Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch durchgemacht und darüber in ihren Songtexten und Auftritten gesprochen. Doch sie hatte das Gefühl, „in die Leere zu schreien“, weil die Menschen ihr keine Beachtung schenkten. Empört, nachdem sie von dem Cornell-Fall gehört hatte, ging sie online und entdeckte, dass viele ihre Empfindungen teilen – und wie sie selbst „genug davon haben“.
Das Pseudonym „Jane Doe“ soll Opfer online schützen
Die Verwendung von Pseudonymen – insbesondere „Jane Doe“ – in Gerichtsverfahren hat in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen, wie Diana Simon, Professorin für Rechtswissenschaften an der University of Arizona, sagt. Zwar sei das Rechtssystem auf Transparenz ausgerichtet, mit der Erwartung, dass die Parteien eines Rechtsstreits namentlich genannt würden, doch könne es Situationen geben, die äußerst privat oder sensibel seien, „in denen es im besten Interesse der betroffenen Person liegt, anonym zu bleiben“. Das verhindere jedoch nicht, dass die wahre Identität einer Person manchmal doch ans Licht komme, insbesondere wenn Menschen gezielt danach suchten.
Genau dies war der Beweggrund für Kelsey Combes „Ich bin Jane Doe“-Bekenntnis: Sie hofft, dass zahlreiche ähnliche Beiträge der Klägerin eine Art Online-Schutz bieten könnten, falls ihr Name bekannt werden sollte – indem sie es erschwerten, dessen Echtheit festzustellen.
„Es ging darum, die KI-Modelle zu verwirren und mich solidarisch mit ihr (der Studentin) zu zeigen“, sagt die Fotografin aus dem Mittleren Westen. Sie verweist darauf, dass „die Mehrheit“ von Frauen eigene Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen habe. In diesem Sinne „sind wir alle Jane Doe, bis niemand mehr Jane Doe ist“. (rnd/ap)
