Todeszonen könnten sich bildenMeteorologe Kachelmann warnt vor „grotesk hohen“ Temperaturen in Nord- und Ostsee

Lesezeit 3 Minuten
Ein Kreuzfahrtschiff fährt während des Sonnenuntergangs auf der Ostsee über das Meer vor der Küste Estlands.

Die Temperaturen an Nord- und Ostsee sind Anfang Juni fünf Grad höher als normal. Die Erwärmung entlang der deutschen Küste könnte dramatische Auswirkungen für Touristen und Anwohner haben.

Die Temperaturen in Nord- und Ostsee sind deutlich zu hoch. Für Touristen und Anwohner könnte das dramatische Folgen haben.

Die Temperaturen in Nord- und Ostsee sind für Anfang Juni deutlich zu hoch und steuern auf neue Rekordwerte zu. Derzeit liegt die Temperatur in der Nord- und Ostsee entlang der deutschen Küste bei bis zu 18 Grad. Erst am Dienstag hatte das Alfred-Wegener-Institut (AWI) für das Jahr 2023 einen Rekordmittelwert von 11,9 Grad in der Nordsee bei Helgoland.

„Grotesk hohe Wassertemperaturen in Nord- und Ostsee, etwa 5 Grad zu hoch für diese Jahreszeit“, schrieb der Meteorologe Jörg Kachelmann auf der Plattform X, vormals Twitter. Drastisch steigende Temperaturen entlang der deutschen Küste könnten zu schweren Unwettern und der Bildung sogenannter Todeszonen führen.

Nordsee/Ostsee: Meteorologe Jörg Kachelmann warnt vor „grotesk hohen“ Temperaturen

Durch den Klimawandel heizen sich die Ozeane und Binnenmeere seit Jahren kontinuierlich auf, wodurch mehr Wasser verdampft und die warme Luft mehr Wasser aufnehmen kann. So entstehen schwere Unwetter und Extremwetterereignisse, wie beispielsweise die heftigen Überschwemmungen in Griechenland im vergangenen Sommer.

Alles zum Thema Klimawandel

Durch Unwetter kann auch die Gefahr von Orkanböen oder Sturmfluten deutlich steigen. Im vergangenen Jahr hatten Meteorologen einen seltenen Mittelmeer-Hurrikan, auch „Medicane“ genannt, vor der Küste Libyens beobachtet. Durch den Wirbelsturm wurde die Küstenstadt Darna völlig verwüstet, Tausende starben, Zehntausende Menschen verloren ihre Wohnungen und Häuser.

Durch die aufgeheizte Nord- und Ostsee wird die Ausbreitung sogenannter Mini-Algen gefördert. Diese breiten sich bereits durch große Mengen Dünger, die ebenfalls in Nord- und Ostsee fließen, sowieso schon schneller aus als üblich. Die Algen bilden dabei einen dichten Teppich knapp unter der Wasseroberfläche, der Pflanzen in größerer Tiefe das Licht nimmt.

Ostsee: Warnung vor Todeszonen durch aufgeheizte Meere – Sorge für Anwohner und Touristen

Größere Wasserpflanzen können so nicht ausreichend gedeihen. Sie dienen nicht nur als Versteck für zahlreiche Fischarten, sondern produzieren auch wichtige Mengen an Sauerstoff. Durch die Mikroalgen wachsen sie mittlerweile aber nicht mehr in der üblichen Tiefe. Vor allem in der Ostsee droht dadurch eine gefährliche Todeszone.

Denn dort gibt es kaum Strömungen aus anderen Meeren, nur bei besonderen Wetterlagen gelangt Wasser aus der Nordsee in die Ostsee. Dort bilden sich zwei Wasserschichten: Knapp unter der Oberfläche liegt eine salzarme, dafür aber sauerstoffreiche Schicht. Darunter liegt eine Schicht, die deutlich salzhaltiger ist, aber kaum Sauerstoff enthält.

Nordsee/Ostsee: Sturmfluten und schwere Unwetter durch hohe Wassertemperaturen erwartet

Das Fehlen größerer Wasserpflanzen in tieferen Lagen lässt den Sauerstoffgehalt in dieser Schicht noch weiter sinken. „Wir beobachten in der südwestlichen Ostsee einen Rückgang [der Pflanzen] um 90 Prozent gegenüber der Zeit vor 50 Jahren“, sagt Meeresbiologe Martin Wahl vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR) dem „NDR“.

Die Folge: sauerstoffarme Todeszonen, die für Menschen, aber vor allem für Fische und weitere Lebewesen in der Ostsee gefährlich werden könnten. Steigen die Temperaturen zudem weiter an, drohen bereits in diesem Sommer weitere schwere Unwetter, die auch Sturmfluten mit sich bringen könnten.

Hochwasser: Schwere Unwetter mit 300 Liter Regen treffen Bayern und Baden-Württemberg

Massive Regenfälle und Überschwemmungen hatten erst vor wenigen Tagen in Bayern und Baden-Württemberg mehr als 300 Liter Regen gebracht. Zahlreiche Landkreise hatten den Katastrophenfall ausgerufen, da Flüsse über die Ufer getreten waren. Mehrere Orte musste wegen Dammbrüchen evakuiert werden.

Durch den Klimawandel werden solche Extremwetterereignisse immer wahrscheinlicher, erst vor wenigen Wochen hatten außergewöhnlich starke Regenfälle die Eifel und das Ahrtal getroffen. In einigen Orten im Kreis Euskirchen fielen mehr als 60 Liter Regen in einer Stunde. (shh)

Nachtmodus
KStA abonnieren