Talkshows scheint Cem Özdemir in der Regel wenig abgewinnen zu können. Als er seine Abneigung im Podcast „Politik mit Anne Will“ begründet, versucht sich die ehemalige Polittalkerin an einer „Ehrenrettung“ - wird aber jäh unterbrochen.
Anne Will möchte zur „Ehrenrettung der Talkshows“ ansetzen - da poltert Cem Özdemir weiter

Cem Özdemir war im Podcast „Politik mit Anne Will“ zu Gast. (Bild: 2025 Getty Images/Gerald Matzka / 2026 Getty Images/Thomas Niedermueller (Fotomontage))
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Es sei eine der „besten Sendungen im Fernsehen“ gewesen, deren Teil Cem Özdemir gewesen sei. Im Podcast „Politik mit Anne Will“ erinnert sich der baldige Ministerpräsident Baden-Württembergs an eine Ausgabe von Wills inzwischen eingestellter Talkshow, in der ihm Wolfgang Schäuble gegenüber saß - und sich ein so angenehmes Gespräch entwickelte, dass beide „schon fast vergessen hatten, dass er in der CDU ist und ich bei den Grünen bin“.
„Das war nicht einfach nur: 'Sie haben immer Unrecht, was Sie sagen, und meine Leute haben immer recht, was wir sagen'“, erklärt Özdemir. „Das Ergebnis war: Das hat sich nie wiederholt. Ich bin nie wieder in ein solches Format eingeladen worden.“ Zu Beginn seiner Karriere sei er sogar aus Sendungen „ausgeladen worden“, verrät der Grünen-Mann. „Bei Talkshows ist es ja so: Da ruft ein Redakteur vorher an und fragt, wie stehen Sie zu dem Thema?“ Oftmals hätten seine Antworten im Vorgespräch zu einer Absage geführt. „Dann hat es oft geheißen: 'Herr Özdemir, sehen Sie es uns nach, aber für die Sendung sind Sie nicht geeignet, weil wir eine klare Polarisierung brauchen.“
„Jetzt will ich zur Ehrenrettung der Talkshows sagen ...“, versucht Anne Will, ihren Gast zu unterbrechen. Der jedoch ereifert sich weiter über die Machart der Sendungen. „Ich glaube, dass es eine tiefe Sehnsucht im Land gibt, jenseits dessen, dass man eben so holzschnitzartig die Dinge darstellt.“ Er wolle seinem Gegenüber „nicht zu nahetreten“, betont Özdemir, „aber vielleicht haben wir auch gemeinsam in der Republik alle miteinander dazu beigetragen, dass es heute so ist, wie es ist.“
Anne Will wollte „einen Gegenentwurf“ zu Hass und Hetze zeigen
Anne Will sieht dies ähnlich. „Sie werden sich wundern, aber Sie rennen offene Türen ein“, verrät sie dem früheren Landwirtschaftsminister. „Wir haben natürlich auch zum Teil holzschnittartig unsere Talkshow gebaut am Sonntagabend. Wir sind davon aber immer wieter weggegangen.“
Sie wolle sich „nicht über den grünen Klee loben“, sagt die ehemalige ARD-Moderatorin. Ihr sei allerdings im Laufe der Zeit bewusst geworden, dass man „mit einer derartigen Sendung“, die teils von Millionen Menschen geschaut werde, „einen Auftrag“ habe. Dieser sei es gewesen, „einen Gegenentwurf zu setzen gegen die zunehmende Empörung, Hass und Hetze in den sozialen Medien. Wir wollten einen anderen Debattenbeitrag senden.“ (tsch)