Ein ARD-Kamerateam hat verstörend alltäglich gewordene Szenen rund um Einsätze der ICE-Behörde eingefangen. Doch nicht alle Menschen in den USA verurteilen Trumps radikale Abschiebe-Politik, auch nicht in den Migrantenvierteln.
ARD-Team hört ausgerechnet im Migrantenviertel Zuspruch für Trumps ICE-Behörde

In Minneapolis ist der Widerstand gegen die ICE-Behörde ungebrochen groß. (Bild: 2026 Getty Images/Stephen Maturen)
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Ein Gerichtsgebäude in Downtown Manhattan, 14. Stock. Ein junger Migrant ist zu seinem Anhörungstermin erschienen. Er hofft auf eine Aufenthaltsgenehmigung, doch seinen Termin wird er nicht wahrnehmen können. Beamte der US-Abschiebebehörde ICE tauchen auf. Als sie die Kamera entdecken, verdecken sie hastig ihr Gesicht. Dann geht alles ganz schnell.
Mehre Maskierte ringen den jungen Mann zu Boden. Seine Aufforderung „Zeigt mir den Haftbefehl!“ verhallt. Eine Weile wehrt er sich, dann wird er in Handschellen abgeführt. „Wir können nur vermuten, dass ihm jetzt die sofortige Abschiebung droht“, sagt die Stimme im ARD-Bericht „Trumps ICE-Truppen: Abschieben um jeden Preis?“ aus der „Weltspiegel“-Redaktion. Der Film ist in der ARD-Mediathek zu sehen.
Es sind verstörende Szenen wie diese, welche den ARD-Korrespondenten in New York immer häufiger begegnen. Sie ereignen sich „auf Ämtern, bei der Arbeit, im Alltag von Menschen, die schon seit vielen Jahren in den USA leben und eine Familie versorgen“.
„Es ist nicht fair, dass wir im Schatten leben müssen mit der Angst, dass uns etwas passiert“

Supermarktbetreiber Carlos Collado sagt im „Weltspiegel Extra“: „Wir müssen damit beginnen, einiger der Leute loszuwerden, die wir definitiv hier nicht brauchen.“ (Bild: WDR)
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So wie Gabriela aus Ecuador, die sich seit drei Jahren vergeblich um eine Aufenthaltserlaubnis bemüht. Mit tränenunterlaufenen Augen sagt sie im Wartesaal des Amtes vor der Kamera: „Ich habe zwei Kinder und bin alleinerziehend. Es ist nicht fair, dass wir im Schatten leben müssen mit der Angst, dass uns etwas passiert. Wir sind ja genau davor geflohen.“
Wie Gabriela geht es rund elf Millionen Migranten in den USA, die sich ohne gültige Papiere im Land aufhalten. Sie alle müssen sich als Ziel der ICE-Behörde fühlen. Die Zahl der paramilitärischen Einsatzkräfte hat sich im letzten Jahr mehr als verdoppelt. Das Budget für ICE wurde sogar verdreifacht, die Ausbildungszeit für „qualifizierte patriotische Amerikaner“ jedoch auf wenige Wochen verkürzt.
Wohin das führt, konnte die Weltöffentlichkeit zuletzt anhand von Bildern aus der demokratisch regierten Metropole Minneapolis beobachten. Bei Protesten gegen Donald Trumps radikale Abschiebepolitik starben die US-Bürger Renée Good und Alex Pretti durch Schüsse. Belege für die Behauptung, die Demonstranten seien in Notwehr getötet worden, ergaben sich aus dem Videomaterial zu beiden Tragödien jeweils nicht.
Einwanderer sagt: „Als Trump kam, hat sich alles beruhigt“
Doch den Furor, der den ICE-Truppen in Minneapolis und auch in europäischen Medien entgegenschlägt, teilt in den USA eben nicht jeder. Die ARD-Korrespondenten hörten sich in den Einwandervierteln New Yorks um und protokollierten dort neben Angst-Bekenntnissen auch Zustimmung zum ultraharten Kurs, der aus Washington vorgegeben wird: „Aus meiner Sicht gab es viel Chaos in der Stadt“, sagt Street-Food-Verkäufer Marcos. „Als Trump kam, hat sich alles beruhigt. Die Leute fangen an, sich besser zu verhalten, weil das Gesetz strenger geworden ist.“
In der Bronx klagt Supermarktbetreiber Carlos Collado, über die offenen Grenzen seien zu viele Kriminelle ins Land gelangt. Die Todesfälle in Minneapolis hätten auch ihn schockiert, räumt der vor 50 Jahren aus der Dominikanischen Republik emigrierte US-Bürger ein. Dass „Unschuldige in diese Festnahmen verwickelt sind“, sei traurig. Es gäbe aber auch noch „eine andere Realität“, bekräftigt er mit Verweis auf die vielen bewaffneten Überfälle auf sein Geschäft. „Wir müssen damit beginnen, einige der Leute loszuwerden, die wir definitiv hier nicht brauchen.“
Nach einer Befriedung der gesellschaftlichen Konflikte in den USA klingt all das freilich nicht. Schon gar nicht in Minneapolis, auch wenn aus der Stadt zuletzt erste ICE-Kräfte abgezogen wurden. „Jetzt rudern sie zurück“, sagt ein Demonstrant dem ARD-Team. „Und wissen Sie warum? Wegen der Videos. Wenn es keine Videos gäbe, würden sie uns hier weiter niedertrampeln. Aber die Videos lügen nicht. Sie lügen.“ (tsch)
